Trotz Rekordschulden will die Regierung erneut die Spritsteuer senken. Ökonomen sehen das kritisch. Vier Gründe, warum der Tankrabatt seine Wirkung verfehlt und welche Hilfe für die Bürger stattdessen sinnvoller wäre.
Die Energiesteuer bei Diesel und Benzin soll um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter für zwei Monate gesenkt werden (Archivbild vom 8. April 2026).
Foto: Andreas Arnold/dpa/Andreas ArnoldKolumne · Trotz Rekordschulden will die Regierung erneut die Spritsteuer senken. Ökonomen sehen das kritisch. Vier Gründe, warum der Tankrabatt seine Wirkung verfehlt und welche Hilfe für die Bürger stattdessen sinnvoller wäre.
Ende März hat Finanzminister Lars Klingbeil in einer Grundsatzrede darauf hingewiesen, dass sich nicht jedes Problem mit Geld lösen lasse. Nun hat es sich die Bundesregierung – wieder einmal – anders überlegt. Obwohl trotz Rekordschulden an allen Ecken und Enden Geld zu fehlen scheint, soll erneut ein Tankrabatt eingeführt werden. Die Energiesteuer auf Diesel und Benzin soll für zwei Monate um 17 Cent brutto je Liter gesenkt werden. Die Kosten dieser Steuersenkung werden auf rund 1,6 Milliarden Euro geschätzt – Geld, das an anderer Stelle fehlen wird.
Viele Ökonomen haben auf die Probleme eines solchen Tankrabatts hingewiesen.Kostenpflichtiger Inhalt Erstens ist ein Tankrabatt nicht treffsicher. Auch der berühmte Porsche-Fahrer profitiert davon und nicht nur die, die wirklich Hilfe brauchen. Zweitens ist Öl tatsächlich knapper geworden. Rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls passierte bisher die Straße von Hormus. Die letzten Tanker, die noch vor Kriegsbeginn die Straße durchfahren haben, erreichen aktuell die Raffinerien. Wir müssen nun den Öl-Verbrauch weltweit um 20 Prozent reduzieren, denn diese Mengen können nicht aus anderen Quellen schnell ersetzt werden.
Um Anreize für diese Einsparungen zu setzen, wirkt ein Tankrabatt kontraproduktiv. Drittens ist fraglich, wie viel vom Tankrabatt überhaupt bei den Autofahrern ankommt. Beim Tankrabatt der Ampelkoalition wurden im Jahr 2022 zwar 70 bis 80 Prozent an die Autofahrer durchgereicht. Das heißt aber auch, dass 20 bis 30 Prozent von den Mineralölkonzernen einbehalten wurden. Und viertens sind auch andere Produkte von Preissteigerungen betroffen. Insbesondere Lebensmittelpreise dürften weiter steigen. Diese Preissteigerung wird nicht nur Autofahrer treffen, sondern alle.
Wenn die Bundesregierung also unbedingt Geld an die Bürgerinnen und Bürger zurückverteilen will, wäre eine pauschale Zahlung an die wirtschaftlich besonders schwachen Haushalte deutlich besser.
Unser Autor ist Professor für Wettbewerbsökonomie an der Universität Düsseldorf. Er wechselt sich hier mit der Ökonomin Ulrike Neyer, dem Energieökonomen Manuel Frondel und dem Makroökonomen Tom Krebs ab.
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