Günstige Mieten, viel Wohnraum und Komfort machten Plattenbauten einst attraktiv. Heute gelten einige dieser Siedlungen als soziale Brennpunkte.
Zehn Stockwerke ragt der weiß-graue Wohnblock in den Himmel. Und daneben reihen sich weitere Blöcke, in denen hunderte von Mietern wohnen. Was in der DDR als beliebter Wohntraum galt, kämpft heute vielerorts mit dem Image des Problemviertels: der Plattenbau. Doch zwischen Betonfassaden und Großsiedlungen ist die Realität vielfältiger als ihr Ruf.
Kritik am Plattenbau: „Mir gefällt es hier nicht mehr“Michael trägt seine Einkäufe durch das Treppenhaus in den zehnten Stock. Für den 59-Jährigen ist das kein Problem: Seine 80-Quadratmeter-Wohnung kostet 700 Euro, die Verkehrsanbindung sei super und er sehe keinen Grund zur Beschwerde. Nur ein paar Häuser weiter sieht Deniz Evrenüz die Sache ähnlich. Seine Zweizimmerwohnung hat einen Balkon, die Miete wird vom Amt übernommen. Doch nicht alle Bewohner empfinden die Plattenbausiedlung als günstige Alternative zum teuren Stadtleben.

Balkon an Balkon über zehn Etagen: In der DDR waren die Wohnungen beliebt und günstig.Jürgen Ritter/IMAGO
Henry Königstädt ist in der Siedlung im Norden von Berlin-Marzahn aufgewachsen. Seine Bilanz fällt deutlich schlechter aus als die von Michael. Viele Migranten, häufige Schlägereien am Abend, Müll auf den Straßen. Wegen einer Bar gegenüber seien oft Betrunkene unterwegs. „Ich will auf ein ruhiges Dorf“, folgert der 42-Jährige.
Auch Ezat Muhammadi würde gerne woanders wohnen. Der 27-jährige Afghane suchte ein Jahr lang eine andere Wohnung und fand nichts. Seit seinem Einzug in Marzahn sei er mehrfach rassistisch beleidigt worden. In sechs Monaten habe es fünf solcher Vorfälle gegeben. „Ich will einfach normal wie andere Menschen arbeiten und leben. Ich will einfach meine Ruhe haben“, sagt er. Zumindest die Nachbarn sind aber alle nett, findet er.
Die Kritik von Königstädt und Muhammadi steht für einen Wandel, den Stadtforscher seit Jahren beobachten. Die Plattenbausiedlungen waren in der DDR keineswegs automatisch Armenviertel. Im Gegenteil: Professoren und Müllfahrer konnten nebeneinander wohnen und die Vielfalt wurde gefeiert statt bemängelt.
1926 entstand in Friedrichsfelde die erste Plattenbausiedlung Deutschlands. Ab den 1970er-Jahren boomte die Bauweise vor allem in der DDR. Die Wohnungen waren günstig, schnell gebaut und boten damals modernen Komfort wie Warmwasser, Zentralheizung und Bad.

Soziologen warnen vor Klischees. Hinter jeder dieser Balkontüren wird anders gewohnt.Joko/IMAGO
Nach der Wende veränderte sich die Zusammensetzung der Bewohner. Arbeitslosigkeit und der Wegzug vieler junger, gut ausgebildeter Familien hinterließen Lücken. Gleichzeitig entstanden neue Wohnungen und Altbauten wurden saniert. Ende der 1990er Jahre standen in Ostdeutschland deshalb geschätzt mehr als eine Million Wohnungen leer. In der Folge wurden etliche Plattenbauten abgerissen. Andere Wohnungen gingen günstig an Finanzinvestoren. Dort zogen zunehmend Menschen mit geringem Einkommen ein.
Stadtforscher Bernt warnt vor einfachen Urteilen. Die Probleme der Großsiedlungen seien real, doch die Viertel unterschieden sich stark voneinander. Der Plattenbau ist weder reines Idyll noch automatisch Problemviertel. Damit Plattenbausiedlungen wieder beliebter werden, braucht es mehr als eine neue Fassade. Entscheidend sind Investitionen in Grünflächen, Schulen, Kitas und öffentliche Orte.
Was ist Ihre Idee, damit sich Anwohner im Plattenbau wieder wohler fühlen? Oder wohnen Sie selbst in einem? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Erst der Preisschock, jetzt der Platzmangel: Deutschlands Wohnungen schrumpfen | 0 | 8.1 | 07-01-2026 |
| 2 | Marzahn: Auferstanden aus Ruinen, in Kaulsdorf entstehen am Cecilienplatz neue Wohnungen | 0 | 7.74 | 20-08-2026 |
| 3 | Mieten: Wie Berliner vor der Abgeordnetenhauswahl an der Wohnungssuche scheitern | 0 | 6.25 | 06-08-2026 |
| 4 | Briefwahl in Berlin: Alles über Antrag, Ablauf und Fristen | 0 | 8.46 | 19-08-2026 |
| 5 | Randbebauung Tempelhofer Feld: Bitte kein Revival des Berliner Hinterhofs | 0 | 10.93 | 12-07-2026 |
| 6 | Späth'sche Baumschulen in Berlin gerettet: Senat nimmt Wohnungspläne zurück | 0 | 11.04 | 18-08-2026 |
| 7 | Bezahlbares Wohnen wird unmöglich – was Rentner damit zu tun haben | 0 | 10 | 12-12-2025 |
| 8 | Drogenpolitik | Berlin: Crack als Symptom der Not | 0 | 12.14 | 10-08-2026 |
| 9 | Opinion: Why Block by Block matters for New York's future homeowners | 5 | 7 | 06-07-2026 |
| 10 | Fehlende Wohnungen - Warum sich bei der Wohnungsnot so wenig tut | 0 | 8.79 | 07-05-2026 |