Die Regierung plant eine neue Milliarden-Förderarchitektur für die Stromversorgung. Doch es gibt Tücken und eine günstigere Alternative. Ein Gastbeitrag.

Veronika Grimm ist Mitglied des Sachverständigenrats. Foto: Reuters, Getty Images
Deutschland steht vor wachsenden Herausforderungen bei der Versorgungssicherheit im Strommarkt. Die Bundesregierung reagiert nun zunächst mit gezielten Ausschreibungen zusätzlicher gesicherter Leistung. Für die langfristige Marktarchitektur ist ein umfassender Kapazitätsmarkt im Gespräch. Ein aktuelles Kurzgutachten, das ich gemeinsam mit Timo Schneider und Christian Sölch vom Energy Systems and Market Design Lab der Technischen Universität Nürnberg verfasst habe, zeigt jedoch: Die Bundesregierung sollte Alternativen ernsthaft prüfen.
Entscheidend ist: Wir müssen Versorgungssicherheit gewährleisten, dürfen dabei aber nicht vorschnell eine neue und dauerhaft kostspielige Förderarchitektur schaffen. Die Ausschreibungen, die die Bundesregierung nun endlich initiiert hat, sind notwendig, um absehbare Kapazitätslücken zu schließen. Gleichzeitig müssen die Weichen für ein Marktdesign gestellt werden, das Investitionen mobilisiert, Wettbewerb ermöglicht und anpassungsfähig bleibt, ohne dabei die Kosten der Stromversorgung unnötig in die Höhe zu treiben.
Ein Vergleich unterschiedlicher Modelle zur langfristigen Absicherung der Stromversorgung ergibt: Unter den klassischen Kapazitätsmarktmodellen schneiden zentrale Kapazitätsmärkte vergleichsweise gut ab. Sie sind allerdings mit erheblichen Risiken verbunden. Der Regulierer muss etwa den Kapazitätsbedarf bestimmen und unterschiedliche Technologien administrativ bewerten. Damit ergeben sich vielfältige Möglichkeiten für Mitnahmeeffekte, was zugleich die Anreize für Interessengruppen erhöht, auf die Ausgestaltung des Kapazitätsmarktes Einfluss zu nehmen. Für die Verbraucher könnte das am Ende teuer werden. Langfristige Verträge dürften zudem Pfadabhängigkeiten und Lock-ins erzeugen und die Anpassung an neue Technologien erschweren.
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