Etikett ab und sofort rein ins neue Teil? Experten raten davon ab – eine Pflicht ist es trotzdem nicht. Was wirklich in neuer Kleidung steckt, bei welchen Sachen die erste Wäsche zählt und wann sie schadet.
Etikett ab und sofort rein ins neue Teil? Experten raten davon ab – eine Pflicht ist es trotzdem nicht. Was wirklich in neuer Kleidung steckt, bei welchen Sachen die erste Wäsche zählt und wann sie schadet.

Was man nah an der Haut trägt, wie ein T-Shirt, waschen die meisten Menschen vor dem ersten Tragen lieber. (Symbolfoto)Illustration Berliner Kurier
Zurück vom Shopping, ein hübsches Shirt und eine tolle Jeans gefunden. Das perfekte Outfit für die Verabredung am Abend. Aber müssen die Teile nicht erst mal in die Waschmaschine? Sollte man neue Kleider vor dem ersten Tragen nicht waschen? Antwort: Müssen: nein. Sollten: ja. Was für die Wäsche nagelneuer Klamotten spricht und wann man sie sich sparen kann.
Waschen neuer Kleidung wird empfohlen, kein MussEine Vorschrift gibt es nicht. Das Bundesgesundheitsministerium formuliert es auf seinem Portal gesund.bund.de nüchtern: Bei Kleidung, die nach dem Stand der Technik hergestellt wurde, sei nicht mit gesundheitsschädlicher Wirkung zu rechnen, allergische Reaktionen auf Textilien seien selten.
Waschen empfiehlt dieselbe Behörde trotzdem – weil dabei Reste von Chemikalien ausgespült werden, die aus Produktion, Verpackung und Transport in den Fasern sitzen.
Was steckt eigentlich in neuer Kleidung?In neuer Kleidung stecken Farbstoffe, Mittel gegen Knittern und solche, die Feuchtigkeit abweisen oder Schweißgeruch verhindern sollen. Dazu Rückstände aus einem oft monatelangen Transport im Container, bei dem Naturfasern vor Schimmel und Motten geschützt werden müssen. Kleidung ohne Chemie gibt es praktisch nicht.
Sehen kann man davon nichts. Auf dem Etikett steht, aus welchen Fasern ein Teil besteht – womit es behandelt wurde, muss dort nicht stehen. Grenzwerte existieren, eine behördliche Kontrolle jedes einzelnen Kleidungsstücks ist aber nicht vorgeschrieben, wie die Verbraucherzentrale Hessen anmerkt.
Eine Ausnahme: Enthält ein Textil größere Mengen freies Formaldehyd, muss das gekennzeichnet werden – samt der Empfehlung, es vor dem ersten Tragen zu waschen. Das ist die einzige Stelle, an der die Waschempfehlung amtlich ist.
Die erste Wäsche bringt weniger, als viele denken – aber nicht grundsätzlich wenig. Bei Formaldehyd funktioniert es: Eine spanische Untersuchung fand in gewaschener Kleidung nichts mehr davon.
Bei anderen Stoffen entscheidet das Material. Baumwolle gibt Rückstände beim Waschen bereitwillig ab, Polyester hält sie fest. Eine schwedische Studie an Kinderkleidung fand in reinen Polyesterteilen selbst nach zehn Waschgängen noch den Großteil der Chemikalien im Stoff.
Die erste Wäsche hilft also, löst das Problem aber nicht. Wer möglichst wenig Chemie auf der Haut haben will, achtet besser schon beim Kauf darauf: helle Baumwolle statt Polyester, dazu Siegel wie GOTS oder Öko-Tex Standard 100. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt ausdrücklich, lieber Kleidung zu kaufen, bei deren Herstellung viele Schadstoffe von vornherein verboten sind.
Unverzichtbar ist die erste Wäsche bei allem, was eng, warm und feucht auf der Haut liegt: Unterwäsche, Bademode, Bettwäsche. Dort lösen sich Rückstände am ehesten.
Bei Babys und Kleinkindern raten Fachstellen sogar zu mehrmaligem Waschen, weil ihre Haut dünner ist. Ebenfalls auf die Liste gehören dunkel gefärbte Teile, allen voran schwarze Unterwäsche und Strumpfhosen. Und alles, was streng nach Chemie riecht – der Geruch ist einer der wenigen brauchbaren Hinweise, die man im Laden hat.
Der zweite Hinweis steht auf dem Pflegeetikett: „Separat waschen“ oder „kann abfärben“ deutet auf leicht lösliche Farbstoffe hin. Die gehen genauso leicht auf die Haut über.
Jacken, Mäntel und Funktionskleidung mit Membran oder Imprägnierung können durch eine unbedachte Wäsche kaputtgehen – und liegen ohnehin nicht direkt auf der Haut. Hier reicht gründliches Auslüften, am besten draußen.
Das wirkt allerdings nur bei Stoffen, die sich von selbst verflüchtigen – vor allem bei denen, die den typischen Chemiegeruch neuer Kleidung verursachen. Farbstoffe und chemische Behandlungen, die sich erst durch Schweiß und Körperwärme aus der Faser lösen, bleiben im Gewebe.
Bei Kleidung, die direkt bei Händlern außerhalb der EU bestellt wird, hat niemand geprüft, ob europäische Grenzwerte eingehalten wurden. Das Risiko freigesetzter Chemikalien ist dort laut Bundesgesundheitsministerium höher als beim Kauf im Laden.
Bei Billigmode aus Fernost-Portalen lohnt die erste Wäsche also besonders.
Neue Kleidung waschen – die Regeln auf einen Blick
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