Real Madrid zeigt Schalke in der Generalprobe zwar klar die Grenzen auf, das 0:3 aus Sicht der Königsblauen hat aber auch einige hilfreiche Erkenntnisse geliefert. Beispielsweise, dass Timo Becker einen Superstar wie Vinicius Junior aus dem Spiel nehmen kann. Was das über die Saison des S04 aussagt.
Eine symbolische Szene: Schalkes Timo Becker (r.) geht gegen Reals Vinicius Junior in den Zweikampf.
Foto: AFP/INA FASSBENDERAnalyse | Gelsenkirchen · Real Madrid zeigt Schalke in der Generalprobe zwar klar die Grenzen auf, das 0:3 aus Sicht der Königsblauen hat aber auch einige hilfreiche Erkenntnisse geliefert. Beispielsweise, dass Timo Becker einen Superstar wie Vinicius Junior aus dem Spiel nehmen kann. Was das über die Saison des S04 aussagt.
Als Vinicius Junior in der 84. Spielminute mal wieder enteilt schien, zündete Timo Becker ein letztes Mal für diesen Abend den Turbo. Der Schalker Innenverteidiger bretterte dem Superstar von Real Madrid hinterher, stellte die Schulter rein und brachte den Brasilianer noch rechtzeitig vor dem Abschluss aus dem Tritt.
Jeden der 62.000 in der ausverkauften Arena auf Schalke riss es in diesem Moment von den Sitzen. Die Schalker-Fans, weil sie das gesamte Testspiel gegen Real Madrid jede noch so kleine Aktion ihrer Spieler frenetisch bejubelt hatten. Die Bank der Gäste aus Spanien, weil sie beim Stand von 3:0 gerne noch einen Strafstoß zugesprochen bekommen hätten. Der Pfiff von Schiedsrichter Sören Storks wäre nach dem Einsteigen von Becker wohl auch vertretbar gewesen – wie auch S04-Coach Miron Muslic nach der Partie zugab. So blieb es aber aus Schalker Sicht beim 0:3 gegen die Königlichen.
S04-Coach Muslic: „Müssen die Bereitschaft zeigen zu leiden“
Der Bundesliga-Aufsteiger hatte sich für seine Generalprobe vor dem Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal gegen Halle bewusst einen Gegner aus dem höchsten Regal eingeladen. Die Partie gegen Real Madrid, das mit allen Superstars um Kylian Mbappé und Jude Bellingham nach Gelsenkirchen gereist war, sollte gleichzeitig der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Arena auf Schalke werden.
Und trotz Heimpleite ohne eigenen Treffer zeigte sich Muslic zufrieden mit der Leistung seines Teams. „Real ist das höchste Level im Klubfußball. Ich habe den Jungs gesagt, wir müssen die Bereitschaft zeigen zu leiden – und das haben sie ausgezeichnet gemacht“, erklärte der Aufstiegscoach nach der Partie. Es sei klar gewesen, dass seinem Team gegen solch einen Gegner die Grenzen aufgezeigt werden. „Aber das ist wichtig und gehört zu unserer Entwicklung.“
Obwohl der Trainer und auch seine beiden Führungsspieler Becker und Loris Karius im Anschluss an das 0:3 erklärten, dass bis zum Bundesliga-Start am 30. August gegen Augsburg noch einiges an Arbeit auf die Schalker zukommen würde, hat der Test gegen die Königlichen bereits deutlich gezeigt, mit welchem Fußball sich der Aufsteiger in der Liga behaupten will: hohes Pressing, schnelles Umschalten, aggressives Zweikampfverhalten.
Timo Becker spricht über sein Duell mit Vinicius Junior
Insbesondere Letzteres legte Becker, der in Abwesenheit des angeschlagenen Kapitäns Kenan Karaman die Binde trug, gegen Real über 90 Minuten an den Tag. In jeden Zweikampf mit Vinicius Junior warf sich der 29-Jährige mit all seiner Energie, sodass der Brasilianer kaum einen Stich sah. „Ich bin ihm die ganze Zeit bis zum Ende hinterhergerannt, weil das unser Motto ist. So habe ich ihn des Öfteren mal gepackt“, beschrieb Becker das Privatduell mit dem Real-Star. „Mir hat es Spaß gemacht. Ich weiß nicht, wie es für ihn war, ist mir aber auch egal.“
Den Jubel der Fans und die Sprechchöre seines Namens nahm Becker, selber bekennender Schalke-Fan, erfreut zur Kenntnis: „Das Stadion hat es dann auch gut gemacht als sie meinen Namen gerufen haben. Das pusht einen. Für einen Verteidiger gibt es nichts Schöneres als das nach einer Grätsche oder einem Zweikampf zu erleben.“ Auf der anderen Seite quittierten die Zuschauer jede Ballberührung von Vinicius Junior mit Pfiffen – ebenso war es bei Ex-BVB-Spieler Jude Bellingham und Spaniens Marc Cucurella. Eine durchaus ungewöhnliche Atmosphäre für ein Testspiel, die aber auch zeigt, wie bereit das Publikum auf Schalke für die Bundesliga-Rückkehr ist.
Becker zumindest verkörpert mit seiner Art genau das, was Schalke benötigt, um in der kommenden Saison bestehen zu können. Mit Ausnahme der beiden Mitaufsteiger Paderborn und Elversberg spielen alle anderen Ligakonkurrenten wirtschaftlich in anderen Sphären. Die Schalker werden über ihr physisches Spiel kommen müssen, um das Ziel Klassenerhalt erreichen zu können. „Aggressiv. Intensiv. Mutig.“ Diese drei Worte hat Muslic an die Wand des Kabinentraktes auf Schalke schreiben lassen. Kaum jemand im Kader der Königsblauen steht so sehr für diese Attribute wie Timo Becker. Das musste auch Vinicius Junior am Sonntag erleben. Nicht nur in der 84. Spielminute.