Blut, Entscheidungen und ein gnadenloser Countdown: In diesem dunklen Rollenspiel führen viele Wege zum Ziel - doch Zeit ist ein kostbares Gut.
18.09.2026 · 05:13 Uhr
Coen kämpft in «The Blood of Dawnwalker» gegen die Uhr - tagsüber als Mensch, nachts als Vampir.
Foto: Bandai Namco/dpa-tmnHamburg · Blut, Entscheidungen und ein gnadenloser Countdown: In diesem dunklen Rollenspiel führen viele Wege zum Ziel - doch Zeit ist ein kostbares Gut.
Karpaten, 14. Jahrhundert: Im Sangora-Tal haben Krieg, Pest und Tyrannen schlimm gewütet. Doch damit nicht genug. Die Menschen dort müssen im düsteren Action-Rollenspiel „The Blood of Dawnwalker“ noch eine weitere Plage erleiden: Vampire.
Protagonist der Story ist Coen. Als Arbeiter in einer Mine hat er viel Silber aufgenommen und leidet unter Argyrie, einer irreversiblen, graubläulichen Verfärbung der Haut. Er lebt mit seinem Vater Pieter, seiner kranken Mutter Esme, seiner Schwester Lunka und seinem Schwager Lazar im Ort Laslea.
Die Menschen in Coens Heimatort Laslea leben in Angst und Schrecken - kein Wunder, denn sie werden monatlich zur Ader gelassen.
Foto: Bandai Namco/dpa-tmnDas Tal regiert Knyaz Brencis von Burg Greifberg aus - ein Vampir. Er erlässt den Menschen die üblichen Steuern und Abgaben, verlangt dafür aber während der monatlichen Messe Blut von jedem einzelnen, Schwache und Kranke werden als Opfer getötet. Die Menschen leben in Angst und Schrecken.
Burg Greifberg bei Vollmond: Dorthin hat der gnadenlose Vampir Knyaz Brencis Coens Familie verschleppt.
Foto: Bandai Namco/dpa-tmnAls Coen sich weigert, sein Blut zu geben, versuchen Brencis und seine Leute, ihn mit Gewalt zu einem der ihren zu machen. Wärend Brencis denkt, dass Coen als Vampir gestorben ist, erwacht dieser tatsächlich als Dawnwalker, zu Deutsch Dämmerblut. Das ist jemand, der Mensch und Vampir zugleich ist - tagsüber Mensch und nachts Vampir. Coens Familie wird derweil von Brencis in seine Burg verschleppt, wo sie in 30 Tagen geopfert werden soll.
Tagsüber sieht die Karpaten-Burg gar nicht so gruselig aus. Aber niemand sollte sich in falscher Sicherheit wiegen: Dort werden Menschen geopfert.
Foto: Bandai Namco/dpa-tmnAllzu viel Ausrüstung gibt es nicht: Am Tag vertraut Coen vor allem aufs Schwert. Nachts setzt er auf seine übernatürlichen Kräfte als Vampir.
Foto: Bandai Namco/dpa-tmnDie verstreichende Frist ist das Herz des Spiels und vom polnischen Entwicklerstudio Rebel Wolves in ihrem Game-Debüt wirklich clever konzipiert. Der Countdown läuft aber nicht in Echtzeit ab. Zeit vergeht nur, wenn man Quests abschließt, Ziele erreicht oder zwischen Tag und Nacht wechselt. Aktivitäten sind außerdem mit einem Sanduhr-Symbol ausgezeichnet, das quasi den Zeitpreis anzeigt, damit man vorher weiß, worauf man sich einlässt.
Bosskampf gegen eine Bojarin: Die mächtige Vampirin Xanthe zu besiegen, ist eine schwierige wie unheimliche Sache.
Foto: Bandai Namco/dpa-tmnTag und Nacht sind zwei getrennte Spiele, die sich einen Speicherstand teilen. Tagsüber ist die Ausdauer schneller weg, als einem lieb ist. Dabei ist Coens Schwertkampf nie vom Rollenspiel-Teil abgetrennt. Nachts kippt das Spiel ins Übernatürliche: Coens Sinne schärfen sich. Der Teilzeit-Vampir kann den Flügelschlag eines Insekts im dunklen Raum hören, draußen aus weiter Entfernung einen Herzschlag wahrnehmen oder Orte erreichen und betreten, die tagsüber unerreichbar bleiben.
Eine weitere Herausforderung: Coen braucht Blut. Und man muss ganz allein entscheiden, wie weit er geht. Ob er dafür Menschen tötet, bewusstlos zurücklässt oder sich lieber an Tiere hält. Die Versuchung ist jedenfalls groß. Denn die Kräfte bleiben nur - oder werden sogar stärker - wenn man Blut trinkt.
Auf der Karte ist die ganze Tal-Region von Beginn an sichtbar. Allerdings ist sie nicht wie eine Checkliste gestaltet. Wer eine Gegend betritt, erfährt vielleicht, dass dort etwas vor sich geht, aber nichts Genaueres. Den Rest muss man selbst kombinieren, indem man Hinweisen und Tratsch nachgeht oder Särge, Lager, Nester, Spukorte oder Krypten in Augenschein nimmt - bis sich alles zu einem Bild zusammensetzt.
Svartrau ist die einzige richtige Stadt, umgeben von kleineren Siedlungen, Wäldern, Sümpfen und Bergen. Ein Pferd hat Coen nicht. Das erscheint zunächst wie ein Patzer - bis die für Vampire übliche, nächtliche Fortbewegungsart erklärt, warum.
Wer sich weit genug in Brencis' Hofstaat vorarbeitet, merkt, wie die Geschichte sich auffächert. Es gibt nicht das eine Ende, sondern mehrere. Einige sind triumphal, andere still. Und manche münden schlicht darin, dass die dreißig Tage ablaufen, während Coen damit beschäftigt war, Fremden zu helfen.
Auf welches Ende man zustrebt, entscheidet sich lange vor dem letzten Kampf: Es kommt darauf an, wie man seine Tage zugebracht hat, wen man als Verbündete gewinnen konnte und wen man vielleicht irgendwo in einem Dorf zurückgelassen hat. Ist die 30-Tage-Frist verstrichen, hat man es mit einem echten, harten Ende zu tun - und nicht etwa mit einem Ladebildschirm. Der Epilog zieht gnadenlos Bilanz, Person für Person.
Geheimtipp: Brencis lässt sich schon im Prolog bekämpfen - und besiegen. Das ist ein brutales Unterfangen, die meisten werden dort immer wieder sterben, aber man sollte es mindestens einmal versuchen. Allein schon, um herauszufinden, was passiert, wenn man so früh gewinnt.
„The Blood of Dawnwalker“ steht zu seinen Ideen, was bei Open-World-Rollenspielen in diesen Tagen ziemlich selten geworden ist. Diese Konsequenz ist eine Stärke und gelegentlich auch ein Nachteil. Man hat hier wirklich die Wahl, was man tut. Die falsche Antwort im Dialog endet nicht zwangsläufig in einer Katastrophe, dafür bedeutet sie manchmal, dass drei Tage für etwas anderes draufgehen.
Etwas zäh wird es, wenn die Angst vor verlorener Zeit dazu führt, dass man die sorgfältig gebaute Welt links liegen lässt und zu sehr darauf setzt, schnell durchzukommen. Denn all die Nebenfiguren - gerade jene, an denen man beinahe vorbeigelaufen wäre - sind interessant genug, dass es einem leidtut, wie wenig Beachtung man ihnen in einem Durchgang schenken kann.
Am Ende gibt es keinen perfekten Weg durch dieses Spiel, und genau das macht es besonders: Ein guter Durchgang ist nicht der, in dem Coen alle rettet, sondern der, in dem man entscheidet, wer er wird - und wie viel er dafür bereit ist zu geben.
„The Blood of Dawnwalker“ ist für Playstation 5, Xbox Series X/S und PC erhältlich. Der Preis liegt bei rund 60 Euro, das Spiel hat keine Jugendfreigabe (USK ab 18 Jahren).
© dpa-infocom, dpa:260918-930-703523/1
Meistgelesen
Aktuell wichtig
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Vampire RPG ‘The Blood of Dawnwalker’ Embraces Darkness, Monstrosity, And Personalised Storytelling | 5 | 3 | 07-07-2026 |
| 2 | ‘The Blood of Dawnwalker’ Pumps New Life Into Standard RPG Decision-Making Conventions | 6 | 5 | 07-07-2026 |
| 3 | The Blood of Dawnwalker метит в шедевры? 🧛♂ Журналисты провели ... | 6 | 8 | 08-07-2026 |
| 4 | Preview | The Blood of Dawnwalker | 0 | 5.68 | 08-07-2026 |
| 5 | «Придётся ждать версию для PS6»: консольные игроки The Blood of Dawnwalker останутся без 60 кадров/с даже на PS5 Pro, и фанаты не рады | 1 | 12.01 | 21-08-2026 |
| 6 | The Blood of Dawnwalker director believes most people will play the game like Guitar Hero | 0 | 4.96 | 17-08-2026 |
| 7 | Newsletter for Thu, August 13th 2026 | 0 | 11.54 | 13-08-2026 |
| 8 | «Кровь, охота, рок-н-ролл» Наталья Хари - предзаказ уже на сайте! | 0 | 11.52 | 10-09-2026 |
| 9 | Newsletter for Thu, August 6th 2026 | 0 | 11.54 | 06-08-2026 |
| 10 | Newsletter for Thu, July 16th 2026 | 0 | 11.54 | 16-07-2026 |