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Schmelztiegel auf dem Herd: Die besten Rezepte aus der marokkanischen Küche

Дата публикации: 20-08-2026 14:57:48

Die Kulinarik des nordafrikanischen Landes ist grenzenlos und geprägt durch Gelassenheit: Von den Mauren bis Franzosen haben alle mitgekocht – in der Küche Marokkos.

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Marokko gehört für mich zu den Küchen, die erstaunlich viele Menschen lieben, die sie aber eigentlich gar nicht wirklich kennen.

Fragt man in Deutschland nach marokkanischem Essen, fallen meist Wörter wie Tajine, Couscous und vielleicht noch Minztee. Danach wird es schnell still. Und das ist eigentlich schade, denn nicht viele Küchen erzählen ihre Geschichte so eindrucksvoll durch ihre Gewürze, ihre Zutaten und ihre Kochtechniken.

Marokko: Wo die Kulinarik keine Grenzen kennt

Marokko war über Jahrhunderte ein Schmelztiegel der Kulturen. Berber, Araber, Andalusier, Juden, Osmanen und später Franzosen – alle haben sie ihre Spuren hinterlassen. Als die Mauren nach dem Ende von Al-Andalus aus Spanien vertrieben wurden, brachten sie nicht nur Menschen und Wissen mit, sondern auch Obstgärten, Bewässerungstechniken, Mandelgebäck, Zitrusfrüchte und eine bis heute spürbare Esskultur.

Die Franzosen wiederum hinterließen ihre Liebe zur Patisserie. Wer morgens durch Marrakesch oder Fès läuft, findet deshalb neben traditionellem Fladenbrot oft erstaunlich gute Baguettes und Croissants. Kulinarik kennt keine Grenzen.

Vorsicht! Wenn der Dampf aus dem Kessel gelassen wird, ist die Tajine noch richtig heiß.

Vorsicht! Wenn der Dampf aus dem Kessel gelassen wird, ist die Tajine noch richtig heiß.

© unsplash

Mich fasziniert an Marokko aber etwas anderes. Während in Europa heute gern über Slow Food gesprochen wird, wird dort vielerorts einfach noch so gelebt. Nicht aus Überzeugung, sondern weil man es seit Jahrhunderten einfach so macht. In den alten Medinas sieht man bis heute Menschen mit schweren Keramikgefäßen durch die Gassen laufen. Darin befindet sich eine Tagina, nicht zu verwechseln mit der Tajine, die wir als Schmorgefäß kennen.

Die Tagina bezeichnet vielmehr einen fertig vorbereiteten Eintopf, der morgens zu einem sogenannten Four gebracht wird. Four ist schlicht das französische Wort für Ofen. Dahinter verbirgt sich meist ein gemeinschaftlich genutzter Holzofen, häufig in der Nähe eines Hamams. Während der Ofen den ganzen Tag das Badehaus beheizt, nutzt man die heiße Asche gleich mit.

Die gefüllten Tongefäße verschwinden zwischen Glut und Asche und schmoren dort stundenlang nahezu unbeaufsichtigt. Abends, wenn die Menschen von der Arbeit zurückkehren, holen sie ihr Essen wieder ab. So haben sie abends keine Küchenarbeit mehr und der Einheizer verdient sich etwas dazu.

Unser Kolumnist

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Felix Hanika war zunächst Investmentbanker, dann absolvierte er im Hotel & Restaurant Bareiss im Schwarzwald eine Kochlehre. Acht Jahre lang kochte er in den besten Restaurants der Welt. In der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung veröffentlicht er regelmäßig seine Lieblingsrezepte.

Genau diese Gelassenheit prägt die marokkanische Küche. Zeit ist dort oft eine Zutat. Fleisch wird nicht gehetzt, sondern weichgeschmort. Zwiebeln dürfen karamellisieren, Gewürze langsam ihre ätherischen Öle entfalten. Das Ergebnis schmeckt selten laut, sondern erstaunlich ausgewogen. Überhaupt werden marokkanische Gewürze häufig missverstanden.

Viele verbinden sie ausschließlich mit Schärfe. Tatsächlich aber lebt die Küche von Duft und Wärme. Kreuzkümmel, Koriandersamen, Ingwer, Zimt, Safran, Kurkuma, Paprika, Anis oder Fenchel ergänzen sich, ohne einander zu übertönen. Ras el-Hanout, die berühmteste Gewürzmischung des Landes, besteht je nach Gewürzhändler aus zwanzig oder sogar mehr Zutaten. Jeder mischt sie etwas anders. Ein offizielles Rezept gibt es nicht.

Tajine bedeutet auf Arabisch „niedriger Tontopf“ und ist gleichzeitig der Name eines traditionellen Gerichts.

Tajine bedeutet auf Arabisch „niedriger Tontopf“ und ist gleichzeitig der Name eines traditionellen Gerichts.

© unsplash

Ebenso typisch sind eingelegte Salzzitronen, Oliven, Mandeln, Kichererbsen, Trockenfrüchte und die berühmte fermentierte Butter Smen. Sie reift teilweise monatelang und entwickelt dabei ein intensives Aroma, das zunächst überrascht, später aber süchtig machen kann. Ein Produkt, das man bei uns kaum bekommt und das wir nur schwer verstehen.

In Marokko schließen sich auch süß und herzhaft nicht aus. Lamm mit Aprikosen, Huhn mit Zitrone und Oliven oder Rind mit Pflaumen wirken auf deutsche Gaumen zunächst ungewöhnlich, ergeben am Tisch aber eine erstaunliche Harmonie.

Selbst Jamie Oliver bekommt es gebacken

In Marokko wird Essen auch nicht in Portionen gedacht. Große Platten wandern in die Mitte des Tisches. Brot ersetzt häufig das Besteck. Man nimmt sich Zeit, spricht miteinander, gießt Minztee nach und diskutiert über alles Mögliche. Die Gastfreundschaft ist fester Bestandteil der Esskultur. Wer das Glück hatte und einmal spontan in einer marokkanischen Familie zum Mittagessen eingeladen wurde, weiß, dass „nur eine Kleinigkeit“ dort meist einen Tisch bedeutet, an dem problemlos zwölf Menschen satt werden könnten.

Natürlich schmecken viele dieser Gerichte am authentischsten aus einer traditionellen Tajine über offenem Feuer. Der konische Deckel sorgt dafür, dass der Wasserdampf zirkuliert und nahezu nichts von den Aromen verloren geht. Die gute Nachricht lautet: Man muss weder ein Holzfeuer machen noch einen Hamam beheizen. Ein schwerer Schmortopf oder ein Bräter aus Gusseisen leisten im heimischen Backofen hervorragende Dienste. Selbst Jamie Oliver hat vor einigen Jahren gezeigt, wie unkompliziert sich viele marokkanische Schmorgerichte zu Hause nachkochen lassen.

Und das ist schon fast etwas paradox, denn die marokkanische Küche müsste eigentlich sehr viel verbreiteter sein. Sie ist exotisch, bleibt aber zugänglich. Ihre Zutaten findet man inzwischen fast überall, die Techniken sind unkompliziert und das Ergebnis weckt irgendwie Assoziationen an Tausendundeine Nacht.

Hier also einige meiner liebsten marokkanisch inspirierten Rezepte. Sie ersetzen keine Reise nach Marrakesch oder Fès, für einen Abend holen sie die Städte aber erstaunlich nah an den eigenen Esstisch.

Tajine mit Huhn, Salzzitrone und Oliven

Zutaten (4 Personen): 4 Hühnerschenkel, 2 Zwiebeln, in feine Streifen geschnitten, 2 Knoblauchzehen, fein gerieben, 1 Salzzitrone, nur die Schale in feine Streifen geschnitten, 150 g grüne Oliven, 1 TL gemahlener Ingwer, 1 TL Kurkuma, 1 TL Kreuzkümmel, 1/2 TL schwarzer Pfeffer, 1 kleine Prise Safranfäden, 3 EL Olivenöl, 50 g Butter, 250 ml Hühnerfond, 1 Bund glatte Petersilie, 1/2 Bund Koriander, Salz

Sesam, öffne Dich! Wer direkt aus der Tajine serviert, bei dem isst auch das Auge mit.

Sesam, öffne Dich! Wer direkt aus der Tajine serviert, bei dem isst auch das Auge mit.

© imago

Zubereitung: Das Hähnchen mit Ingwer, Kurkuma, Kreuzkümmel, Pfeffer und etwas Olivenöl gründlich einreiben und idealerweise eine Stunde stehen lassen. In einer Tajine oder einem schweren Schmortopf die Zwiebeln mit Butter und dem restlichen Olivenöl langsam glasig werden lassen, Knoblauch und Safran zufügen und anschließend das Hähnchen daraufsetzen.

Den Fond angießen, den Deckel schließen und alles bei kleiner Hitze oder alternativ im Backofen bei 160 Grad etwa 90 Minuten sanft schmoren lassen. Erst etwa 20 Minuten vor Ende der Garzeit Salzzitronenschale und Oliven zufügen. Die Soße sollte zum Schluss leicht sämig sein und das Fleisch nahezu vom Knochen fallen. Vor dem Servieren reichlich gehackte Petersilie und Koriander darüberstreuen. Am besten mit einem knusprigen Fladenbrot servieren. Wer eine echte Tajine verwendet, sollte den Deckel während des Schmorens möglichst selten anheben, denn der zirkulierende Dampf sorgt für das besonders zarte Ergebnis.

Geschmortes Lamm mit Aprikosen und Mandeln

Zutaten (4 Personen): 1 kg Lammschulter, in grobe Würfel geschnitten,
2 Zwiebeln, fein gewürfelt, 2 Knoblauchzehen, fein gerieben, 200 g getrocknete Aprikosen, 50 g blanchierte Mandeln, 1 TL gemahlener Ingwer, 1 TL Zimt, 1 TL Kurkuma, 1 TL Kreuzkümmel, 1/2 TL schwarzer Pfeffer, 1 kleine Prise Safranfäden, 2 EL Honig, 2 EL Olivenöl, 30 g Butter, 400 ml Hühnerfond, 1 Bund glatte Petersilie, 1/2 Bund Koriander, Salz

Zubereitung: Das Lamm mit Ingwer, Zimt, Kurkuma, Kreuzkümmel, Pfeffer und etwas Salz würzen. In einem Schmortopf die Zwiebeln in Olivenöl und Butter langsam weichschmoren, Knoblauch und Safran zugeben und anschließend das Fleisch kurz mit anschwitzen. Den Fond angießen, den Deckel schließen und alles bei niedriger Hitze oder im Backofen bei 160 Grad etwa zwei bis zweieinhalb Stunden schmoren lassen.

Rund 30 Minuten vor Ende der Garzeit Aprikosen und Honig zufügen, sodass sie weich werden, aber ihre Form behalten. Das langsame Schmoren ist hier wichtiger als hohe Hitze, denn je mehr Zeit das Lamm bekommt, desto aromatischer und zarter wird es. Die Mandeln in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten und erst kurz vor dem Servieren zusammen mit Petersilie und Koriander über die Teller streuen. Als Beilage gibt es klassischen Couscous.

Couscous

Zutaten (4 Personen): 300 g Couscous, 300 ml Gemüsebrühe, 50 g Butter, 2 EL Olivenöl, 1 EL glatte Petersilie, fein gehackt, 1 EL Koriander, fein gehackt, Abrieb von einer Zitrone und ca. 1 TL von dem Saft, 1 Messerspitze Zimt, Salz

Eine Spezialität aus dem Norden Afrikas und optimal für Hauptgericht, Beilage oder sogar als Dessert: Couscous (Symbolbild)

Eine Spezialität aus dem Norden Afrikas und optimal für Hauptgericht, Beilage oder sogar als Dessert: Couscous (Symbolbild)

© unsplash

Zubereitung: Die Gemüsebrühe aufkochen und über den Couscous gießen. Butter, Olivenöl, Zitronenabrieb und -saft sowie Zimt zufügen, dann abdecken und etwa fünf Minuten quellen lassen. Anschließend den Couscous mit einer Gabel sorgfältig auflockern, bis die Körner voneinander getrennt sind.

Zum Schluss Petersilie und Koriander unterheben. Wer besonders lockeren Couscous möchte, lässt ihn nach dem Auflockern noch zwei bis drei Minuten offen ausdampfen, bevor er serviert wird.

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