Volkswagen, Porsche, Conti, DeepL, Commerzbank, Biontech: Unternehmen in Deutschland gaben allein in dieser Woche den Abbau Tausender Stellen bekannt. Die Gründe sind unterschiedlich – doch das Gesamtbild dürfte sich weiter verdüstern.
Bald leere Parkplätze vor den Fabriken? Nicht nur VW, Porsche und Zulieferer wie Conti verschärfen den Stellenabbau
Foto: Anthony Harvie / Digital Vision / Getty ImagesFür besonders viel Aufsehen sorgten in dieser Woche die Pläne des Managements von Biontech, das bis zu 1860 Stellen abbauen und mehrere Standorte schließen will, darunter auch Einrichtungen von CureVac: Nach Angaben des Unternehmens sind rund 820 frühere CureVac-Beschäftigte betroffen.
Zölle, Wettbewerbsdruck, VerkaufspläneAuch wenn die Einschnitte ins Bild einer insgesamt darbenden Wirtschaftsnation passen, sparen die Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen. Conti will seine Tochter ContiTech verkaufen und sich künftig ganz auf das Reifengeschäft konzentrieren. Berichten zufolge interessieren sich vor allem Finanzinvestoren für die Tochter, die Kautschuk- und Kunststoffprodukte für industrielle Anwendungen, herstellt. Die wollen aber nur ein Unternehmen kaufen, das wettbewerbsfähige Kostenstrukturen vorweisen kann. Conti hübscht ContiTech also durch den Jobabbau im Hochlohnland Deutschland auf.
Ähnlich verhält es sich mit der Volkswagen-Tochter IAV. VW-Chef Oliver Blume (57) will das Ingenieursbüro seit Längerem verkaufen und hofft, damit eine halbe Milliarde Euro in die Kassen des gebeutelten Autoherstellers zu spülen. Ein Konzerninsider sagte dem manager magazin allerdings im vergangenen Jahr, solange es kein Sanierungspaket gebe, würden die Interessenten keinen vernünftigen Preis zahlen; „oder gar nicht kaufen“. Mit dem Sparprogramm dürfte IAV für Interessenten wieder attraktiver werden.
Auch Porsche litt zuletzt unter abnehmender Nachfrage. Vor allem die E-Modelle des Unternehmens finden zu wenig Abnehmer. Der Konzern richtet sich deshalb neu aus und setzt künftig stärker auf eine technologieoffene Antriebsstrategie. In diesem Zusammenhang streicht Porsche rund 500 Stellen bei den Töchtern Cellforce, Porsche eBike Performance und Cetitec. Cetitec entwickelte eigentlich spezialisierte Software für Datenkommunikation. Inzwischen habe sich aber auch hier das Marktumfeld verändert, hieß es vom Sportwagenhersteller.
Strategiewechsel bei Commerzbank und BiontechDie Commerzbank befindet sich mitten im Übernahmekampf mit der UniCredit, UniCredit-Chef Andrea Orcel (62) warf dem Management des Frankfurter Finanzhauses jüngst öffentlich eine aus seiner Sicht seit Jahren „unterdurchschnittliche operative Leistung“ vor und versucht, die Aktionäre auf seine Seite zu ziehen. Das will Commerzbank-Chefin Orlopp verhindern: Mit einem Strategiewechsel will sie die Rendite auf das eingesetzte Kapital auf rund 21 (2026: 12) Prozent verbessern und den Nettogewinn vor Restrukturierungskosten ganz an die Aktionäre ausschütten. Dafür müssen – wie schon im Januar 2025 – mehrere Tausend Leute gehen, die Stellen werden teils an günstigeren Standorten wieder aufgebaut.
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Einen Strategiewechsel vollzieht auch Biontech: Das Mainzer Unternehmen setzt nicht mehr auf Coronaimpfstoffe, sondern auf Krebstherapie. Das Unternehmen schrieb zuletzt hohe Verluste, weil die Ausgaben für Forschung, Entwicklung und neue Zulassungen die erwarteten Umsätze deutlich übersteigen. Mit den Sparmaßnahmen will Biontech bis 2029 jährlich bis zu 500 Millionen Euro einsparen – den Preis für den späten Strategieschwenk zahlen jetzt die Mitarbeiter. Und die üben scharfe Kritik am Management und am Gründer: „Wir fragen uns, ob Uğur Şahin noch weiß, was in seinem Unternehmen passiert.“
KI-Pläne bei DeepLZudem stellen sich viele Unternehmen auf das KI-Zeitalter ein, in dem menschliche vermehrt durch maschinelle Arbeitskräfte ersetzt werden. So will etwa DeepL-Chef Jarek Kutylowski (43) die Art und Weise, wie man Produkte entwickelt und Kunden gewinnt, neu überdenken und dabei KI in den Mittelpunkt der Planungen stellen.
Auch bei dem Eventspezialisten Ticketmaster, der 350 Mitarbeiter in den Bereichen Engineering, Produkt und Design entlassen will, spielt KI in den Personalplanungen eine zentrale Rolle.
Unternehmen planen größten Stellenabbau seit CoronaDass es mit den bisherigen Kürzungen noch nicht getan ist, zeigen die jüngsten Erhebungen des Münchner Ifo-Instituts. Das Beschäftigungsbarometer sank im April auf 91,3 Punkte, von 93,4 Punkten im März, wie das Institut vergangene Woche mitteilte. Der niedrigste Wert seit Mai 2020 zeigt, dass die Unternehmen in Deutschland einen so großen Stellenabbau planen wie seit Beginn der Coronapandemie nicht mehr.
„Die geopolitische Unsicherheit greift auf die Personalplanungen der Unternehmen über“, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Es werden mehr Arbeitsplätze ab- als aufgebaut.“ Zudem lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote laut Destatis im April bei 6,4 Prozent, mehr als drei Millionen Menschen waren arbeitslos, mehr als im Mai 2020: Damals zählte Destatis 2,9 Millionen Arbeitslose.
Von den Stellenkürzungen sind, wie sich auch in dieser Woche zeigte, nahezu alle Branchen betroffen: Besonders angespannt bleibt die Lage in der Industrie, aber auch Handel, Dienstleistungen, Logistik und Tourismus bauten laut Ifo zuletzt Stellen ab.
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„Eine nachhaltige Entspannung am Arbeitsmarkt ist erst zu erwarten, wenn die Unsicherheiten deutlich nachlassen“, sagte Ifo-Forscher Wohlrabe. Danach sieht es allerdings derzeit nicht aus: Der Irankrieg drückt die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft auf das niedrigste Niveau seit den Zeiten der Coronapandemie zu Beginn des Jahrzehnts. Der Ifo-Index sank im April auf 84,4 Punkte, nach revidiert 86,3 Zählern im März, ebenfalls der niedrigste Stand seit Mai 2020. Die Firmen blicken dabei erheblich pessimistischer auf die kommenden Monate, hieß es vom Ifo-Institut.
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