Deutschland in Rekordhitze. El Niño kehrt zurück – als stärkste Ereignis seit Jahrzehnten. An die Hitze werden wir uns noch zurücksehnen, meinen Forscher.
Deutschland erlebt derzeit eine der heftigsten Hitzewellen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, die Weltmeere sind so warm wie nie zuvor um diese Jahreszeit – und schon jetzt zeichnet sich ab, dass auf diesen Extremsommer ein ebenso außergewöhnlicher Winter folgen dürfte. Grund ist ein Klimaphänomen tausende Kilometer entfernt im tropischen Pazifik: El Niño ist zurück, und Forscher rechnen mit einem der stärksten Ereignisse seit Beginn der Messungen. Die Folge könnte ein Klima-Doppelschlag werden, wie ihn Mitteleuropa selten erlebt hat: erst brütende Hitze, dann ein ungewöhnlich milder, nasser Winter.
Die Weltmeere haben im Juni 2026 einen neuen Wärmerekord für diese Jahreszeit aufgestellt – so warm war das Wasser um diese Zeit noch nie, seit systematisch gemessen wird. In Baden-Württemberg und weiten Teilen Süddeutschlands warnen Meteorologen bereits vor einem der heißesten Sommer der jüngeren Geschichte, während bereits die zweite Hitzewelle des Jahres über Mitteleuropa rollt und die Prognosen für Juli und August wenig Entspannung erwarten lassen.
Ausgetrocknete Böden, sinkende Flusspegel, angespannte Wasserversorger und die immer wieder aufflammende Debatte um Waldbrandrisiken und Ernteausfälle prägen bereits jetzt die Sommermonate – und all das, obwohl der eigentliche Höhepunkt der Saison noch bevorsteht.
Was viele nicht wissen: Diese Extreme sind kein Zufall, sondern Vorboten einer globalen Klimaverschiebung. Am 11. Juni 2026 hat die US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA offiziell bestätigt, was Klimaforscher weltweit seit Monaten kommen sahen – die Erde befindet sich wieder in der warmen Phase des Klimamusters „El Niño Southern Oscillation“, kurz Enso.
Mit einer Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent könnte im Winter 2026/27 sogar ein „sehr starkes“ Ereignis entstehen, in den Medien gern „Super El Niño“ genannt. Klimasimulationen deuten für November und Dezember 2026 auf „schockierend hohe“ globale Temperaturen hin, wie NOAA-Forscher warnen. Damit trifft ein starkes El-Niño-Signal auf eine ohnehin schon rekordwarme Ausgangslage – eine Kombination, die selten war und deren Folgen in ihrer Wucht kaum präzise vorhersagbar sind.
Genau hier liegt die eigentliche Brisanz der aktuellen Entwicklung. Auf den außergewöhnlich heißen Sommer folgt aller Voraussicht nach ein ebenso außergewöhnlicher Winter – nur mit umgekehrten Vorzeichen. Statt klirrender Kälte drohen Mitteleuropa milde Temperaturen, ungewöhnlich viel Niederschlag und blockierte Wetterlagen, die tagelang festhängen können.
Der Grund liegt in der Physik der oberen Atmosphäre: El Niño verändert die großräumige atmosphärische Zirkulation und verschiebt den Jetstream – jenes Starkwindband in etwa zehn Kilometern Höhe, das unser Wetter maßgeblich steuert. Wenn sich dieses Windband nach Norden oder Süden verlagert oder mäandriert, ändern sich schlagartig die Bahnen von Tiefdruckgebieten, die Häufigkeit atlantischer Sturmzyklen und damit auch das Erscheinungsbild eines mitteleuropäischen Winters.
Ein Schaf trinkt aus einer Wasserstelle zwischen Pooncarie und Menindee, Australien.
© Dean Lewins/AAP/dpa
Das statistische Muster ist dabei bemerkenswert deutlich: Das Jahr nach einem starken El Niño ist fast immer das global wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Für Europa bedeutet das konkret, dass nach der Sommerhitze kein „echter“ Winter mit Frost und Schnee droht, sondern eine oft trübe, feuchte, ungewöhnlich milde Jahreszeit – verbunden mit einem erhöhten Risiko für Sturmfluten an den Küsten, Hochwasser an Flüssen und Extremniederschläge im Binnenland.
Die Differenz zwischen den saisonalen Extremen könnte in den kommenden zwölf Monaten so groß werden wie selten zuvor. Wer sich also nach den heißen Sommertagen auf eine ausgleichende Winterpause hofft, dürfte enttäuscht werden: Der Ausgleich fällt aus, stattdessen droht ein anderes, kaum weniger belastendes Extrem.
Der Name geht auf peruanische Fischer des 17. Jahrhunderts zurück. Sie bemerkten, dass sich das Meerwasser vor ihrer Küste rund um die Weihnachtszeit ungewöhnlich erwärmte, und tauften das Phänomen nach dem „Christkind“. Hinter dem poetischen Namen steckt jedoch ein hochkomplexes Zusammenspiel von Ozean und Atmosphäre, das erst im 20. Jahrhundert wissenschaftlich entschlüsselt wurde und bis heute Gegenstand intensiver Forschung ist.
Normalerweise wehen die sogenannten Passatwinde – beständige Winde in Äquatornähe – entlang des Äquators von Ost nach West über den Pazifik. Sie schieben das warme Oberflächenwasser Richtung Indonesien und Australien, wo sich gewaltige Wärmereservoire aufstauen. Vor der südamerikanischen Küste steigt gleichzeitig kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser auf – ein Prozess, den Ozeanografen „Upwelling“ nennen und der die Fischbestände Perus jahrhundertelang reich gemacht hat. Sardellen und Anchovis fanden hier ideale Bedingungen, ganze Wirtschaftszweige lebten von diesem einzigartigen ozeanografischen Zusammenspiel.
Alle paar Jahre allerdings kippt dieses fein austarierte System. Die Passatwinde schwächen sich ab oder drehen sich sogar, das warme Wasser bleibt vor Südamerika liegen, das kalte Tiefenwasser wird gleichsam „gedeckelt“. Die Folge: Die Meeresoberfläche im östlichen tropischen Pazifik heizt sich stark auf, gigantische Mengen an Wärme werden vom Ozean in die Atmosphäre abgegeben und wirbeln das globale Wettergeschehen durcheinander. Der grundlegende Mechanismus wurde bereits 1969 vom norwegisch-amerikanischen Meteorologen Jacob Bjerknes beschrieben und bildet bis heute die Basis fast aller ENSO-Forschung – ein wissenschaftlicher Meilenstein, der zeigt, wie eng Ozean und Atmosphäre miteinander gekoppelt sind.
Offiziell beginnt ein El Niño, wenn die Meeresoberflächentemperatur im sogenannten Niño-3.4-Gebiet über mehrere Monate hinweg mindestens 0,5 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel liegt. Ab einer Abweichung von mehr als zwei Grad Celsius sprechen Meteorologen von einem „sehr starken“ Ereignis – umgangssprachlich einem „Super El Niño“.
Wichtig zu wissen ist dabei, dass der Begriff „Super El Niño“ kein streng definierter wissenschaftlicher Fachterminus ist, sondern eine populäre Zuspitzung, die vor allem in Medien und sozialen Netzwerken kursiert. NOAA und die Weltmeteorologieorganisation WMO arbeiten offiziell mit den nüchternen Abstufungen schwach, moderat, stark und sehr stark, um die Bandbreite möglicher Ereignisse präzise zu beschreiben.
Die vergangenen drei markanten Ereignisse dieser Größenordnung fanden 1982/83, 1997/98 und 2015/16 statt und haben sich tief in die Klimageschichte des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts eingegraben. Der El Niño 1997/98 gilt bis heute als das stärkste dokumentierte Ereignis mit teils katastrophalen Folgen: sintflutartige Regenfälle in Peru und Ostafrika, verheerende Dürren und Waldbrände in Südostasien, massive Überschwemmungen in Kalifornien und eine Korallenbleiche, die rund 16 Prozent der weltweiten Riffe erfasste.
Die durchschnittliche globale Temperatur stieg damals kurzzeitig um 1,5 Grad Celsius über den langjährigen Mittelwert – ein Vorgeschmack darauf, was ein extremes Enso-Ereignis in Kombination mit dem menschengemachten Klimawandel bedeuten kann.
Weil sich die Weltmeere durch den auch menschengemachten Klimawandel insgesamt erwärmen, wird ein starrer Temperaturvergleich zunehmend problematisch. Was heute als „überdurchschnittlich warm“ gilt, wäre vor 50 Jahren eine extreme Anomalie gewesen – und umgekehrt lassen sich einzelne El-Niño-Ereignisse immer schwerer sauber vom allgemeinen Erwärmungstrend abgrenzen.
NOAA hat deshalb im Mai 2026 einen neuen Messwert eingeführt, den „Relative Oceanic Niño Index“ (RONI). Dieser vergleicht die Temperatur im Niño-Gebiet nicht mehr mit einem festen historischen Mittel, sondern setzt sie in Beziehung zur Temperatur der übrigen tropischen Ozeane. So lässt sich die reine Enso-Dynamik sauberer isolieren und die Klassifikation künftiger Ereignisse bleibt auch in einer sich wandelnden Klimarealität aussagekräftig. Für die Wissenschaft ist das ein methodischer Meilenstein – für die Öffentlichkeit ein Hinweis darauf, wie sehr sich selbst die etablierten Messverfahren dem Klimawandel anpassen müssen.
Lesen Sie mehr zum Thema
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Newsblog zur Hitzewelle: Gewitter drohen in Ostdeutschland – neuer Rekord aufgestellt | 0 | 5 | 26-06-2026 |
| 2 | Рекордная жара в Германии: температура превысила 41 градус | 0 | 7 | 26-06-2026 |
| 3 | В ФРГ зафиксирована рекордная жара в 41,3 °C | 0 | 5 | 26-06-2026 |
| 4 | Germany's Hottest Day Ever Signals a Dangerous New Phase of Europe's Heatwave | -2 | 6 | 27-06-2026 |
| 5 | МКУ «Управление по делам ГО и ЧС города Калининграда» напоминает о правилах безопасности в жаркую погоду | 0 | 5 | 26-06-2026 |
| 6 | Der vergessene Helfer im Schrank: So schlafen Sie trotz Hitzewelle | 0 | 5 | 24-06-2026 |
| 7 | FN-organ: ”Värmerekord runtom i Europa” | 0 | 5 | 26-06-2026 |
| 8 | Kachelmann nennt Deutschland ein „schreckliches Land“ – und warnt vor einem fatalen Hitze-Tipp | -5 | 6 | 23-06-2026 |
| 9 | Засуха и ливни. Как в Европе высыхают водоемы, а Великие озера выходят из берегов | 0 | 0 | 12-08-2019 |
| 10 | В Крыму прогнозируют до 36 градусов тепла | 0 | 0 | 13-08-2019 |