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Serie „Kneipen im Sulzbach- und Fischbachtal“: „Es Madda“ steht seit 52 Jahren hinter der Theke – und denkt gar nicht ans Aufhören

Дата публикации: 11-08-2026 13:45:00




Für ihre Stammgäste ist sie „es Madda“. Für Martha Heinz sind die Gäste längst Familie. Auch ein FCS-Star ging einst im Windsor ein und aus.



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Serie „Kneipen im Sulzbach- und Fischbachtal“ „Es Madda“ steht seit 52 Jahren hinter der Theke – und denkt gar nicht ans Aufhören

Serie | Fischbach-Camphausen · Für ihre Stammgäste ist sie „es Madda“. Für Martha Heinz sind die Gäste längst Familie. Auch ein FCS-Star ging einst im Windsor ein und aus.

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Das ist die Pilsstube Windsor in Fischbach

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Foto: Sebastian Zenner

„Mir treffe uns beim Madda“ – so klingt es in Fischbach-Camphausen, wenn Stammgäste der Pilsstube Windsor ihren Abend verabreden. „Es Madda“, das ist Martha Heinz. Seit 52 Jahren steht die gebürtige Österreicherin im Windsor hinter der Theke.

Das Windsor ist ein Kind des Valentinstags: Am 14. Februar 1976 öffnete es erstmals seine Türen – in jenem distinguierten englischen Pub-Stil, der in der Mitte der 1970er Jahre allerorts Mode war. Club Old England hier, Westminster und Queens Pub dort. „Der Stil hat mir schon immer gut gefallen – und er gefällt mir auch heute noch“, stellt Martha Heinz klar. Der Name entstand in einem kurzen Gespräch zwischen ihr und ihrem späteren Ehemann Herbert Heinz, dem die Immobilie gehörte: „Er hatte keine Idee für einen Namen. Und mir fiel ‚Windsor‘ ein. Ich fand, das passt gut zu diesem Stil. Er sagte dann: ‚Du hast recht, machen wir Windsor daraus.‘“ Aus der kurzen Namensfindung entstand eine lange Kneipengeschichte.

Seit 1974 in Fischbach „gestrandet“

Dass Martha Heinz überhaupt nach Fischbach kam, war purer Zufall. Die gebürtige Österreicherin hatte einst in Zürs am Arlberg gearbeitet, als ihr ein Bekannter von einem Job in einer neuen Diskothek im Saarland erzählte. Eigentlich wollte sie danach nach Norderney. „Gestrandet bin ich in Fischbach“, sagt sie und lacht. Mit einer Freundin kam sie 1974 als Bedienung in den Club Old England – eine der ersten neuen Diskotheken der Region in unmittelbarer Nachbarschaft des Windsor. Im Herbst wollten die beiden eigentlich wieder zurück nach Österreich. Doch vorher lernte „es Madda“ Herbert Heinz kennen.

Ihr späterer Ehemann betrieb den Club Old England im ihm eigenen Gebäude und war zudem ein großer Sponsor des 1. FC Saarbrücken. Zahlreiche Spieler des FCS wohnten damals in Fischbach und verkehrten im beliebten Club. „Einer von den Besten war Felix Magath“, erinnert sich Martha Heinz. Magath, Nationalspieler und späterer Kult-Trainer, spielte von 1974 bis 1976 für den FCS, ehe er zum Hamburger SV wechselte. 1989 wurde der Club Old England verkauft und das Ehepaar konzentrierte sich fortan ganz auf das Windsor. Herbert Heinz starb vor rund 29 Jahren – Martha führt das Lokal seither allein weiter.

„Bei mir kommt es auf eine Stunde mehr oder weniger nicht an“

Allein ist dabei übrigens wörtlich zu verstehen. Seitdem das Rauchverbot im Jahr 2010 Einzug in die saarländische Gastronomie hielt, steht sie jeden Tag ohne Aushilfe hinter der Theke. Zuvor hatte eine Bedienung morgens geöffnet, während die Chefin selbst bis tief in die Nacht arbeitete. „Ich habe dann das ganze Konzept geändert und gesagt: Ich mache das jetzt selbst, und ich mache abends früher zu.“ Seitdem öffnet sie kurz nach sieben Uhr – und schließt wochentags gegen 20 Uhr. Nur der Freitag ist eine Ausnahme. Da kann es schon mal drei Uhr morgens werden. „Wenn die Gäste gerade zusammen lustig sind und quatschen – warum soll ich sie rauswerfen? Bei mir kommt es auf eine Stunde mehr oder weniger nicht an“, stellt die feiererprobte Wirtin klar.

Samstag und Sonntag hat das Windsor geschlossen. Wer die Woche so verbringt, braucht das Wochenende. Umso geschäftiger geht es in den Morgenstunden zur Sache. Kurz nach sieben Uhr kommen bereits die ersten Gäste: Unter anderem Berufstätige auf dem Weg ins Büro, die noch schnell einen Kaffee trinken. Weil das Windsor keine Küche hat, bringen sie ihre Brötchen selbst mit. Wenn sie gegen acht verschwunden sind, fährt Martha Heinz kurz zum Einkaufen – und ist um neun wieder da. Dann kommen die Älteren: ein 88-jähriger Stammgast mit seiner 86-jährigen Frau, eine 85-Jährige, eine 82-Jährige. Auch sie bringen Brötchen mit; Martha Heinz stellt Butter und Marmelade hin. „Wir sind irgendwo so eine Familie“, sagt sie.

Ältester Stammkunde ist 92 Jahre alt

Zur Familie gehört auch Karl Beyer, einst Briefträger des Dorfes, heute 92 Jahre alt. Er ist von Anfang an dabei – eine Urkunde an der Wand hält das fest. Wenn es nicht zu heiß ist, kommt er noch immer herein und trinkt sein Bierchen mit einem Schnäpschen dabei. „Das ist mein ältester Kunde“, sagt Martha Heinz, und man merkt, wie stolz sie das macht.

„Es ist klein und fein, das ist meins“ – so beschreibt sie ihr Windsor. Der englische Pub-Stil aus den 1970er Jahren ist geblieben, die dunkle Holzvertäfelung, die gemütliche Enge des kleinen Raums. Das ist ihr Wohnstil, wie sie sagt, und sie meint das durchaus wörtlich: „Ich lebe eigentlich in meinem Lokal. Zu Hause wohne ich gerade“, versichert sie. Als während der Corona-Pandemie das Windsor wochenlang geschlossen bleiben musste, dachte sie kurz ans Aufhören. Dann merkte sie, wie sehr ihr die Gäste und der Betrieb fehlten. „Solange wie ich das körperlich schaffe, mache ich mein Windsor weiter.“

Gäste helfen bei Besorgungen

Mit 73 Jahren zieht Martha Heinz dieses Pensum durch – und sieht darin nichts Besonderes. „Ich kenne nichts anderes“, sagt sie. Um 5 Uhr morgens steht sie auf, um sich in aller Ruhe fertigzumachen. Ihre Gäste helfen ihr, wo sie können: Sie tragen Einkäufe die Treppen hoch, gehen für sie besorgen, passen aufeinander auf.

„Bei uns ist das ein absolutes Geben und Nehmen“, sagt „es Madda“ und freut sich auf die nächste Frühstücksrunde im Kreis ihrer „Familie“ genauso wie auf die nächste unverhoffte Spätschicht: „Das Schönste, was man erleben kann, ist, wenn die Gäste am Ende sagen: Es war eine wunderschöne Zeit bei dir. Danke, dass es dich gibt“, sagt sie und lässt ihren Blick leicht ergriffen, aber zufrieden durch ihr Windsor schweifen. (ian/sil)

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