Seit März 2024 ist die Schule in Illingen „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Projekttage, Gespräche und Mitbestimmung prägen das Konzept. Demokratiebildung ist die Hauptaufgabe.
Illingen · Seit März 2024 ist die Schule in Illingen „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Projekttage, Gespräche und Mitbestimmung prägen das Konzept. Demokratiebildung ist die Hauptaufgabe.
29.09.2026 , 17:46 Uhr
Schulleiterin Heike Müller-Harig und Tobias Geibel-Emden, Fachkoordinator Demokratiebildung, unterstützen die demokratischen Prozesse an der Fortuin-Gemeinschaftsschule.
Foto: Maria Boewen-DörrDemokratiebildung gehört an der Fortuin-Gemeinschaftsschule in Illingen fest zum Schulalltag. Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur theoretisches Wissen über demokratische Prozesse erwerben, sondern lernen, ihre Meinung zu vertreten, anderen zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen. „Demokratie ist kostbar, aber auch zerbrechlich. Sie hat Freunde und Verbündete, die sie wertschätzen, die sich ganz praktisch für sie engagieren und die sie verteidigen“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einer Preisverleihung des Deutschen Schulpreises.
Dieser Gedanke prägt auch die Arbeit an der Fortuin-Gemeinschaftsschule. Ein wichtiger Impuls war die Umbenennung der Schule im Jahr 2019. Arnold Fortuin galt als Vorbild und engagierte sich insbesondere als Seelsorger für Sinti und Roma. Mit der neuen Namensgebung wurde zugleich der Grundstein für die Bewerbung als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gelegt.
Im März 2024 erhielt die Schule schließlich die offizielle Auszeichnung. „Das Erreichen dieses Ziels bedeutet nicht automatisch, dass fortan an der Schule keine Diskriminierung mehr stattfindet“, betont Tobias Geibel-Emden, Fachkoordinator und engagierter Unterstützer der Demokratiebildung. Deshalb müsse das Thema dauerhaft im Schulalltag präsent bleiben.
Das Kollegium wurde an zwei pädagogischen Tagen geschult, außerdem wurden die Schülerinnen und Schüler mithilfe eines Fragebogens für Themen rund um Diskriminierung und demokratisches Zusammenleben sensibilisiert. Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist der sogenannte Fortuin-Tag. Bei diesem schulweiten Projekttag bearbeiten die Klassen jedes Jahr ein Thema, das gemeinsam mit der Klassenleitung aus einem aufeinander aufbauenden Curriculum ausgewählt wird.
Die Inhalte sind dabei an das Alter der Schülerinnen und Schüler angepasst. In den Klassenstufen fünf und sechs standen unter anderem Medienkompetenz, Kinderrechte und Gewaltprävention auf dem Programm. Die Klassen sieben und acht beschäftigten sich mit Hate Speech, Cybermobbing, LGBTQ-Rechten, Vorurteilen und Diskriminierung. In den Klassenstufen neun und zehn ging es beispielsweise um Antiziganismus, Antisemitismus, Stammtischparolen, Verschwörungsmythen, das Leben mit Behinderung und Rechtsextremismus.
Schulleiterin Heike Müller-Harig ist es wichtig, dass die Schule aktuelle Themen aufgreift. „Die Kinder können weltpolitische Themen mit in die Schule bringen. Wir reden darüber. Wir wollen sie vernünftig informieren und auch nicht bei Problemen wegschauen“, erklärt sie. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, zu argumentieren, andere Sichtweisen kennenzulernen und sich aktiv an Diskussionen zu beteiligen.
Neben den Projekttagen gibt es weitere Angebote. Die Klassenlehrkräfte können aus einem Themenpool auswählen und einzelne Inhalte mit ihren Klassen vertiefen. Außerdem wurde die Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage“ neu in den Schulalltag integriert. Dort bringen die Schülerinnen und Schüler selbst Themen ein, die sie interessieren und bereiten diese für das schuleigene Nachrichtenformat „Blick aus dem Klassenzimmer“ auf. Bereits behandelt wurden unter anderem Drohnenangriffe und künstliche Intelligenz. Die Ergebnisse werden in anschließend in Form von Videobotschaften allen Klassenstufen zur Verfügung gestellt.
Zur Demokratiebildung gehört für das Kollegium auch, die Sorgen und Nöte der Kinder ernst zu nehmen. „Wir wollen nicht wegschauen, wenn Schülerinnen und Schüler ein Problem haben, sondern uns darum kümmern“, betont Geibel-Emden.
Die Schule setze deshalb auf offene Türen und ansprechbare Erwachsene. So wird Demokratie an der Fortuin-Gemeinschaftsschule nicht nur im Unterricht erklärt, sondern im täglichen Miteinander praktiziert. Die Schülerinnen und Schüler erfahren, dass ihre Stimme zählt, dass unterschiedliche Meinungen respektiert werden müssen und dass demokratische Werte vom Engagement jedes Einzelnen leben. (jpu/jen)