Der neue Gault-Millau-Führer zeigt: Die Dichte an Spitzenlokalen in der Ostschweiz ist erstaunlich. Doch ausruhen kann sich niemand. Die tiefen Margen in der Spitzengastronmie machen vielen Restaurants zu schaffen.
Gault Millau
05.10.2026, 13.00 Uhr
Der neue Gault-Millau-Führer zeigt: Die Dichte an Spitzenlokalen in der Ostschweiz ist erstaunlich. Doch ausruhen kann sich niemand. Die tiefen Margen in der Spitzengastronmie machen vielen Restaurants zu schaffen.
Wurde 2023 «Koch des Jahres» und nun erneut mit 18-Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet: Silvio Germann vom Restaurant Mammertsberg in Freidorf.Bild: Benjamin Manser
Vor drei Jahren war der Jubel unter den Gourmets in der Ostschweiz gross. Mit Silvio Germann vom «Mammertsberg» in Freidorf wurde 2023 zum bisher letzten Mal ein Ostschweizer als «Koch des Jahres» ausgezeichnet. Auch wenn die Krone seit ein paar Jahren in andere Regionen geht, kann sich das Ergebnis der hiesigen Spitzengastronomie sehen lassen. Erstaunlich ist die gastronomische Konstanz der Ostschweiz in der Topliga, obwohl sie weder zu den beliebtesten Touristendestinationen noch zu den wohlhabendsten Regionen des Landes zählt. Vergleichbare Regionen in der Schweiz haben teils deutlich weniger Lokale auf diesem Niveau.
Während es im Kanton Aargau mit seinen 750’000 Einwohnerinnen und Einwohnern nur ein Lokal auf mehr als 15 Punkte brachte, sind es allein in den beiden Appenzell deren vier, im Kanton St.Gallen sogar elf. Und der Kanton Bern, der mehr Einwohnerinnen hat als die ganze Ostschweiz, verfügt über kein einziges Spitzenlokal mit 18 Gault-Millau-Punkten – weder in Gstaad, Grindelwald noch in der Hauptstadt Bern. In der Ostschweiz dagegen gibt es mit dem «Mammertsberg» in Freidorf, dem «Schäfli» in Wigoltingen, dem «Einstein» in St.Gallen und dem «Memories» in Bad Ragaz gleich vier Restaurants auf zweithöchster Gault-Millau-Stufe.
Doch auf den Lorbeeren ausruhen kann sich in der Spitzengastronomie niemand. Wer sich nicht täglich um Höchstleistungen bemüht, ist schnell weg vom Fenster. Das hat mit den tiefen Margen, den hohen Kosten oder dem rückläufigen Alkoholkonsum zu tun. Nicht wenige Betriebe sind darum auch in der Ostschweiz zunehmend auf Mäzene oder ein angeschlossenes Top-Hotel angewiesen, um über die Runden zu kommen.
So ist es kein Zufall, dass das «Appenzellerhuus» von Gault Millau zum Hotel des Jahres gekürt wurde und das Restaurant Bärenstobe von allen Ostschweizer Restaurants den grössten Sprung nach vorne machte, von 14 auf 16 Punkte. Das war nur möglich, weil Investor Jan Schoch über sehr viel Geld verfügt und über 120 Millionen Franken in drei Hotels in Gonten steckte, die mit einem Luxus-Spa, sieben Weinkellern und einem jungen Küchenteam um den 31-jährigen Österreicher Michael Gollenz glänzen. Neu im Gault-Millau-Führer ist auch das Restaurant Winkelried in Frauenfeld. Auch hier wirken mit Peter und Daniela Spuhler, die das denkmalgeschützte Haus für mehrere Millionen Franken umbauten, solvente Patrons im Hintergrund.