Deutschland hat die vierthöchsten Strompreise der Welt. Warum Netzentgelte, Steuern und Umlagen Strom hier so teuer machen.
In nur drei Ländern zahlen Haushalte höhere Preise pro Kilowattstunde als in Deutschland. Die Gründe dafür liegen nicht nur in der Stromerzeugung, sondern auf dem Weg zur Steckdose.
Durchschnittlich zahlen Haushalte weltweit 15,1 Cent pro Kilowattstunde Strom. Das ist ein Wert, von dem die meisten deutschen Haushalte nur träumen können. Hierzulande lag der Durchschnitt im zweiten Quartal diesen Jahres bei 35,6 Cent. Das ist mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt. Die Zahlen stammen aus einer Analyse des Vergleichsportals Verivox auf Basis von Daten des Energiedienstes Global Petrol Prices. Demnach haben nur drei von 144 Ländern oder Gebieten höhere Strompreise als wir. In Führung liegt Irland mit 42,6 Cent vor den Bermudas mit 38,8 Cent und Belgien mit 37,4 Cent.
In vielen anderen Industrienationen ist Strom günstiger. Italien kommt auf 34,5 Cent, Großbritannien auf 32,4 Cent, Frankreich auf 23,3 Cent und die USA auf 18,3 Cent. Sehr günstig beziehen Haushalte Strom etwa in China (6,7 Cent) und Indien (6,3 Cent). Diese Rangliste vergleicht zunächst nur die nominalen Preise. Unterschiede bei Kaufkraft und Einkommen bleiben dabei außen vor. Kaufkraftbereinigt läge Deutschland nur noch auf Platz 24.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt den durchschnittlichen Strompreis sogar mit 37,0 Cent pro Kilowattstunde an. Grund dafür ist eine leicht andere Methodik als bei Global Petrol Prices. Nach BDEW-Angaben setzt sich dieser Preis so zusammen:
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Beschaffung und Vertrieb – 15,2 Cent (41 Prozent): Hierunter fallen etwa die Kosten der Stromerzeugung. Sie werden über den Börsenstrompreis abgebildet. Der schwankt mitunter stark. An sonnigen und windreichen Tagen kann er sogar ins Negative fallen, an Tagen mit der berüchtigten Dunkelflaute auch weit über den Durchschnittswert ragen. Doch selbst der Durchschnitt ist im internationalen Vergleich überdurchschnittlich. Das liegt am Prinzip der Merit-Order. Der deutsche Börsenstrompreis wird von dem Kraftwerk bestimmt, das zu jeder gegebenen Zeit den teuersten, zur Bedarfsdeckung noch notwendigen Strom ins Netz einspeist. Theoretisch könnten also 99 Prozent des Stroms aus Solarkraftwerken zu 5 Cent pro kWh stammen. Wenn aber nur ein Gaskraftwerk Strom für 20 Cent einspeist, ist dies der Beschaffungspreis für alle Versorger und damit die Grundlage für den Endkundenpreis.
Steuern, Abgaben und Umlagen – 12,6 Cent (34 Prozent): Bei den Steuern, Abgaben und Umlagen macht die Mehrwertsteuer mit 5,9 Cent den größten Batzen aus. Es folgen die Stromsteuer mit 2,05 Cent, die Konzessionsabgabe mit 1,67 Cent, der Aufschlag für besondere Netznutzung mit 1,56 Cent, die Offshore-Netzumlage von 0,94 Cent und die KWKG-Umlage von 0,45 Cent. Die frühere EEG-Umlage entfällt mittlerweile, weil sie aus dem Bundeshaushalt finanziert wird.
Damit ist Deutschland auch bei den Abgaben überdurchschnittlich. Nach einer Auswertung von Eurostat für das zweite Halbjahr 2025 lag die durchschnittliche Abgabenquote auf Strom in der EU bei 28,9 Prozent, in Deutschland aber bei 32,2 Prozent. Damit liegen wir in der Spitzengruppe auf Platz 6. Die höchste Quote hat demnach Dänemark mit 49,1 Prozent vor Polen mit 43,2 Prozent.
Netzentgelte – 9,2 Cent (25 Prozent): Die Netzentgelte sind regulierte Entgelte für die Nutzung der Stromnetze. Auch die deutschen Netzentgelte sind im internationalen Vergleich hoch. Weil erneuerbare Energie größtenteils über Windkraft im Norden erzeugt werden, viele große Abnehmer aus der Industrie aber im Süden sitzen, muss das Netz stark umgebaut werden. Das verlangt Milliardeninvestitionen, die sich die Betreiber über die Netzentgelte finanzieren.
Dass Strom für Haushalte in vielen anderen Ländern günstiger ist, bedeutet übrigens nicht, dass Strom in anderen Ländern zwingend günstiger ist. Viele Länder verteilen nur die Kosten anders als Deutschland. Frankreich etwa hält seine Strompreise künstlich günstig, weil es teuren Atomstrom mit Milliarden Euro jedes Jahr aus dem Haushalt subventioniert. In anderen Ländern, etwa China oder Saudi-Arabien, erheben die Regierungen kaum oder gar keine Steuern auf den Stromverbrauch. Die anfallenden Kosten werden auch hier aus dem Staatshaushalt bezahlt. Manche Länder haben zudem günstigere Ausgangslagen. Norwegen und die Schweiz können etwa große Teile ihres Bedarfs günstig aus Wasserkraft decken.
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