Nachdem Seidensticker kürzlich nach einem familienfremden Investor gesucht hat, wurden die Eigner nun offenbar im Unternehmen fündig. Erstmals soll auch Geld von außerhalb der Eignerfamilie bei der Restrukturierung des kriselnden Hemdenherstellers helfen.
Geschlossene Gesellschaft: Seidensticker-CEO Silvia Bentzinger mit Gerd Oliver und Frank Seidensticker
Foto: SeidenstickerErstmals seit der Gründung im Jahr 1919 rückt beim Hemdenhersteller Seidensticker ein familienfremder Investor in den Gesellschafterkreis auf. Genauer: eine Investorin. Die aktuelle Geschäftsführerin des Unternehmens, Silvia Bentzinger (50), beteiligt sich mit 20 Prozent, wie Seidensticker am Mittwoch mitteilte.
Zuletzt hatte das manager magazin exklusiv berichtet, dass die Familie nach einem Mehrheitseigner für das Bielefelder Traditionsunternehmen sucht . Mit dem Wechsel in der Eigentümerstruktur ist dieser Prozess beendet: Laut Mitteilung wird Gerd Oliver Seidensticker (60) künftig 60 Prozent der Anteile halten (zuvor: 50), sein Cousin Frank (63) reduziert seinen Anteil auf 20 Prozent (zuvor 31), dessen Schwester Nicole Seidensticker-Delius (65) scheidet dagegen als Gesellschafterin aus, Ende nächsten Jahres will sie sich in den Ruhestand verabschieden.
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Die neue Mitgesellschafterin Bentzinger ist seit 2008 im Unternehmen, seit 2020 ist sie CEO von Seidensticker. „Die Eigentümerfamilie bleibt damit Mehrheitsgesellschafterin und unterstreicht ihr langfristiges Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens und der Marke Seidensticker“, so das Unternehmen.
Gleichzeitig schießen die bisherigen Eigner Gerd Oliver und Frank Seidensticker frisches Kapital nach. Die Kapital- und Finanzierungsstruktur der Unternehmensgruppe soll so „umfassend weiterentwickelt“ werden. „Infolge der Transaktion wird das Eigenkapital der Unternehmensgruppe wieder unmittelbar wettbewerbsfähig“, heißt es in der Mitteilung.
Damit werde eine wesentliche Voraussetzung für die langfristige finanzielle Stabilität von Seidensticker geschaffen. Zur Höhe der Investments machte das Unternehmen auf Anfrage des manager magazins keine Angaben: „Über die genaue Höhe der einzelnen Beiträge wurde zwischen den Beteiligten Vertraulichkeit vereinbart.“
Seidensticker hat turbulente Jahre hinter sich. In den Hochzeiten Anfang der 90er-Jahre konnten die Bielefelder noch 750 Millionen Mark (umgerechnet rund 380 Millionen Euro) erlösen, inzwischen ist der Jahresumsatz auf gut 100 Millionen Euro geschrumpft. Auch die Verluste haben sich immer weiter aufgetürmt, mehr als 42 Millionen Euro sind in den sieben Jahren seit 2019 aufgelaufen – ein Faktor, der auf potenzielle externe Geldgeber augenscheinlich abschreckend wirkte.
Neben der Coronapandemie, die die Bürokultur und damit den Bedarf nach Businesshemden nachhaltig verändert hat, sorgte auch der Verlust mehrerer Lizenzen für sinkenden Absatz. Vor allem der Verlust der Camel-Active-Masterlizenz im Jahr 2019 wog schwer. Seitdem müht sich Seidensticker mit der Restrukturierung. Auf Anfrage des manager magazins gibt das Unternehmen allerdings an, mittlerweile profitabel zu arbeiten, wollte sich zu konkreten Zahlen allerdings nicht äußern.
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Mit der neuen Gesellschafterstruktur will sich Seidensticker gleichzeitig zum Standort in Bielefeld bekennen. „Die Wurzeln der Unternehmensgruppe und ihre Verbindung zur Stadt sind ein wesentlicher Bestandteil der Identität unseres Unternehmens und sollen auch künftig eine wichtige Rolle spielen“, so Frank Seidensticker.
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