Jürgen Klopps erste Länderspiel-Woche stand mit Fragen von Esther Sedlaczek und Laura Wontorra auf dem Prüfstand. Die eine hakt nach, die andere spricht wie ihr Publikum. Sie entscheiden, wie wir den Bundestrainer erleben.
Jürgen Klopps erste Länderspiel-Woche stand mit Fragen von Esther Sedlaczek und Laura Wontorra auf dem Prüfstand. Die eine hakt nach, die andere spricht wie ihr Publikum. Sie entscheiden, wie wir den Bundestrainer erleben.
Jürgen Klopp war der Frage schon ausgewichen, da setzte Laura Wontorra in Amsterdam nach. „Du hast jetzt ganz gekonnt versucht, meiner Frage auszuweichen. Da mache ich es mal konkreter“, sagte die RTL-Moderatorin vor dem Anpfiff gegen die Niederlande. „Hat sich Julian Nagelsmann gemeldet?“
Der neue Bundestrainer brachte erst ein „Wow“ heraus und zählte dann lieber Bully Herbig und Campino auf, die sich bei ihm gemeldet hätten. Mehr musste der Zuschauer auch nicht wissen: Über seinen Vorgänger redet Klopp nicht. Offenbar hatte der sich nicht gemeldet.
Drei Tage später in Augsburg stand Klopp vor Esther Sedlaczek (40), diesmal stolperte er über ein Wort. „Heute sind ja auch die Spieler, ich nenne es mal, der zweiten Garde da“, sagte die ARD-Moderatorin über die Nationalspieler aus Klopps zweitem Aufgebot, die beim Griechenland-Spiel auf der Tribüne saßen.
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„Was ist denn eine zweite Garde?“, fragte Klopp zurück. Sedlaczek korrigierte sich auf „die nächsten Nationalspieler“, alle lachten, Bastian Schweinsteiger neben ihr grinste mit. In zehn Sekunden war klar, wie Klopp seine 44 Profis verstanden wissen will: als einen Kader, nicht als zwei Klassen. Sein Schönreden war entlarvt.
Zwei Frauen die auf unterschiedlichste Art und Weise bestimmen, wie wir Bundestrainer Jürgen Klopp erleben.
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Bei seinem dritten Länderspiel am Donnerstagabend gegen Serbien steht Jürgen Klopp bei Jochen Breyer am Mikrofon – bei einem Mann, wenn die Ankündigung des ZDF korrekt ist und nicht doch Lili Engels (29) ihn am Spielfeldrand stellt.
Die jüngste der drei Frauen am Länderspiel-Mikrofon fiel schon bei der WM auf, als sie Nagelsmann mit ihrer Beharrlichkeit sichtlich auf die Nerven ging.
„Wieso haben Sie trotzdem keine Lösungen gefunden?“, fragte sie ihn nach dem Aus gegen Paraguay, und Nagelsmann blaffte zurück, das habe er „doch jetzt schon dreimal gesagt“. So geht Sportjournalismus: Unser Fußball ist bei den drei Frauen in besten Händen. Wir wollen ja verstehen, wo unsere deutsche Nationalmannschaft nach drei WM-Blamagen in Folge und dem holprigen Klopp-Start wirklich steht.
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Im Sommer ging es noch um anderes. Bei der WM lasen sich die Kritiken wie Klatschspalten: Steven Sowa schrieb bei t-online über die „Kontaktfreudigkeit des ARD-Duos“ Sedlaczek und Schweinsteiger, die regelmäßig Thema in den sozialen Medien sei. Wontorra, damals für MagentaTV im Einsatz, hatte ihren Experten Mats Hummels und Thomas Müller im Stadion gestanden, wie „starstruck“ sie sei. Wie geblendet also. Sowas Urteil: „Eine Reporterin, die von ihren Gesprächspartnern wegen deren Berühmtheit ‚verzaubert‘ ist, ist fehl am Platz.“
Der Einwand war berechtigt. Umso bemerkenswerter ist der Abend in Amsterdam. Klopp stand im Sommer ebenfalls für Magenta am Spielfeldrand, Wontorra duzt ihn, und genau diese Nähe hätte eine bequeme Ausrede für ein freundliches Gespräch geliefert.
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Sie hat sie für die unbequemste Frage des Abends genutzt, und zwar erst, als er ihr ausgewichen war. Das ist Handwerk: Die Nachfrage kam, weil der Zuschauer zu Hause dieselbe Frage hatte und keine Antwort bekam.
Sedlaczek arbeitet anders: Sie siezt Klopp, hält Abstand, und ihre Stärke ist die Sprache. „Zweite Garde“ ist das Wort, das auf dem Sofa fällt, wenn ein Bundestrainer 44 Spieler auf zwei Kader verteilt. Dass sie es in der ARD ausspricht und sich dann ohne Getue scheinbar korrigiert, macht sie für ihr Publikum glaubwürdig. Nachhaken kann sie auch, Nagelsmann ließ sie bei der EM 2024 abblitzen, als sie ihm sein Motto doch noch entlocken wollte: „Weil ich nicht will, dass aus jedem Pillepalle-Ding 18 Schlagzeilen gemacht werden.“
Über Kritik an sich selbst sagt sie: „Wenn Kritik kommt, mache ich mich davon frei – es sei denn, sie ist inhaltlich fundiert. Dann höre ich hin, denn ich mache meinen Job schließlich für die Zuschauer.“
Die Fans haben längst entschieden, wem sie lieber zuhören. Im Bundesliga-Barometer nach der WM, einer Umfrage unter 6258 Fußballfans, bekam Sedlaczek 68 Prozent Zustimmung, Wontorra 31,7 Prozent. Das ist mehr als der doppelte Zuspruch. Nur misst die Zahl das Vertrauen der Zuschauer; über die Schärfe der Fragen sagt sie nichts.
Die Sportschau-Gemeinde will am Samstag eine vertraute Stimme, die ihre Sprache spricht. Bei RTL, das Wontorra für die Länderspiele und das Zweitliga-Topspiel geholt hat, zählt die Frage, die am nächsten Morgen zitiert wird, und mehrere Medien machten aus dem „Wow“ noch am selben Abend eine Geschichte. Beide liefern genau das.
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Jürgen Klopp jedenfalls hat in seiner ersten Woche zwei Dinge über sich verraten: dass er über Nagelsmann schweigt und dass er seine Nachrücker gegen das Etikett zweite Garde verteidigt. Beides kam in Interviews vor dem Anpfiff heraus.
Das Bild vom neuen Bundestrainer haben zwei Frauen gezeichnet, die eine mit einer Nachfrage, die andere mit einem schiefen Wort, immer zugeschnitten auf das Publikum bei ARD und RTL. Donnerstag darf das ZDF ran, Sonntag wieder RTL.
Hinweis: Pit Gottschalk hat Lili Engels vor fünf Jahren bei Sport1 zur Volontärin gemacht.