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Misstöne zwischen Deutschland und Israel: Ein Diplomat soll die Beziehung kitten

Дата публикации: 21-08-2026 07:00:00

Erst erzürnte Botschafter Seibert Israels Regierung, nun gibt es Ärger um Minister Ben-Gvir. Der neue Vertreter Deutschlands hat große Aufgaben.

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Es knirscht im deutsch-israelischen Verhältnis. Gut möglich, dass die Bundesregierung in zehn Tagen beim EU-Außenministertreffen ihre bisherige Zurückhaltung aufgibt, damit die EU Sanktionen gegen den umstrittenen israelischen Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir beschließen kann. Ben-Gvirs Forderung, im Gazastreifen jede Nacht „30 bis 40“ Palästinenser zu töten, hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) noch aus dem Sommerurlaub als „menschenverachtend“ verurteilt – und auch vor weiteren Annexionsvorhaben im Westjordanland gewarnt. Das sind ungewöhnlich kritische Töne aus Berlin.

Dabei hatte die israelische Regierung bis eben noch gehofft, dass sich die Beziehungen durch eine wichtige Personalie verbessern würden. Der bisherige deutsche Botschafter Steffen Seibert ist nach Deutschland zurückgekehrt, ihm folgt in Tel Aviv Alexander Graf Lambsdorff, bislang Botschafter in Moskau. Seibert, zuvor langjähriger Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel und wiederum davor Fernsehjournalist, war im offiziellen Israel zuletzt zum Feindbild geworden.

Seine Kritik am Vorgehen Israels in den besetzten Gebieten nahm man ihm übel. Bei den Massenprotesten für die Rückführung der – auch deutschen – Geiseln aus Hamas-Gewalt stand er auf der Bühne und erntete tosenden Applaus. Auf derselben Bühne wurde immer wieder auch der Rücktritt von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gefordert – weshalb seine Kreise die Proteste pauschal als regierungsfeindlich einstuften.

Botschafter Steffen Seibert

Steffen Seibert, bisheriger Botschafter in Israel und ehemaliger Regierungssprecher.© picture alliance/dpa | Christophe Gateau

Seibert pflegte eine Nähe zu zivilgesellschaftlichen, oft regierungskritischen Organisationen. Die israelische Menschenrechts-Szene bedauert seinen Abgang deshalb zutiefst. Und auch sonst hatte sich Seibert eigentlich viele Sympathien erarbeitet. Der Diplomat durchwanderte das ganze Land in Etappen. Videos dieser Touren teilte er auf seinen Social-Media-Kanälen. Stand ein religiöser Feiertag bevor, wünschte er per Videobotschaft frohes Fest – ob zum jüdischen Neujahr oder zum muslimischen Fastenbrechen. Nach vier Jahren in Israel spricht Seibert fließend Hebräisch. Unter rechtskonservativen Israelis, aber auch unter konservativen Juden in Deutschland, hat sich der spätberufene Diplomat mit seinem offenen Ohr für Menschenrechtsfragen jedoch viele Feinde gemacht.

Israels Außenminister attackierte Seibert: „Gut, dass ein neuer Botschafter kommt“

Empörte Reaktionen erhielt Seibert etwa im vergangenen März, mitten im Krieg Israels gegen den Iran und die Hisbollah im Libanon. Als er den gewaltsamen Tod zweier Israelis bedauerte und zugleich Siedlerattacken im Westjordanland anprangerte, handelte er sich einen bissigen Tweet des israelischen Außenministers ein.

„Botschafter Seibert fällt es schwer, Angriffe gegen Israelis zu verurteilen, ohne die Palästinenser ins Spiel zu bringen“, schrieb Gideon Saar, der ihm eine „Fixierung auf die in Judäa und Samaria lebenden Juden“ vorwarf. Mit dem Begriff „Judäa und Samaria“ bezeichnen konservative Israelis das besetzte Westjordanland. „Gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter kommt – einer, der die israelisch-deutschen Beziehungen stärken wird“, hatte Saar erklärt.

Alexander Graf Lambsdorff

Alexander Graf Lambsdorff, der neue deutsche Botschafter in Israel.© picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Dieser neue Botschafter ist seit kurzer Zeit im Amt. Anders als Seibert, der Quereinsteiger im Diplomatenberuf war, begann Lambsdorff seine diplomatische Karriere schon vor drei Jahrzehnten – mit einem langen Abstecher in die Politik im Bundestag und im Europäischen Parlament. Zuletzt konnte er während seiner drei Jahre als Botschafter in Moskau viel Erfahrung mit diplomatischem Gegenwind sammeln: Deutschland gilt dem offiziellen Russland als „unfreundlicher Staat“.

Seibert konnte sich als Quereinsteiger, der zugleich seinen baldigen Ruhestand vor Augen hatte, vielleicht rhetorisch mehr herausnehmen. Deutschen Journalisten gegenüber war er jedoch stets zurückhaltend und gab äußerst selten Interviews. Das änderte sich nach seinem Abgang aus Tel Aviv. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ fand er deutliche Worte zur Siedlergewalt im Westjordanland: „Das ist Vertreibung mit Mitteln der psychologischen und der realen Gewalt“, sagte Seibert – und geriet in israelischen Medien einmal mehr in die Schlagzeilen.

Von Lambsdorff ist das eher nicht zu erwarten. Bei Teilen der jüdischen Gemeinde in Deutschland kommt das gut an. „Endlich hat Deutschland in Israel wieder einen Botschafter, für den man sich nicht schämen muss“, meinte einer auf X – und brachte damit auf den Punkt, was auch viele andere User ausdrückten.

Auf Lambsdorff warten in Israel jedoch einige Herausforderungen. Das Land steht Ende Oktober vor einer Wahl, die als Schicksalswahl verstanden wird: Es geht dabei um die Frage, ob die lange Ära von Benjamin Netanjahu beendet wird oder nicht. Derzeit sieht alles danach aus, dass Netanjahu die Wahl verliert. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass die Opposition eine Regierung bilden kann. Es ist nicht auszuschließen, dass Israel nach der Wahl auf eine weitere Wahl zusteuert. Netanjahus rechtsreligiöse Koalition würde dann weiterhin die Geschäfte führen.

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