Diesel ist knapp, die Kriege in Iran und Ukraine treiben die Preise hoch. Trump erpresst nun die EU: Entweder, sie gibt ihre Reserven frei – oder die USA stellen den Export des Kraftstoffs ein
Trump sucht nach Wegen, den Dieselpreis zu senken
© Samuel Corum / Pool via CNP /MediaPunch / IMAGO
Diesel ist knapp, die Kriege in Iran und Ukraine treiben die Preise hoch. Trump erpresst nun die EU: Entweder, sie gibt ihre Reserven frei – oder die USA stellen den Export des Kraftstoffs ein
Der US-Präsident setzt die EU wieder einmal unter Druck. Sie soll große Teile ihrer Dieselreserven auf den Markt bringen, ansonsten würden die USA den Export in die EU einstellen. Das berichtet das Magazin „Spiegel“. Die EU solle demnach 120 Millionen Barrel über 180 Tage auf den Markt werfen. Das entspräche etwa 40 Prozent der EU-Reserven an Diesel und Heizöl zusammen.
Die EU ist auf Importe aus den USA angewiesen, denn sie stellt nur etwa 80 bis 90 Prozent des Bedarfs selbst her. Deutschland hingegen produziert etwa fünf Prozent mehr Diesel, als es verbraucht, wie aktuelle Zahlen ergeben. Die hiesigen Raffinerien haben gegenüber dem Vorjahr die Produktion um 9,4 Prozent erhöht.
Wie der „Spiegel“ berichtet, soll es Gespräche auf hoher Ebene zwischen EU und USA geben. In der EU‑Kommission sei die Drohung der USA mit Besorgnis registriert worden.
Trump fürchtet WahlniederlageDas liegt auch daran, dass der US-Präsident politisch selbst unter starkem Druck steht. Vor den Zwischenwahlen in den USA sind seine Umfragewerte und die seiner Partei auf Rekordtief. Der größte Vorwurf der Wähler sind die hohen Verbraucherpreise in den USA durch den Irankrieg und die Zollkonflikte. Diesel ist in den USA so teuer wie nie. Trump hatte bereits vor einer Woche erwogen, überhaupt keinen Diesel mehr zu exportieren, um die Preise in seinem Land zu senken.
Das Problem für ihn wäre aber, wie ihm seine Berater erklärten, dass das einerseits die Ölkonzerne um Einnahmen brächte und andererseits die Preise für Benzin oder andere raffinierte Erdölprodukte erhöhen dürfte. Denn in Raffinerien werden mehrere Produkte in aufeinander abgestimmten Prozessen destilliert: Drosselt man die Produktion von Diesel, kann das also zu einem Mangel an Benzin führen – und dessen Preis in die Höhe treiben.
Russland liefert bereits keinen Diesel mehrDurch den Irankrieg sind Lieferketten so gestört, dass viel weniger Diesel auf den Markt kommt. Nach erfolgreichen Angriffen der Ukraine auf russische Tanklager und Raffinerien hat außerdem Russland seinen Dieselexport eingestellt. Am Mittwoch erklärte das Land, seinen Exportstopp um einen Monat zu verlängern. Russland ist normalerweise nach den USA der zweitgrößte Dieselexporteur.
29. September 2026,13:03
Um seine Wähler mit billigem Diesel zu beglücken, erwägt Donald Trump, den Export des Kraftstoffs zu verbieten. Das würde weltweit die Preise treiben, der Tankrabatt wäre direkt wieder aufgefressen
Aktuell ist die Lage zusätzlich angespannt, weil Dieselkraftstoff chemisch fast dasselbe wie Heizöl ist. Weil viele im Sommer ihre Tanks nicht aufgefüllt haben und jetzt die Heizsaison beginnt, treibt das nun zusätzlich den Preis. „Ein Exportverbot durch den US-Präsidenten dürfte den Großhandelspreis für Diesel um 20 bis 25 Prozent verteuern“, erklärt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, gegenüber Capital.
Das würde den heute eingeführten Tankrabatt auf Diesel sofort wieder auffressen.
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