Bis Ende Juli starben in Deutschland 10.000 Menschen mehr als üblich – hitzebedingt. Im Hitzeschutzplan des Bundes fehlt das Wort Klimaanlage.
Klimaanlagen sind in Deutschland nicht so verbreitetet wie in Asien, Südeuropa oder den USA.
Foto: Daikin Airconditioning Germany GmbHKolumne | Düsseldorf · Bis Ende Juli starben in Deutschland 10.000 Menschen mehr als üblich – hitzebedingt. Im Hitzeschutzplan des Bundes fehlt das Wort Klimaanlage.
Puh! Dieser Sommer heizt uns richtig ein: Die Zahl der Hitzetage ist ungewöhnlich hoch, dabei kommt der August erst noch. Entsprechend hoch ist auch die Zahl der Hitzetoten: Laut dem Robert-Koch-Institut kam es bis Ende Juli zu 10.000 zusätzlichen Todesfällen, die das RKI als hitzebedingte Übersterblichkeit interpretiert. Das wären nach der Hälfte des Jahres 2026 bereits mehr Hitzetote als in jedem einzelnen der Jahre seit 2016.
Viele dieser vorzeitigen Todesfälle, die selten ausschließlich auf Hitze, aber oft auf Vorerkrankungen zurückzuführen sind, hätten vermieden werden können, wenn Klimaanlagen in Deutschland ebenso verbreitetet wären wie in Asien, Südeuropa oder den USA. So kommt eine 2025 in JAMA Network Open präsentierte Hochrechnung zur Zahl der Toten bei extremen Wetterbedingungen in den USA für die Jahre 2000 bis 2020 auf durchschnittlich jährlich 45.922 Kältetote und 3.414 Hitzetote. Die Zahl der Hitzetoten ist in den USA somit weit niedriger als sie das RKI aktuell für Deutschland ausweist, obwohl die USA etwa vier Mal so viele Einwohner haben. In den USA sank die Sterblichkeit an heißen Tagen zwischen der ersten und zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach einer im Journal of Political Economy 2016 veröffentlichten Studie um rund 80 Prozent, weil dort Klimaanlagen populär wurden.
Wenn Hitze ein gravierendes Problem wäre, müsste es uns wundern, dass die Lebenserwartung von Italienern und Spaniern fast drei Jahre höher liegt als die von Deutschen. Tödlich ist weniger die Hitze als unser unangemessener Umgang damit. Da besteht dringender Handlungsbedarf, denn im Zuge der globalen Erwärmung werden Hitzewellen wohl länger und häufiger auftreten. Doch im aktuellen „Hitzeschutzplan“ des Bundesgesundheitsministeriums von 2023 und den folgenden „Roadmaps“ dazu von 2024 und 2025 kommt das Wort „Klimaanlage“ nicht ein einziges Mal vor. Statt Klimaanlagen sollen Bäume und andere Schattenspender die Hitze lindern. Immerhin haben die Grünen mit ihrem „Sofortprogramm für Klimaanlagen“ inzwischen deren Bedeutung anerkannt.
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