VW‑CEO Blume – „Deutschland kann wieder zur Weltspitze gehören“ +++ Deutsche-Bank-Chef – Linken-Regierung in Berlin „kann problematisch werden“ +++ Verfolgen Sie die wichtigsten Ereignisse hier live.

Friedrich Merz: Der Bundeskanzler spricht auf dem Deutschland-Gipfel von Handelsblatt und WirtschaftsWoche. Foto: HB
Der Bundeskanzler sagt, dass in der Bevölkerung aktuell das Vertrauen in politische und wirtschaftliche Akteure sowie Institutionen fehle. Er wirbt um Verständnis dafür, dass es in aktuellen Zeiten Veränderungen brauche.
Jetzt ist Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf der Bühne. Er wird zunächst eine Rede halten und danach von Sebastian Matthes und Horst von Buttlar, den Chefredakteuren von Handelsblatt und Wirtschaftswoche, befragt werden. Er entschuldigt sich für eine 15-minütige Verspätung, die an einem gesperrten Tunnel in Berlin gelegen habe. „Weil das Personal für die Überwachung fehlt, naja“, sagt Merz.
Das Panel der Dax-CEOs ist beendet.
„Wir müssen als Führungskräfte immer auch auf das Thema Kultur aufpassen“, sagt Kamieth. Der BASF-CEO erklärt, dass Kultur Teil einer jeden Transformation sein müsse. Der Großteil der Menschen im Unternehmen würde auch nach der BASF-Transformation mit deutlicher Kostenreduktion im Unternehmen bleiben und für die müsse man das Unternehmen der Zukunft bauen, dass weiterhin an der Weltspitze stehe. „Wir müssen mehr über Aufbau und nicht immer über nur Abbau sprechen, sagt Kamieth.
Blume kritisiert, dass Umfragen zeigten, dass alle sich Veränderungen wünschen, aber keine Veränderungsbereitschaft zeigten. „Wir müssen auch die Chancen sehen“, sagt er. Es gäbe viele Umbrüche, dadurch entstünden neue Geschäftsfelder. „Dann gehört Deutschland auch wieder zur Weltspitze.“
Gibt es die Veränderungsbereitschaft bei Volkswagen? „Noch nicht zu 100 Prozent“, antwortet Blume. Man müsse erst einmal Abstriche in Kauf nehmen, aber dann könne man stärker als Unternehmen aus einer Transformation hervorgehen.
„Wie wäre es, wenn wir mal nicht über andere Bürokratie sprechen, sondern über keine?“, sagt der Allianz-CEO. „Wenn sie keine Bürokratie wollen, müssen sie erstmal die Bürokraten abschaffen“, sagt er. Bäte kritisiert zudem, dass Unternehmer immer die Politik kritisieren, aber selbst nicht tätig werden. Stattdessen sollten Unternehmen selbst Wohnraum bauen, erneuerbare Energien ausbauen und Venture Capital unterstützen. „Wir haben uns so daran gewöhnt, immer nur zu motzen“, sagt er. Sonst verpasse man den Anschluss an die Zukunft.
Für BASF-CEO Kamieth ist klar, dass Staat und Unternehmen enger zusammenarbeiten müssen. „Es muss einen Schulterschluss geben. Was ist die Alternative?“ Er kritisiert allerdings, dass er sich an keine politische Maßnahme erinnere, die die Kosten für Unternehmen maßgeblich gesenkt habe. Er wolle nicht jammern, sehe aber keine Gesamtstrategie auf Berliner oder Brüsseler Ebene.
„Die Industrie muss ihre Aufgaben lösen und die Politik muss dafür die Rahmenbedingungen geben“, sagt Blume. Europa habe viele Stärken, etwa hochqualifizierte Fachkräfte. Es ginge um gleiche Wettbewerbsbedingungen in Europa, die richtigen Rahmenbedingungen, etwa Ladeinfrastruktur und Energiekosten. „Schnelle Entscheidungen“ seien zudem wichtig, da habe Europa noch Nachholbedarf.
Für manche Projekte bekäme ein Unternehmen zudem Förderungen in einem Land, aber in anderen nicht. Solche Ungleichheiten müssten ausgeglichen werden.

Martin Kamieth und Oliver Bäte Marc-Steffen Unger / Handelsblatt
Der Allianz-CEO Oliver Bäte schaut zuversichtlich auf die Zukunft. „Wir werden wieder wettbewerbsfähig sein.“ Viele Unternehmen hätten verpasst, die Veränderungen umzusetzen, die notwendig gewesen wären.
Es ist ein Skandal, dass wir unser Kapital nicht in neue Unternehmen und neue Unternehmer investieren. Allianz-CEO Oliver Bäte
Zudem schwärmt Bäte von dem Standort München und schlägt vor, dass sich andere Regionen von der Stadt etwas abschauen sollten. „Die Münchener denken viel langfristiger“, sagt Bäte.
Der BASF-CEO wird nach den Herausforderungen in der Chemie-Industrie angesprochen. Die Chemie-Branche befinde sich „in der schwierigsten Zeit seit 25 Jahren“. Er fügt hinzu: „China hat unsere Branche sehr stark verändert.“ Das stimme überein mit den Herausforderungen in der Autobranche. „Wir definieren unsere gesamte Prozesslandschaft derzeit neu“, sagt er. Dadurch könne man 20 Prozent der Kosten sparen.
Von Buttlar fragt nach der geplanten Übernahme von Evonik. „BASF kann in so einer Phase der Konsolidierung auch Chancen sehen“, sagt Kamieth. „Ich bin davon überzeugt, dass die Kombination von zwei starken Playern in der Branche durchaus eine Chance ist.“ Ein Verbund aus zwei Unternehmen in der Spezialchemie mache sehr viel Sinn. Damit wolle man die Position des Unternehmens und Europas Rolle in der Welt stärken.
Von Buttlar fragt Blume, wie VW mit den aktuellen Herausforderungen der Branche umgehen will. „Es geht darum, nicht in Seenot zu geraten“, sagt Blume. Es gehe aber auch darum, „die Segel nun richtig zu setzen“. Blume spricht über geopolitische Herausforderungen, ebenso wie über neue bürokratische Vorstellungen.
Nach der Transformation gefragt, sagt der VW-CEO: „Wir sind total entschlossen.“ Er fügt hinzu: „Wir müssen jeden Stein umdrehen und jetzt eine radikale Transformation machen.“ Diese würde jedem viel abverlangen.

VW-Chef Oliver Blume Marc-Steffen Unger / Handelsblatt
Das nächste Panel beginnt auf der Bühne des Deutschlandgipfels von Handelsblatt und WirtschaftsWoche. WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar spricht mit den vier Dax-CEOs Oliver Bäte (Allianz SE), Oliver Blume (Volkswagen Group), Jochen Hanebeck (Infineon), Martin Kamieth (BASF) zur Zusammenarbeit von Unternehmen und Staat bei Zukunftsinvestitionen.
„Grüße aus der Zukunft“, sagt die in den USA lebende Ökonomin Isabella Weber. Sie spricht sich dagegen aus, die Wahlerfolge von AfD und Linkspartei gleichzusetzen. Eine völkische, demokratiefeindliche AfD sei ein ungleich größeres Problem für Deutschland als die Linke, die in Berlin Wohnungen vergesellschaften will.
Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank, warnt vor den Folgen unter Beteiligung der Linken und der AfD in deutschen Bundesländern. Die Bank hätten viele Anrufe zu den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt und Berlin erreicht. Eine Regierung unter Führung der Linken „kann problematisch werden“, sagt er.
Investoren schätzten an Deutschland vor allem die Rechtssicherheit und die Stärke der Demokratie. „Wenn wir damit spielen, wird das verfliegen“, sagt Sewing. Stattdessen müsse die Bundesregierung an ihrem Reformkurs festhalten. Politik und Wirtschaft müssten gemeinsam daran arbeiten, zu mehr Wachstum zu kommen.

Christian Sewing Marc-Steffen Unger / Handelsblatt
Die in den USA unterrichtende Ökonomin Isabelle Weber spricht sich dafür aus, KI-Dystopien und Ängste vom „Ende der Welt“ durch Künstliche Intelligenz (KI) von staatlicher Seite aus einzudämmen. In einem ersten Schritt könnten sich staatliche Einrichtungen beispielsweise von Programmen großer Techkonzerne unabhängig machen. Sie könne etwa nicht verstehen, warum nach wie vor alle Behörden und Universitäten Microsoft Word nutzten und nicht ein unabhängiges Programm.
Deutschland als Autoland dürfe die Führungsrolle in der weltweiten Industrie nicht verlieren und das zur Priorität machen, sagt der Bayer-Chef. Er habe viel auszusetzen an seiner Heimatstadt San Francisco, doch dort seien etwa Robo-Taxis längst Alltag. In einem Jahr müsse es in allen größeren deutschen Städten autonom fahrende Autos geben.
Der Bayer-Chef ist nicht der Meinung, dass die Gesellschaften in Deutschland und anderen westlichen Staaten verlernt haben, unterschiedliche Ansichten auszuhalten und zu diskutieren. Ihn besorge viel mehr, dass die jüngste Generation Studien zufolge nicht optimistischer als ihre Eltern und Großeltern sei, sagt Bill Anderson. Finanzielle Stabilität – „also quasi die historische Mission Deutschlands“ – sei für die Zufriedenheit der jungen Menschen weniger entscheidend als das Gefühl von Wirksamkeit und einer bedeutenden Aufgabe.
Der Bayer-Chef ist davon überzeugt, dass Führungskräfte ihre Beschäftigten dazu bringen müssen, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Selbst jene, die am Arbeitsplatz nur „Dienst nach Vorschrift“ machten, träfen außerhalb der Arbeit ständig wichtige Entscheidungen. Die Struktur eines Konzerns müsse sich das zunutze machen.
Bayer habe vor wenigen Jahren noch 17.000 Personen mit Management-Verantwortung gehabt, heute seien es noch rund 4500. Das sei nur möglich, weil mehr Beschäftigte eigenständig agierten.
Der Bayer-Chef berichtet von seiner Mission, den Chemie- und Pharmakonzern zu transformieren und dabei vor allem Bürokratie abzuschaffen. Als er 2023 die Führung übernahm, habe es für ihn ein Regelwerk von 1300 Seiten gegeben. Er setze statt starrer Bürokratie lieber auf „Ownership“ und geteilte Werte, sagt Anderson.
Der Bayer-CEO attestiert den Deutschen, eine „Konsumenten-Mentalität“ angenommen zu haben. Ein Land sei nicht wie ein Restaurant, in dem man für Geld guten Service erwarten könne. Für den Erfolg eines Landes seien die Bürgerinnen und Bürger auch selbst verantwortlich. Man könne sich nicht darauf verlassen, dass die Regierung alles regele.

Marc-Steffen Unger / Handelsblatt
Der aktuelle Bayer-Chef Bill Anderson war in den 1980er Jahren erstmals in Deutschland, damals noch als Student. Im Gespräch mit Handelsblatt-Vizenchefredakteurin Kirsten Ludowig erinnert er sich an seine ersten Eindrücke: geschlossene Geschäfte am Sonntag und keine Klimaanlagen, nicht einmal in Autos – ungewöhnlich für einen Texaner, sagt Anderson.
Was er damals und auch heute in Deutschland beobachtet habe, sei eine starke „Ernsthaftigkeit“ im Verhältnis zu vielen Dingen, etwa Kultur und Politik. So seien etwa die wichtigen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig ein sehr deutsches Phänomen.
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