Auf dem Schaumberg treffen Papierkunst, Keramik, Malerei und Hutmacherei auf neugierige Besucher. Viele Werke sind Unikate. Doch besonders die Begegnungen machen den Markt aus.
Tholey · Auf dem Schaumberg treffen Papierkunst, Keramik, Malerei und Hutmacherei auf neugierige Besucher. Viele Werke sind Unikate. Doch besonders die Begegnungen machen den Markt aus.
17.08.2026 , 13:00 Uhr
Gesche Schneider aus Saarbrücken hat beim Schaumberg-Montmartre ihren Traumhut gefunden. Schon lange war sie auf der Suche nach einem Sonnenhut, der ihr Gesicht zuverlässig vor der Sonne schützt und zugleich Platz für ihren Zopf lässt.
Foto: Marion SchmidtBeim Schaumberg-Montmartre auf dem Bergplateau in Tholey präsentierten Künstler und Kunsthandwerker ihre Werke unter freiem Himmel.
„Auch wenn 15 Aussteller der großen Hitze wegen ihre Teilnahme abgesagt haben, ist unser Markt in diesem Jahr sehr vielfältig. Wir haben zehn neue Aussteller, die neue Themen in die Veranstaltung bringen“, so Organisatorin Lisa Grandke von der Gemeinde Tholey.
Seine Montmartre-Premiere hatte unter anderem der Hobby-Fotograf Axel Mohr. Es sind die zu Lichtobjekten umfunktionierten Glasbausteine, die besonders auffallen. Axel Mohr hat auf die recycelten Glasbausteine mit einer Transferfolie Fotomotive übertragen. Eine in den Glasbaustein montierte kleine Lichterkette illuminiert die fotografisch gestaltete Vorderseite eindrucksvoll.
Nebenan präsentiert ein weiterer Debütant sein Kunsthandwerk. Holger Jochum aus Schiffweiler hat sich auf 3D-Kunstwerke spezialisiert. Seine sogenannten „Laser Cut-Multilayer Wandbilder“ faszinieren. „Jedes Bild besteht aus mehreren Ebenen, die einzeln in Handarbeit geschnitten und dann zu einem dreidimensionalen Kunstwerk übereinandergesetzt werden“, erklärt Holger Jochum seine Technik.
Viele Künstler sind jedes Jahr dabei. So wie Rebecca Born. Die Künstlerin aus St. Wendel präsentiert einen Querschnitt aus ihrem von der Natur inspirierten Kunstschaffen. Das sind vor allem Zeichnungen und Collagen. In diesem Jahr kommen besonders gut ihre gestalteten Muscheln an.
Wer mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommt, hat aber auch die Chance, interessante Geschichten zu entdecken. „Ich wollte gerne mal am Montmartre teilnehmen. Traute mich aber nicht alleine. Meine Freundin Elfi schlug vor, gemeinsam einen Stand zu machen“, sagt Anne Streb. Die Medizinerin aus St. Wendel, Mitglied der Künstlerinnengruppe „Kunst(er)schafferinnen“, hat sich mit der Tholeyer Keramikkünstlerin Elfi Pazen zusammengetan. Anne Streb hat während der Coronazeit mit dem Herstellen von stilvollen Ketten begonnen. Sie genießt den Austausch mit den Marktbesuchern: „Ich bin ein kommunikativer Typ. Ich wollte früher Goldschmiedin werden. Das hatte meine Mutter mir aber ausgeredet, weil ich da nur für mich alleine gearbeitet hätte.“
Die Hitze tut der guten Stimmung auf dem Schaumberg keinen Abbruch. Dem hochsommerlichen Wetter entsprechend tragen viele Besucher Sonnenhüte. Wer noch keinen dabei hat, wird am Stand von Jakobine Wierz schnell fündig. Die Hutmacherin aus Trier präsentiert in ihrem Marktzelt eine vielfältige Auswahl an Sonnenhüten aus ihrer Sommerkollektion. „Meine Großmutter und Mutter hatten ein Hutgeschäft in Merchweiler. Mir wurde das Hutmacher-Handwerk in die Wiege gelegt. Ich möchte dieses Handwerk weiter am Leben halten“, schwärmt Jakobine Wierz, die ihre Hut-Kreationen schon bei der größten europäischen Hutschau in Neuburg an der Donau präsentiert hat. Jeder Hut ist ein Unikat und ein Zeichen großer Handwerkskunst, mal mit zarter Spitze dekoriert, mal mit Stoffblüten oder farbigen Bändern.
Als Materialsammlerin findet die Hutmacherin auf Reisen die passenden Stoffe für ihre Hüte. „Eine sehr gute Quelle sind mir die Fachgeschäfte in Ländern mit Königshäusern wie die Niederlande oder Dänemark“, verrät Jakobine Wierz und sagt weiter: „Ein undekorierter Hut ohne Garnitur ist ein Rohling. Ich will mich an den Hüten kreativ ausleben. Ein Herrenhut bietet mir da keinen Spielraum.“
Die Tholeyer Künstlerin Mona Leiss beim Proträtzeichnen. Wie jedes Jahr stellt sie sich auch wieder der Aufgabe des Wettzeichnens.
Foto: Marion SchmidtGesche Schneider schlendert gut behütet mit ihrem neuen Sonnenhut weiter und bleibt staunend am Stand von Inge Helfer stehen. Die Papierkünstlerin beeindruckt mit ihren farbenfrohen Figuren aus Pappmaché und mit viel Liebe zum Detail gestalteten Papierobjekten wie Schachteln, Büchlein und Lesezeichen. „Papier ist ein wundervoller Werkstoff. Im Urlaub bin ich immer auf der Suche nach neuen Papieren. In einem Shop in Bombay habe ich mal ein wunderbares handgeschöpftes Papier entdeckt", so die Künstlerin.
Ein paar Stände weiter haben sich Lisa Wagner und Luca Guldner für ein gemeinsames Porträt entschieden, das Mona Leiss mit versiertem Zeichenstrich zu Blatt bringt. Gegenüber arbeitet Petra Scheid aus Lebach an einer Staffelei an einem großformatigen Bild, das einen stilisierten Elefanten in bunten Farben zeigt. „Mich faszinieren diese mächtigen Tiere, die selbst in schwierigen Situationen nicht aufgeben. In meinen Malkursen motiviere ich auch meine Schüler, nicht aufzugeben. Es ist ein Glücksmoment, wenn sie dann über sich hinauswachsen und was auf der Leinwand geschaffen haben“, verrät die Künstlerin.
Nicht aufgegeben und eine Idee verfolgt haben auch Julia Dalikou-Schlicker und Kevin Schlicker. „Wir hatten vor vier Jahren beim Wintergrillen bei Freunden diese Feuerschalen gesehen. Da sie uns zu teuer waren, haben wir mit der Eigenproduktion begonnen“, erzählt das Paar aus Dirmingen. Beim Montmartre verkaufen sie ihre „Kerzenfresser“. Das sind aus Estrich gegossene Schalen, in der Mitte ein fast ausschließlich aus Holzfasern bestehender Docht, rundherum das Kerzenwachs. „In das flüssige Wachs um den brennenden Docht legt man immer wieder alte Kerzenreste, damit er weiterbrennen kann“, erklärt Julia Dalikou-Schlicker ihren Kunden.
Der Schaumberg-Montmartre war wieder einmal ein Ort der Begegnung, der Kunst und französische Lebensfreude an einem entspannten Sommertag in Einklang brachte. Für die typische Montmartre-Stimmung sorgte die Band Chez nous mit französischen Chansons, begleitet vom süßen Duft frisch gebackener Crêpes. (hck/him)
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