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Tabellenführer Hertha BSC gewinnt nach Rückstand in Dresden

Дата публикации: 19-09-2026 20:25:00

Hertha BSC feiert den sechsten Sieg im sechsten Spiel und schnappt Nürnberg wieder die Tabellenführung in der 2. Bundesliga weg. Die Berliner gewinnen die Partie bei Dynamo Dresden nach Rückstand mit 2:1.

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Hertha BSC feiert den sechsten Sieg im sechsten Spiel und schnappt Nürnberg wieder die Tabellenführung in der 2. Bundesliga weg. Die Berliner gewinnen die Partie bei Dynamo Dresden nach Rückstand mit 2:1.

Giftig und hitzig nur auf dem Rasen: Hertha siegt in Dresden

Alles Wichtige zum Spiel: Hertha BSC hat sechs Monate nach dem Skandalspiel vom April mit Platzsturm und Beinahe-Abbruch bei Dynamo seine Siegesserie unbeeindruckt fortgesetzt. In einem hochintensiven Duell auf dem Rasen des Rudolf-Harbig-Stadions kamen die Berliner zu einem 2:1 (1:1) und verteidigten die Tabellenspitze der 2. Fußball-Bundesliga vor dem 1. FC Nürnberg. 

Herthas Jon Dagur Thorsteinsson (2.v.r) trifft zum 1:1 in Dresden

Herthas Jon Dagur Thorsteinsson (2.v.r) trifft zum 1:1 in Dresden Robert Michael/dpa

Allerdings geriet die Hertha in der 10. Minute durch Patrice Covic erstmal in Rückstand. Jón Dagur Thorsteinsson (29.) gelang aber der Ausgleich und auch der Siegtreffer (80.). Auf dem Rasen dominierte die Hertha und hätte auch bereits durch Gustaf Nilsson (53.) in Führung gehen müssen. Aus vier Metern löffelte er den Ball aber übers leere Tor - eine Szene für den Jahresrückblick. Dynamo bleibt nach der vierten Niederlage im sechsten Spiel Vorletzter.

Mit 700 Fans hatten die Berliner auswärts gerechnet, der Großteil folgte einem Boykottaufruf wegen der Maßnahmen nach den Ausschreitungen im Rückspiel der vergangenen Saison. In ihrer Kurve, links und rechts davon große Pufferzonen mit freien gelben Sitzen, wirkten die mitgereisten Hertha-Anhänger gegen die Übermacht der Dynamo-Ultras dann auch ein bisschen wie auf verlorenem Posten. 29.122 Zuschauer waren insgesamt im Stadion.

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Mit Wucht wollten die Dresdner ihre Profis zum Sieg brüllen - diesmal aber ohne skandalträchtige Vorfälle wie Anfang April. Die Partie stand damals kurz vor dem Abbruch, fast 20 Minuten war sie unterbrochen worden nach Pyro-Attacken und einem Platzsturm. Hertha hatte die Partie 1:0 gewonnen. 

Diesmal gerieten die Berliner in Rückstand. Und das durch den Sohn von Ante Covic, immer noch als Trainer in Diensten des Hauptstadtclubs und einst sogar der Coach der ersten Mannschaft. Das Rudolf-Harbig-Stadion bebte. Nur, dass die Berliner auf dem Platz sich davon auch nicht sonderlich irritieren ließen. 

Beeindruckend unberührt und spürbar gestärkt nach dem perfekten Start in die Saison spielten sich die Gäste immer weiter in die Hälfte der Dresdner. Nach nicht mal einer halben Stunde war es dann so weit: Thorsteinsson traf aus 16 Metern. Zuvor hatte es auf beiden Seiten gute Chancen gegeben.

Dresdens Nicolai Rapp (l) gegen Herthas Josip Brekalo

Dresdens Nicolai Rapp (l) gegen Herthas Josip Brekalo Robert Michael/dpa

Es war ein teilweise recht wildes Spiel mit vielen giftigen Zweikämpfen - auf jeden Fall unterhaltsam für ein Flutlicht-Topspiel am Abend. Die Dresdner Ultras befanden dazu auf einem Plakat nach der Pause: „Krawallspiel zur besten Sendezeit? - Stimmt das Geld, steht ihr bereit.“ Dazu gab's das DFB-Logo - rot umrandet und durchgestrichen.

Ein Treffer von Oluwaseun Adewumi wurde vom Videoassistenten aberkannt. Doch auch die Dresdner hatten Chancen, nur sie nutzten sie nicht so eiskalt wie in der Schlussphase die Berliner durch Thorsteinsson.

Deutschlands Fan- und Fußballszene schaut gebannt auf das brisante Topspiel der 2. Bundesliga. SG Dynamo Dresden gegen Hertha BSC. Der Tabellenführer vor dem 6. Spieltag gegen den Vorletzten. Ungeschlagene und verlustpunktfreie Berliner gegen die Mannschaft mit den meisten Gegentoren. 

Pyros, Platzsturm, und fast eine Viertelmillion Euro Geldstrafe 

Doch das alles ist vor dem Spiel an diesem Samstagabend (20.30 Uhr/Sky und RTL) in Sachsens Landeshauptstadt praktisch nur Randgeschichte nach den massiven Ausschreitungen beim bisher letzten Duell. Auch damals war es das Abendspiel. Eines, das nachhaltig in Erinnerung blieb - aber nicht sportlich. 

Pyros in die Zuschauerränge, Platzsturm, Spielunterbrechung, Verletzte. Die Folgen: Fast eine Viertelmillion Euro Geldstrafe und Sperrung von Teilen der Gästeblöcke beim Wiedersehen in dieser Spielzeit, personalisierte Gäste-Tickets und eine Pufferzone um den Berliner Fan-Block. 

Dresdens Trainer Thomas Stamm sieht das jetzige Match auch als Chance für Dynamo, „Fußball-Deutschland zu zeigen, dass wir auch anders können. Und vielleicht muss es auch so sein. Sonst laufen wir irgendwann auf einen Punkt zu, an dem du Spiele mit einem gewissen Potenzial ohne Zuschauer austrägst. Das wäre eine Katastrophe“. 

Zwei Tage vor der Partie stellte Stamm aber auch klar, dass das Thema in der Mannschaft komplett ausgeblendet werde. „Was im April war, betrifft uns als Mannschaft nicht, den Verein ja“, sagte er und verwies auf entsprechende Stellungnahmen Dynamos. „Wir freuen uns auf das Spiel.“

Auch auf die Vorbereitung der Berliner haben die nicht-sportlichen Themen laut Stamms Trainerkollege Stefan Leitl keinen Einfluss. „Es geht darum, dass wir versuchen, bei uns zu bleiben und unser Spiel aufs Feld zu bekommen. In der gleichen Intensität, in der gleichen Herangehensweise wie in den letzten Wochen“, sagte Leitl. 

Hertha rechnet allerdings mit nur 700 Anhängern, die mit nach Dresden reisen. Ausgegangen wird insgesamt von rund 29.000 Zuschauern.

Hertha-Ultras rufen zur Alternative auf 

Die Hälfte des Gästeblocks muss auf jeden Fall leer bleiben. Die Hertha-Ostkurve kündigte aber sogar an, wegen des eingeschränkten Gästekontingents und personalisierter Tickets die Partie ganz zu boykottieren. Es wird damit gerechnet, dass ein Teil nach Potsdam reisen wird zum Spiel von Herthas U23 in der Regionalliga Nordost beim SV Babelsberg. 

Pikant daran: Babelsberg hat jüngst erst einen Beschluss aufgehoben von 2024, wonach Testspiel gegen Hertha und auch den 1. FC Union daheim untersagt waren. Sicherheitsbedenken hatten damals zu dem Verbot geführt. 

Boykottaufruf und Randale-Angst vor Hertha-Spiel in Dresden

Fußball, Männer, 2. Bundesliga, Dynamo Dresden - Hertha BSC, 28. Spieltag, im Rudolf-Harbig-Stadion, Polizisten stehen während einer Spielunterbrechung im Stadion vor dem Gästeblock. (zu dpa: «Boykottaufruf und Randale-Angst vor Hertha-Spiel in Dresden») Sebastian Kahnert/dpa

Das Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden dürfte fast einer Festung gleichen. Die Partie gilt als Hochrisiko-Spiel. Details geben Behörden in solchen Fällen auch aus Sicherheitsgründen nicht bekannt. Verhindert werden soll vor allem ein unkontrolliertes Zusammentreffen von rivalisierenden Fangruppen.

Statement von Dynamo

„Wir stehen mit den Verantwortlichen von Hertha BSC bereits seit mehreren Wochen im Austausch, um gemeinsame sicherheitsrelevante Themen sowie das halbierte und personalisierte Ticketkontingent der Gästefans abzustimmen“, heißt es von Dynamos Geschäftsführer Stephan Zimmermann: „Alle Verantwortlichen des Vereins stehen, nicht erst seit April 2026, in regelmäßigem Kontakt mit Vertretern der Fanszene.“ 

Herthas Geschäftsführer Peter Görlich bestätigte die deutlich geringere Nachfrage nach Auswärtstickets. „Ich finde es schade, dass wir keinen organisierten Support haben werden“, sagte er. Es stehe ihm aber nicht zu, die Entscheidung der aktiven Fanszene infrage zu stellen. 

Boykottaufruf und Randale-Angst vor Hertha-Spiel in Dresden

Fußball, Männer, 2. Bundesliga, Dynamo Dresden - Hertha BSC, 28. Spieltag, im Rudolf-Harbig-Stadion, ein Stadionmitarbeiter entfernt während einer Spielunterbrechung brennende Pyrotechnik vom Spielfeld. (zu dpa: «Boykottaufruf und Randale-Angst vor Hertha-Spiel in Dresden») Sebastian Kahnert/dpa

Kritik äußerte der Hertha-Funktionär indes an den Maßnahmen des DFB-Sportgerichts. Die Reaktionen im April beim Spiel in Dresden seien „nicht akzeptabel“ gewesen, sagte er dem „Kicker“, betonte aber: „Wir agieren in einem emotional aufgeladenen, kontroversen Handlungsfeld. Wir alle wollen die deutsche Fußball-Kultur erhalten. Ob Kollektivstrafen und eine Mittelalter-Rhetorik mit dem Machtwort als letzter Instanz dazu führen, diese Fußball-Kultur zu erhalten, das stelle ich infrage.“ 

Mehr als 16 Stunden Videomaterial

Die Berliner wurden wegen der Ausschreitungen am 4. April zu einer Geldstrafe von 152 000 Euro verurteilt, Dynamo zu 91 200 Euro. 17 Personen wurden damals verletzt, die sächsische Polizei richtete eigens eine Ermittlungsgruppe ein. Erste Verdächtige wurden Medienberichten zufolge bisher identifiziert. Mehr als 16 Stunden Videomaterial von den Vorfällen werden dabei ausgewertet. 

Gewonnen hatte die Partie damals übrigens Hertha BSC. In Unterzahl war den Berlinern der Treffer zum 1:0-Erfolg in der Schlussphase gelungen. Die Dresdner hatten zuvor einen Elfmeter verschossen.

dpa

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