Thomas Weise wollte für die CDU in den Landtag. In Stendal verlor er gegen AfD-Kandidat Matthias Büttner. Bei der CDU-Basis sitzt der Frust tief.
Nach der Landtagswahl
Stand: 30.09.2026 14:37 Uhr
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor dreieinhalb Wochen ist die CDU-Fraktion von 40 Mitgliedern auf nur noch 15 geschrumpft. Die siegesgewohnte Partei konnte kein einziges Direktmandat im Land gewinnen. Auch renommierte CDU-Kandidaten hatten in ihren Wahlkreisen keine Chance, auch wenn sie dort schon lange aktiv sind und sich auf unterschiedlichen Ebenen engagieren. Der Frust an der CDU-Basis ist einigermaßen groß, wie ein Beispiel aus Stendal zeigt.
von Bernd-Volker Brahms, MDR SACHSEN-ANHALT
Thomas Weise ist Unternehmer, handelt unter anderem mit Gasflaschen und ist seit mehr als 15 Jahren in Stendal in der Lokalpolitik aktiv. Für die CDU sitzt er im Stadtrat und auch im Kreistag. Der 57-Jährige begründet sein ehrenamtliches Engagement mit seiner engen Beziehung zu Land und Leuten. "Ich bin seit 30 Jahren selbstständig und ich wohne hier, ich lebe hier. Und das eine bedingt ja das andere", sagt er.
Trotz Engagement kein MandatDer Unternehmer wollte dieses Jahr am liebsten in den Landtag einziehen. Er wurde von der CDU in Stendal als Direktkandidat nominiert. Früher galt dies bei seiner Partei als sicheres Ticket für den Landtag. Diesmal musste er kämpfen und wollte mit seinem Renomee punkten – aussichtslos, wie sich herausstellte.
"Ich hatte gehofft, dass ich es schaffe, gegen einen doch recht namenlosen Kandidaten hier zu punkten. Aber es hat für den Bürger überhaupt keine Rolle gespielt", sagt der CDU-Kommunalpolitiker. Listenplatz 26 reichte auch nicht für die nunmehr 15-köpfige CDU-Fraktion im Landtag.
War die Karte mit den 41 Wahlkreisen in Sachsen-Anhalt früher tiefschwarz gefärbt, so konnten dieses Mal insgesamt 38 Wahlkreise von der AfD direkt gewonnen werden. Drei Wahlkreise gingen an die Linke. Zwei davon in Halle und einer in Magdeburg.
Im Wahlkreis vier in Stendal/Bismark konnte AfD-Kandidat Matthias Büttner mit 42,6 Prozent den Wahlkreis gewinnen. Thomas Weise blieben 24,7 Prozent – immerhin einige Prozentpunkte mehr als für die eigene Partei.
AfD-Kandidat profitiert vom LandestrendWeises Kontrahent um das Direktmandat in Stendal ist zwar schon lange in der Politik, trat im Wahlkampf aber so gut wie gar nicht auf. Der 35-jährige Matthias Büttner gehört zum einflussreichen Stendaler AfD-Kreisverband um Ulrich Siegmund. Das starke AfD-Ergebnis trug ihn nun ohne großes Zutun zum zweiten Mal in den Landtag. Zuvor war er schon im Bundestag kaum aufgefallen. In vier Jahren nur eine Rede.
Frustrierend ist es für Thomas Weise, dass er trotz seines vielfältigen Engagements kaum punkten konnte. "Der Bürger verlangt, dass man das, was man hier macht, ordentlich macht. Aber bei der Wahl wird dann jemand anderes gewählt", sagt Thomas Weise.
Da sitzt der Stachel dann noch viel tiefer. Wenn man da – sag ich mal – so einen Besenstiel hinstellen kann, und der wird gewählt. Und die Leute, die was tun, die vor Ort präsent sind, die auch ein Gesicht haben für die Leute eigentlich, die werden nicht gewählt, bloß weil die Bundesstimmung so ist, wie sie ist. Christel Güldenpfennig, Ortsbürgermeisterin in Dahlen"Der Stachel sitzt tief"
An der CDU-Basis herrscht Ernüchterung nach dem Landtagswahlergebnis vom 6. September. Wohl alle wissen, dass es eine Zäsur war, auch in der Lokalpolitik. "Mit Sicherheit zieht man daraus, dass sich was ändern muss. Was konkret, bleibt glaube ich abzuwarten. Da gibt es kein Patentrezept. Das müssen wir noch mal diskutieren, was es für Ideen und Möglichkeiten gibt", sagt Matthias Kirchbach, er sitzt für die CDU als Fraktionsvorsitzender Stendaler Stadtrat.
Auch im Stendaler Kreistag und in den Ortschaften wurde von der CDU-Basis schon weiter Lokalpolitik betrieben. Der Frust ist noch da, zumal die starken AfD-Ergebnisse nachwirken, wie bei Christel Güldenpfennig, die nicht nur ein Kreistagsmandat hat, sondern seit Jahrzehnten als Ortsbürgermeisterin in Dahlen tätig ist. "Da sitzt der Stachel dann noch viel tiefer. Wenn man da – sag ich mal – so einen Besenstiel hinstellen kann, und der wird gewählt. Und die Leute, die was tun, die vor Ort präsent sind, die auch ein Gesicht haben für die Leute eigentlich, die werden nicht gewählt, bloß weil die Bundesstimmung so ist, wie sie ist."
Thomas Weise will trotz Rückschlag weitermachenThomas Weise hat die Wahl für sich abgehakt. Er hat genügend andere Sachen zu tun, unter anderem als Präsident des Fußballclubs Lok Stendal. "Engagement ist sehr, sehr wichtig und man darf sich da von solchen Rückschlägen nicht beeinflussen lassen", sagt Thomas Weise – den Fans, den Spielern und auch allen aus dem Verein sei man das schuldig. Er wird weiter am Ball bleiben bei seinem ehrenamtlichen Engagement, sowohl im Sport als auch in der Lokalpolitik.
MDR (Bernd-Volker Brahms, Marius Rudolph) | Erstmals veröffentlicht am 29.09.2026
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