Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer: Der Fisch stinkt vom Kopf her

Дата публикации: 14-03-2026 07:35:00

Wer glaubte, Weimer sei kein rechter Hardliner, sieht sich endgültig getäuscht. Viele müssen nun befürchten, unter seinen Hammer zu kommen. mehr...

Основное содержимое страницы с новостью.

Julia Hubernagel

Wer glaubte, Weimer sei kein rechter Hardliner, sieht sich endgültig getäuscht. Viele müssen nun befürchten, unter seinen Hammer zu kommen.

Eine lustige 'Skulptur' und Postkartenständer stehen vor dem Buchladen „Zur schwankenden Weltkugel“ in der Kastanienallee Der Buchladen „Zur schwankenden Weltkugel“ in der Kastanienallee, Berlin, stand mit auf Weimers Ausschlussliste

Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

E s ist nicht ausgeschlossen, dass ein Schulhofschläger einmal zu einem netten jungen Mann heranwächst. Es ist ebenfalls nicht ausgeschlossen, dass ein Student, der Verse schreibt über eitertriefende Vergewaltigungen von Schwangeren, nicht doch zu Gott oder Einsicht finden wird. Doch wenn sich ein 54-jähriger Mann in einem „Konservativen Manifest“ Sorgen macht um den Fortbestand des eigenen Blutes, des Stammes, der Nation, dann darf man annehmen, dass das Weltbild sitzt.

Wolfram Weimer, seines Zeichens Kulturstaatsminister, Lyriker und Gründer des rechten Cicero-Magazins, ist ein Mann der Mitte. Sagt er von sich. Wohlwollend hatte man annehmen können, sein Herz schlage zwar eher rechts, aber für alle links davon sei auch noch Platz auf unseren deutschen „Wiesen der blauen Blumen“, die Literaturfreund Weimer gern beschwört.

Dass eben nicht für alle Platz an der Sonne ist, lässt sich an der Debatte um den Buchhandlungspreis ablesen. Drei linke Buchläden in Bremen, Göttingen und Berlin, die Preisgelder zwischen 7.000 und 15.000 Euro erhalten sollten, wurden auf Geheiß Weimers von der Preisträgerliste gestrichen. Geschäfte also, wo Druckerzeugnisse ausliegen, die auch jeder andere Buchladen für seine Kund:innen bestellen kann. Grund für den Ausschluss: Weimer hatte im sogenannten „Haber-Verfahren“ die Buchläden beim Verfassungsschutz abgefragt und „Erkenntnisse“ erlangt.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.

Zu frech kommt dem Minister die Fassade des „Golden Shops“ in Bremen daher. „Deutschland, verrecke bitte“, prangt dort als Schriftzug, ungleich höflicher formuliert als im zitierten Punksong von Slime. Einer der Buchhandlungen wird laut Süddeutscher Zeitung zudem eine Rolle im „Kommunikationsnetzwerk der RAF“ nachgesagt, jener Gruppe, die vor 28 Jahren ihre Auflösung bekannt gegeben hatte.

Auf die Vorwürfe reagieren konnten die Buchhandlungen nicht, denn von dem politischen Hintergrund ihres Ausschlusses erfuhren sie erst aus den Medien. Erreicht hatte den „Golden Shop“, die „Rote Straße“ und „Zur schwankenden Weltkugel“ bloß eine automatisierte Absagemail. Sie wurden leider „von der unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt“, hieß es. Was nicht der Wahrheit entspricht: Ebenjene Jury wollte die drei Buchhandlungen sehr wohl auszeichnen.

Die Erfahrung spricht gegen den Vertrauensvorschuss, dem man dem Kabinett Merz gewährt

Zu denken, niemand würde aufdecken, dass Weimer in die Preisvergabe zensorisch eingegriffen hat, ist unklug. Vielleicht noch unklüger als zu glauben, Berlinale-Chefin Tricia Tuttle abzusetzen, würde keinen Wirbel verursachen. In dem Fall war die gesamte Filmbranche auf die Barrikaden gestiegen, sodass der Kulturstaatsminister zurückrudern musste.

Angesichts der Buchhandelspreisaffäre ist nun der Literaturbetrieb in Aufruhr. Die Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse sagte Weimer ab, man hätte mit Tumulten rechnen dürfen. Rücktrittsforderungen wurden laut, auch in dieser Zeitung. Aber: Wozu soll das gut sein? Was bei Forderungen dieser Art stets mitschwingt, ist eine gewisse Sehnsucht nach Anstand.

Doch die Erfahrung spricht gegen den Vertrauensvorschuss, dem man somit dem Kabinett Merz und auch der mitregierenden CDU gewährt: Irgendeinen Besseren werdet ihr doch wohl haben. Mit wem aber darf man dann rechnen? Wer findet Platz neben Gaslobbyistinnen und Nius-Fangirls, hinter Maskenprinzen und Blackrock-Kanzlern?

Auch wär’s mit einem Rücktritt nicht getan, denn glaubt man der Süddeutschen Zeitung, ist klar: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Deren Recherche zufolge wirbt das Bundesinnenministerium bei Ministerien und Bundesbehörden dafür, Informationen zu Fördergeldanwärtern regelmäßiger beim Verfassungsschutz abzufragen.

Während Experten Zweifel an der Rechtmäßigkeit des „Haber-Verfahrens“ generell anmelden, würde Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) es am liebsten routinemäßig anwenden. Ausdrücklich solle dabei vor Fördergeldempfängern verheimlicht werden, dass es eine Abfrage beim Verfassungsschutz gab.

Nun muss jede:r Linke für sich eine Haltung zur Konsequenz finden. Die in der Debatte bereits berührte Frage, ob Linke wirklich Fördergelder vom Staat annehmen sollten, mutet in einer Welt, in der keine Subventionierung auch schnell keine Buchhandlung bedeuten kann, zynisch an. Doch auch darüber lässt sich sicher streiten.

Dass die Erprobung eines Werkzeugs gefährlich ist, das das Zeug hat zur routinierten Lahmlegung jeglichen zivilgesellschaftlichen Engagements, sollte außer Frage stehen. Denn man hat zumindest eine Ahnung, in welche Hände in den nächsten Jahren der Hammer fallen könnte – und wen er dann alles treffen wird.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Julia Hubernagel

Julia Hubernagel Kulturredakteurin

Studium der Geschichte und deutschsprachigen Literatur in Bochum und Berlin. Redakteurin im Kulturressort.

Mehr zum Thema
56 Kommentare

 / 

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1Berlinale-Affäre um Tricia Tuttle: Wolfram Weimer kämpft autoritär – muss aber nicht gewinnen021.4928-02-2026
2Once Branded 'Arrogant, Progressive Fool', Richard Hermer Ousted in Burnham's Starmer Clear-Out-2620-07-2026
3Carsten Schneider: Der ärmste Kerl im Kabinett – die unmögliche Mission des Umweltministers08.427-03-2026
4Лидер СвДП: позиции Мерца спасет только вотум доверия от Бундестага07.3529-07-2026
5Bundesregierung unter Erklärungsdruck: CSD-Anschlag, Nord-Stream-Schweigen und Kabinettsumbau017.127-07-2026
6Buckelwal-Drama vor Poel: Wie Minister Backhaus in 5 Tagen seine Meinung änderte010.0512-08-2026
7Российская проблема Олафа Шольца: из Германии повеяло холодом0023-12-2021
8BR: Rundfunkrat spricht sich gegen Kulturchef aus01023-07-2026
9Wegners fehlendes Händchen für Personal: Fortgesetzte Verluste-3628-05-2026
10Bundesregierung: CDU-Landesfraktion will Merz nicht mehr sehen: „Mindestmaß an Vertrauen und Wertschätzung nicht gegeben“016.4527-07-2026

Классификация: . Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 12.49. Источник: www.taz.de.