Die Clubcommission möchte offenbar die Musikbrauerei in Berlin-Pankow aus dem Verband werfen. Laut Medienberichten und wie auch der Betreiber bestätigt geht es um Veranstaltungen in der Vergangenheit - beispielsweise mit Bezug zu Verschwörungsideologen.
Streit über Veranstaltungen Clubcommission will offenbar Musikbrauerei ausschließen
Von Felix Michel
Die in Berlin-Pankow ansässige Musikbrauerei soll offenbar aus der Clubcommission ausgeschlossen werden. Das ein Verfahren läuft, hat der Inhaber der Musikbrauerei, Jens Reule Dantas, gegenüber rbb|24 bestätigt. Die Clubcommission - der Interessenverband von Berliner Clubs, Bars und Kollektiven - sprach auf Nachfrage allgemein von einem "laufenden Verfahren".
Laut Reule Dantas hat ihm der Vorstand der Clubcommission ein Schreiben zukommen lassen, in dem er vom Ausschluss aus dem Verband informiert worden ist. Dagegen habe er über seinen Anwalt Widerspruch eingelegt und nun müsse die Mitgliederversammlung über seinen Ausschluss entscheiden.
Die Clubcommission teilte auf rbb-Anfrage mit, dass sie sich "zu laufenden vereinsinternen Verfahren, deren Hintergründen sowie zu internen Beratungen und personenbezogenen Angelegenheiten grundsätzlich nicht öffentlich" äußere.
Stein des Anstoßes sollen mehrere Veranstaltungen sein, die in der Musikbrauerei stattgefunden haben. Wie die "Berliner Zeitung" [Bezahlinhalt] berichtete, werde dem Betreiber vorgeworfen, er habe Gruppen mit "Verbindungen zur rechtsextremen und verschwörungsideologischen Szene" Räume zur Verfügung gestellt.
Dazu gehören laut "Berliner Zeitung" beispielsweise Veranstaltungen aus der Szene der sogenannten Querdenker-Bewegung, die sich während der Zeit der Corona-Pandemie gebildet hat, außerdem eine Ausstellung, die von einem rechtsextremen Magazin begleitet worden sei.
"Beanstandet werden vier Veranstaltungen eines Zweijahresprogramms, unter anderem eine Zusammenkunft einer demokratischen Bürgerrechtsbewegung, weil diese vom Verfassungsschutz beobachtet würde", erklärte Reule Dantas gegenüber rbb|24. Er betonte jedoch: "Die Musikbrauerei ist weder Zensur- noch Kontrollbehörde und kann das auch weder personell noch infrastrukturell leisten."
Veranstaltern mit "offensichtlich kriminellen oder menschenverachtenden Tendenzen" würde er keine Plattform bieten. "In einer Demokratie muß ich dem Diskurs freien Lauf lassen", schrieb er dem rbb. Reule Dantas sagt von sich selbst, er sei "Kulturarbeiter" und kämpfe seit fast 30 Jahren für Freiräume für die Kulturszene. Für diesen Kampf sei die Clubcommission einst gegründet worden, betonte er.
Reule Dantas sagte, er sehe sich als Opfer von "Rufmord" und erwäge im Fall der Fälle rechtliche Schritte.
2025 veranstaltete die "Internationale Agentur für Freiheit" die Ausstellung "Kunst im Widerstand" in der Musikbrauerei. Von der Veranstaltung berichtete per Video das rechtsextreme Magazin Compact. Im Internet sind die Beiträge abrufbar. Compact wird im Bericht des Verfassungsschutzes 2025 wie folgt erwähnt [PDF]: "Die 'COMPACTMagazin GmbH' verbreitet in ihren unterschiedlichen Publikationen und Produkten seit Jahren regelmäßig fremden- und minderheitenfeindliche, geschichtsrevisionistische sowie verschwörungstheoretische Inhalte."
Eine weitere Veranstaltung in der Musikbrauerei wird von der Arbeitsgemeinschaft Antifaschismus der Berliner Linken in einem online öffentlich einsehbaren Protokoll erwähnt. Dort wird eine Aftershow-Party der Partei Die Basis, mit Wolfgang Wodarg als Gast, als "problematische Veranstaltung" bezeichnet. Die Partei gründete sich im Umfeld der Proteste gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Wodarg kandidierte unter anderem als Direktkandidat für die Partei.
Zudem wird in Unterlagen der AG Antfaschismus eine Veranstaltung in der Musikbrauerei mit Ken Jebsen erwähnt; auch andere Medien berichteten darüber. Ken Jebsen war unter anderem Radiomoderator beim rbb, bevor er zu einem einflussreichen Verschwörungsideologen wurde.
Ein Hinweis auf eine weitere Veranstaltung in der Musikbrauerei findet sich auf der Seite eines Landesverbandes der Partei Die Basis: die "Erste Alternative Medienmesse". Einer der Hauptveranstalter war demnach die damals erscheinende Wochenzeitung "Demokratischer Widerstand", die von der "Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand" herausgegeben wurde. Der Berliner Verfassungsschutz erwähnt die Gruppe [PDF] als einen "maßgeblichen Akteur des Spektrums der 'verfassungsschutzrelevanten Staatsdelegitimierung'".
Bisher ist die Musikbrauerei weiter auf der Website der Clubcommission als Mitglied gelistet. Im deren Leitbild heißt es unter anderem: "Hass, Hetze und Vorurteile haben bei uns keinen Platz, ebenso wenig wie z.B. Antisemitismus, Klassismus, Rassismus, Sexismus und Rechtsextremismus […] An den von uns öffentlich kommunizierten Werten werden wir gemessen."
Wann der Mitgliederentscheid stattfindet wird, ist unklar.
Sendung: rbb|24, 04.09.2026, 19:29 Uhr
Audio: rbb|24, 04.09.2026, Felix Michel
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