Was im VW-Aufsichtsrat diskutiert wird, wie Chargepoint-CEO Rick Wilmer mit seiner Europa-Strategie den Turnaround schaffen will, warum Ex-Opel-Boss Thomas Sedran Chancen in der Autokrise sieht – das und mehr erfahren Sie in der neuen Ausgabe von „manage:mobility“.
Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn heute in Wolfsburg der Volkswagen-Aufsichtsrat über die „Group Target Pictures“ berät, wird Großes erwartet: Konzernchef Oliver Blume (58) will weltweit 50.000 zusätzliche Jobs aus dem System nehmen und vier Werke auslaufen lassen, er will die Marke VW und die Komponentenwerke in eigene Gesellschaften packen. Die Arbeitnehmervertreter wollen – stark vereinfacht – all das nicht.
Entsprechend engagiert diskutierten die zentralen Figuren des Aufsichtsrats wohl bereits in den vergangenen Tagen; heute Morgen geht es weiter. Eine mehrseitige Beschlussvorlage soll auf den Tisch. Dass alles durchkommt, scheint ausgeschlossen. Aber vielleicht findet man starke erste Ergebnisse: eine neue Struktur im Vorstand etwa, mit mehr Macht für die Zentrale? Ankündigungen, die ein oder andere Tochter zu verkaufen? Mehr Zeit für die Werke, um die gesetzten Kostenziele zu erreichen?
Bei den „Belief Audits“, einer Umfrage unter den Konzernmächtigen, sah eine deutliche Mehrheit der Aufsichtsräte Volkswagen als „existenzgefährdet“ – auch die Arbeitnehmer sind sehr besorgt über die Zukunft. Jetzt müssen sie den gemeinsamen Weg finden. Im Zweifel in einigen Sitzungen mehr.
Zum Eingrooven hier noch einmal die exklusiven mm-Storys im Vorfeld der Sitzung: die erstaunlich ehrlichen Ergebnisse der Belief Audits – und Oliver Blumes Plan für einen neuen Volkswagen-Konzern .
Auf was sich die Aufsichtsräte und -rätinnen heute wirklich einigen – oder auch nicht, lesen Sie dann bei uns auf der Seite.
Und damit sind wir bei unseren Themen der Woche:
Wie der Chargepoint-CEO Rick Wilmer mit seiner Europastrategie den Turnaround schaffen will
Warum Ex-Opel-Boss Thomas Sedran in der Autokrise eine Chance sieht
Thema der Woche: Der Chargepoint-CEO im Interview
„Europa ist für uns entscheidend“: Chargepoint-CEO Rick Wilmer
Foto: ChargepointKöpfe: Thomas Sedran ++ Michael Leiters
Sieht Chancen in der Krise: Ex-Opel-Boss Thomas Sedran
Foto: Rainer Droese/ imago/localpicUnternehmen: Toyota ++ Uber ++ Easyjet ++ Condor ++ Accell
XL-Pick-up-Truck: Der Toyota Tacoma ist in den USA beliebt
Foto: Chris Delorenzo/ APViele US-Amerikaner lieben Pick-ups. Zwar greifen sie bevorzugt zu den Kultmodellen von RAM oder dem Ford aus der Heimat, doch auch die japanische Konkurrenz von Toyota weiß, wie man fette Verbrenner für Redneck-Kunden baut. Um denen das Modell Tacoma noch schmackhafter zu machen, will Toyota die Produktion des Pick-up-Trucks jetzt aus dem mexikanischen Werk in Baja California nach Texas verlegen. Dort plant der Konzern den Bau eines neuen Werks für 3,6 Milliarden Dollar.
Mitte Februar verkündete Uber ambitionierte Expansionspläne für seinen Essenslieferdienst Uber Eats und kündigte an, den Service unter anderem in Österreich, Norwegen oder Griechenland einzuführen. Jetzt verkündete der Konzern die Kehrtwende: In fünf der sieben geplanten Länder müssen die Kunden nun doch auf Essen frei Haus von Uber verzichten. Hintergrund ist die angestrebte Übernahme des deutschen Konkurrenten Delivery Hero.
Viermal probiert, viermal ist nichts passiert, doch beim fünften Mal hat der Billigflieger Easyjet das Übernahmeangebot des US-Investors Castlelake angenommen. Ein monatelanger Schlagabtausch zwischen Castlelake und dem Verwaltungsrat von Easyjet ist somit beendet, die Investmentgesellschaft hatte sich schließlich direkt an die Aktionäre gewandt. Noch ist der Krimi aber nicht vorbei. Als amerikanisches Unternehmen benötigt Castlelake europäische Partner und hat dafür einen alten Bekannten ausgewählt.
Im Gegensatz zum britischen Konkurrenten sucht der deutsche Ferienflieger Condor derzeit aktiv nach Investoren, da der deutsche Staat im Herbst wahrscheinlich aussteigen wird. Dabei hat Condor-Chef Peter Gerber offenbar Anbieter aus der Golfregion und der Türkei im Blick. Eine Übernahme durch die Lufthansa kommt trotz guter Condor-Zahlen nicht infrage.
Die asiatische DuTech-Holding will den niederländischen Fahrradkonzern Accell übernehmen und arbeitet seit Wochen an einem Deal. Nun hat sie eine wegweisende Hürde gemeistert: Das deutsche Kartellamt hat der Übernahme zugestimmt. Mein Kollege Lutz Reiche hat den Weg von DuTech zum europäischen Fahrradriesen analysiert.
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Zahl der Woche: 50 Millionen
Was bringen die Sofortprogramme? Bahn-Chefin Evelyn Palla stellt in Berlin das Programm für bessere Kundenkommunikation vor
Foto: Annegret Hilse / REUTERSKlimabewusste Reisende steigen statt bei Easyjet und Condor lieber bei der Deutschen Bahn ein. Dort ärgert man sich zwar nicht über fehlende Beinfreiheit und lange Wege zum Gate, dafür aber über Verspätungen und Zugausfälle. Damit DB-Kunden ihrem Unmut anständig Luft machen können, investiert die Deutsche Bahn nun 50 Millionen Euro in die Kundenkommunikation und will unter anderem eine KI-Assistenz namens Kiana auf ihrer Internetseite einführen. Außerdem sollen in Zukunft im DB-Navigator die kurzfristigen Gleiswechsel schneller kommuniziert werden. Das 50-Millionen-Paket ist das dritte „Sofortprogramm“, das die Bahn nicht pünktlicher machen wird – zuvor hatte Bahn-Chefin Evelyn Palla (53) bereits das Programm für mehr Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen und das für mehr Komfort in den Fernzügen vorgestellt.
Während der Tête de la Course der Elektroauto-Neuzulassungen klar von VW (25.600 Neuzulassungen) dominiert wird, tummeln sich im Peloton dahinter BMW, Skoda, Tesla, Mercedes und Audi und tauschen fleißig die Positionen durch. So konnte BMW sich den zweiten Platz bei den Elektroauto-Neuzulassungen in Deutschland mit 19.000 Fahrzeugen zurückholen. Noch weiter hinten im Feld kommen die chinesischen Hersteller, und auch wenn BYD (6000 Neuzulassungen), Leap Motor (5000 Neuzulassungen) und Co. bislang nicht an die europäischen Hersteller heranreichen, holen sie langsam auf.
Geisterfahrer der Woche
Von wegen Ruheabteil: Viele Reisende telefonieren in der Bahn
Foto: Lisi Niesner / REUTERSWer kennt es nicht: Man sitzt im Ruheabteil eines ICEs, doch statt wohltuender Stille erfüllen die Telefongespräche der Sitznachbarn und Handyvideos auf Lautsprecher den Raum. Dass dies nicht nur nervig und rücksichtslos, sondern in vielen Fällen auch arbeitsrechtlich relevant ist, hat Ex-Siemens-Vorständin und Multi-Aufsichtsrätin Janina Kugel (56) in ihrer aktuellen Kolumne „Menschenskinder“ aufgeschrieben und verrät, wie sie in solchen Situationen reagiert.
Ihr Theodor Harzer
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