Das Megaprojekt Neom kommt langsamer voran als geplant. Nun setzt Saudi-Arabien offenbar stärker auf KI-Rechenzentren und andere wirtschaftlich nutzbare Infrastruktur.
Das Megaprojekt Neom kommt langsamer voran als geplant. Nun setzt Saudi-Arabien offenbar stärker auf KI-Rechenzentren und andere wirtschaftlich nutzbare Infrastruktur.
Saudi-Arabien richtet sein milliardenschweres Neom-Projekt offenbar neu aus. Nach jahrelangen Verzögerungen und gekürzten Plänen für die futuristische Stadt „The Line“ sollen künftig wirtschaftlich besser verwertbare Bereiche wie KI-Rechenzentren, Logistik und erneuerbare Energien stärker in den Mittelpunkt rücken.
Grundlage dafür ist der Anfang August veröffentlichte Jahresbericht des staatlichen Public Investment Fund (PIF), den die britische Zeitung „The Times“ ausgewertet hat. Demnach sollen künftig vor allem wirtschaftliche Tragfähigkeit und kommerzielle Perspektiven darüber entscheiden, welche Neom-Projekte weiterverfolgt werden.
Ursprünglich war Neom als eines der größten Infrastrukturprojekte der Welt geplant. Das Gesamtvolumen wurde zeitweise auf rund eine Billion US-Dollar geschätzt. Zum Projekt gehören neben „The Line“ unter anderem das geplante Wintersportgebiet Trojena, Yachthäfen und künstliche Inseln.
Vor allem „The Line“ steht inzwischen für die Schwierigkeiten des Megaprojekts. Die futuristische Stadt sollte ursprünglich auf einer Länge von 170 Kilometern entstehen. Bislang wurden jedoch lediglich Teile der Fundamente errichtet. Auch andere Prestigeprojekte wurden in ihrem Umfang reduziert oder kommen langsamer voran als ursprünglich geplant.
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Rechenzentren könnten für Saudi-Arabien deshalb attraktiver sein, weil dafür bereits Teile der notwendigen Infrastruktur vorhanden sind oder aufgebaut werden. Dazu zählen Straßen und Stromnetze sowie Anlagen für Solar- und Windenergie.
Der wachsende Energiebedarf von KI-Rechenzentren könnte mit dem Ausbau der saudischen Energieproduktion verbunden werden. Das Königreich investiert seit Jahren in große Photovoltaikanlagen und verfolgt zudem Pläne für die Produktion von Wasserstoff.
Auch Kernenergie soll langfristig zur Stromversorgung beitragen. Saudi-Arabien hat dafür mit den USA eine Vereinbarung über die zivile Nutzung der Kernenergie geschlossen.
Die Neuausrichtung steht auch im Zusammenhang mit der Finanzierung von Neom. Ursprünglich hatte Saudi-Arabien darauf gesetzt, einen erheblichen Teil der Investitionen aus dem Ausland zu finanzieren.
Diese Erwartungen haben sich bislang offenbar nicht erfüllt. Nach der Auswertung des PIF-Berichts durch „The Times“ machen internationale Investitionen weiterhin weniger als ein Viertel der Finanzierung aus.
Damit könnte sich Neom von einem Projekt, das vor allem mit spektakulären Zukunftsstädten und Prestigevorhaben Schlagzeilen machte, stärker zu einem Infrastrukturprogramm mit konkreterem wirtschaftlichem Nutzen entwickeln.