Die USA haben Anthropic per Anordnung verpflichtet, ausländischen Nutzern den Zugang zu seinen leistungsfähigsten KI-Modellen zu sperren. Europa hat kaum eigene Alternativen – und das befördert Abhängigkeit, sagt unser Experte.
Kolumne | Düsseldorf · Die USA haben Anthropic per Anordnung verpflichtet, ausländischen Nutzern den Zugang zu seinen leistungsfähigsten KI-Modellen zu sperren. Europa hat kaum eigene Alternativen – und das befördert Abhängigkeit, sagt unser Experte.
Wie abhängig Europa von KI-Modellen aus den USA ist, wurde letzten Freitag überdeutlich. Die US-Regierung untersagte es dem KI-Unternehmen Anthropic, ausländischen Staatsangehörigen weiter Zugang zu seinen neuesten Modellen gewähren. Der Zugang zu den besonders leistungsfähigen Claude-Modellen Fable 5 und Mythos 5 ist seitdem US-Bürgern vorbehalten. Um 17.21 Uhr Ortszeit ging in der Unternehmenszentrale in San Francisco die Anordnung ein, wegen nicht näher bezifferter nationaler Sicherheitsbedenken innerhalb von 90 Minuten für „jeden ausländischen Staatsangehörigen“, ob innerhalb oder außerhalb der USA, den Zugriff auf beide Modelle zu unterbinden.
Für die meisten europäischen Nutzerinnen und Nutzer mag die Abschaltung der beiden KI-Modelle durch diese „Exportkontroll-Anordnung“ zunächst weniger tragisch sein, auch weil mit OpenAI/ChatGPT eine leistungsfähige Alternative zu Claude existiert. Doch auch OpenAI ist ein amerikanisches Unternehmen, dem prinzipiell dasselbe drohen kann.
Europa braucht eine eigene KI-Strategie
Das offenbart, wie abhängig wir bei KI von der US-Politik sind. Doch nicht nur bei den sogenannten Grundlagenmodellen hat Europa so gut wie nichts Eigenes vorzuweisen. Auch bei Investitionen in KI-Infrastruktur haben wir den Anschluss verloren. Drei Viertel der weltweiten Hochleistungs-Rechenkapazität für moderne KI befinden sich in den USA. Weitere 15 Prozent in China, in der gesamten EU hingegen weniger als fünf Prozent. Hier müssen wir dringend aufholen.
Es gilt daher, keine Zeit zu verlieren, eine überzeugende KI-Strategie für die EU zu entwickeln. Für den Ausbau der Infrastruktur in Europa benötigen wir wettbewerbsfähige Energiepreise und zügige Genehmigungsverfahren. Zudem müssen konkurrierende KI-Modelle in Europa entwickelt werden. Dabei kann die öffentliche Beschaffung eine wichtige Rolle spielen. Und die Überregulierung wie etwa durch das EU-Gesetz zur künstlichen Intelligenz ist dringend einzudampfen.
Unser Autor ist Professor für Wettbewerbsökonomie an der Universität Düsseldorf. Er wechselt sich hier mit der Ökonomin Ulrike Neyer, dem Energieökonomen Manuel Frondel und dem Makroökonomen Tom Krebs ab.
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