Schnittmenge von Linke und AfD? Das Schimpfwort „Flachzange“. Dabei hat diese ehrbare Gerätschaft diese Diffamierung nicht verdient, im Gegenteil: Von ihren sanften Armen können Politiker sich einiges abgucken.
Jugendwort des Jahres – kennen wir. Aber dass es jetzt auch ein Politikerwort des Jahres gibt? So wie sämtliche Menschen zwischen elf und 20 Jahren sich (und auch gern ihre nichts checkenden Eltern) als „Digga“ bezeichnen, wimmelt es im politischen Deutschland derzeit von „Flachzangen“.
Zuletzt beschimpfte Linken-Chef Luigi Pantisano sein AfD-Pendant Tino Chrupalla am Wahlabend in Sachsen-Anhalt als „größte Flachzange, die in Berlin rumläuft“. Zuvor titulierte AfD-Sunnyboy Ulrich Siegmund den Noch-Ministerpräsidenten Sven Schulze im TV-Duell als „Flachzange“ – „politisch, nicht menschlich“, wohlgemerkt. Und den Anfang machte AfD-Chefin Alice Weidel, die im ZDF-Sommerinterview sowohl Merz als auch Klingbeil gleich zwei Mal als „Flachzangen“ bezeichnete, von denen sie „nicht mehr angelogen werden“ wolle.
Ein ehrbares Gerät, verbal in den Dreck gezogenLüge, ein großes Wort für ein so kleines Werkzeug. Können denn diese beiden zupackenden Greifbacken lügen? Ein ehrbares Gerät, verbal in den Dreck gezogen. Wie konnte es so weit kommen?
Serienjunkies kennen die diffamierende Zweckentfremdung natürlich aus der deutschen Synchronisation der 2000er-US-Sitcom „Scrubs“: Der fiese Dr. Cox erniedrigte den jungen Mediziner J.D. gern als „Flachzange“.
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Zugegeben, so viel hat die Flachzange wirklich nicht drauf. Flach ist sie, platt, völlig ungeeignet für Rundungen, an Rohren und Muttern findet sie keinen Halt. Gut, letzteres trifft auch auf den Kanzler zu: Mütter, zumal Alleinerziehende, sind nicht gut auf ihn zu sprechen, seit er den Eindruck erweckte, sie würden nicht genug arbeiten.
Auch eine geringe Hebelwirkung, ob nun auf Werkstück oder Wähler, haben Tool und Kanzler gemeinsam. Wobei, da muss man wiederum Pantisano recht geben, auch die politische Druckkraft von Tino Chrupalla im Vergleich zu Kneifzange Alice Weidel innerparteilich deutlich nachlässt.
Doch all diese vermeintlichen Nachteile im praktischen Gebrauch – geschenkt! Die Zeit ist reif für einen Imagewechsel der Flachzange, denn von ihr können Politiker sich einiges abgucken. Sie hat eine hohe Haltekraft. Sicher und geborgen fühlen sich selbst flache Charaktere, pardon, Werkstücke in ihren Armen. Zudem ist sie materialschonend, geeignet also auch für Empfindliches.
Nehmen wir die Botschaft der Flachzange ernst, wie sie mit ihren sanften Greifarmen geradezu appelliert an unsere verrohende Gesellschaft: Geht wieder schonender miteinander um!
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