Zwei Länderspiele, kein Sieg – und jetzt gegen Serbien. Auch Jürgen Klopp kann sich von Ergebnissen nicht völlig frei machen. Aber er hat einen Fallschirm-Plan.
Zwei Länderspiele, kein Sieg – und jetzt gegen Serbien. Auch Bundestrainer Jürgen Klopp kann sich von Ergebnissen nicht frei machen. Aber er hat mehrere Vorteile. Und einen Fallschirm-Plan.
Jürgen Klopp gibt so ausschweifende Antworten, dass er zuweilen Halbsätze in seinen Bart nuschelt, die sich in der Masse an Zitaten gleich wieder versenden. Dabei würden sie Aufmerksamkeit verdienen. Vor dem Nations-League-Spiel gegen Serbien in München sagte Klopp etwa: „Auch wenn sich vielleicht nicht mehr so viele Leute freuen wie vor ein paar Wochen – ich habe vor, das lange zu machen.“ Er meinte seinen Bundestrainer-Job.
Zwei Länderspiele hat der 59-Jährige bisher gecoacht und keines davon gewonnen. Für normale Bundestrainer würde spätestens jetzt, daheim gegen Serbien, der gnadenlose Branchenreflex greifen, dass bei aller Vorschusslorbeeren und allen mildernden Umständen langsam schon auch ein paar Siege kommen dürften.
Selbst Klopp kann sich von Resultaten nicht frei machen, natürlich nicht. Aber er hat Vorteile, die andere Bundestrainer nicht hatten: Rückhalt aus der Bevölkerung, den deutschen Fußball am (absoluten) Tiefpunkt und obendrein einen Fallschirm-Plan, der auch eine Niederlage gegen Serbien verzeiht, ohne dass es zu beträchtlichen Staatskrisen käme.
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Der Fallschirm formiert sich aus Schlagwörtern, die mit E beginnen: Entwicklung, Erneuerung, Experimente.
In seinem 43 Mann umfassenden Kader-Labor mit etlichen DFB-Debütanten, international Unerfahrenen und überraschend Berufenen versammelte Klopp viel Aufbruch. Zugleich – netter Nebeneffekt – spannt sich besagter Fallschirm für ihn selbst. Niemand kann ja ernsthaft erwarten, dass ein zusammengewürfeltes Team, das zur Hälfte aus Rookies besteht, auf Anhieb jedes Spiel gewinnt. Das mindert die Last eines Ergebnissports.
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„Ein paar Leute geben mir noch Zeit, dass ich ein bisschen etwas entwickeln kann – die müssen wir den Jungs auch geben“, forderte Klopp am Mittwoch. „Geduld in diesem Prozess bedeutet auch, dass wir Spieler nicht sofort bewerten. Dieser Sport funktioniert nur über die Entwicklung einer Mannschaft.“
Angesprochen auf Joshua Kimmich und Felix Nmecha, die in den Niederlanden (1:1) und gegen Griechenland (0:1) eine einigermaßen dysfunktionale Doppelsechs abgegeben hatten, retournierte Klopp mit einem Plädoyer:
„Ich bin seit 25 Jahren im Fußball – und nach fünf Tagen hat in meinem Leben noch keine Doppelsechs funktioniert. Das geht nicht. Das hat mit den Jungs gar nichts zu tun. Null! Nada!“
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Selbstverständlich gäbe es da „ein paar Dinge, die jeder Spieler in absehbarer Zeit auf der Festplatte haben muss, um eine glückliche Zukunft in dieser Mannschaft zu haben“, sagte Klopp. „Aber davon sind wir noch ganz weit entfernt.“ Zumal gegen Serbien der erste Auftritt des zweiten DFB-Aufgebots wartet, ein komplett anderes Team als zuletzt (siehe: Entwicklung, Erneuerung, Experimente).
In diesem Zusammenhang brachte Klopp, dieser begabte Rhetoriker, noch einen bildlichen Vergleich ein:
„Wenn man ein Ballett zusammenstellt, das nach vier Tagen auftreten soll – dann rennen die sich übern Haufen. Alles, was wir tun, ist dazu da, die Spieler zu festigen in dem, was sie abrufen. Wir werden eine Mannschaft bauen, die allen anderen Mannschaften Probleme bereiten kann. Und das ist der Anfang.“
Auch Klopps Kredit im Fußballland ist endlich. Logisch. Erst einmal zehrt er davon.
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