Brustkrebs frühzeitig erkennen: Das soll die Mammografie leisten. Laut neuen Studiendaten erfüllt sie das. Dennoch bleiben Risiken.
Soll ich teilnehmen oder nicht? Diese Frage stellen sich Millionen von Frauen in Deutschland alle zwei Jahre aufs Neue, wenn wieder die Einladung zum Mammografie-Screening im Briefkasten liegt. Anspruch auf die Röntgenuntersuchung als Kassenleistung zur Brustkrebsfrüherkennung haben derzeit Frauen zwischen 50 und 75 Jahren.
Der jüngste, im Dezember 2025 erschienene Evaluationsbericht für das Programm bestätigt: Durch das Screening wird Brustkrebs überwiegend in frühen Stadien gefunden, in denen er besonders wirksam und schonend zu behandeln ist. Es birgt aber auch das Risiko von Überdiagnosen.
Neue Daten bestätigen die Vorteile...Insgesamt nahmen im betrachteten Zeitraum rund 3 Millionen Frauen an der Untersuchung teil. Dabei wurden knapp 19 500 Fälle von Brustkrebs entdeckt. Etwa 80 Prozent davon waren maximal zwei Zentimeter groß und hatten die Lymphknoten noch nicht befallen. Beides spricht für gute Behandlungsaussichten. Am höchsten ist der Nutzen laut Evaluationsbericht bei regelmäßiger Teilnahme am Programm. Vor dessen Start wurden etwa 50 Prozent der Tumore erst in späten, ungünstigen Stadien entdeckt.
...Aber es gibt auch NachteileTrotz solcher positiver Daten ist das Screening-Programm auch umstritten. Ein wichtiger Grund sind sogenannte Überdiagnosen. Denn teils entdeckt die Mammografie auch Brustkrebs, der langsam wächst, nicht streut und Betroffenen nie Probleme bereitet hätte. Weil sich das aber derzeit nicht sicher vorhersagen lässt, werden in aller Regel auch solche Tumore behandelt – womöglich unnötig.
Pro und Contra persönlich bilanzierenFrauen müssen die möglichen Nachteile des Brustkrebs-Screenings individuell gegenüber den Vorteilen abwägen. Denn: Die Teilnahme ist freiwillig, die Entscheidung darüber sehr persönlich. Wir geben einen Überblick, wie das Screening-Programm organisiert ist und welche Eckdaten zu Nutzen und Risiken wichtig sind, damit Frauen für sich zum Ergebnis kommen: hingehen oder nicht?
Die Sterberate durch Brustkrebs sinkt
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Laut Daten des Robert-Koch Instituts bekamen im Jahr 2023 rund 75 000 Frauen die Diagnose, rund 18 500 starben daran. Das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, konnte in den vergangenen 50 Jahren mehr als halbiert werden. Das belegen Daten aus den USA, die das Fachmagazin Jama veröffentlicht hat. Die Zahlen hierzulande gehen in die gleiche Richtung. Als Gründe für die positive Entwicklung nennen Fachleute die stetig verbesserten Therapien sowie Einführung und Ausbau der Früherkennung.
Ursprünglich hatten hierzulande Frauen zwischen 50 und 69 Jahren Anspruch auf die Früherkennung. Im Jahr 2024 wurde dieser erweitert und umfasst nun zusätzlich Frauen bis 75 Jahre. Auch jüngere Frauen zwischen 45 und 49 Jahren sollen künftig ins Mammografie-Screening einbezogen werden. Das empfehlen die EU-Kommission, das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
Das Strahlenrisiko sei relativ gering, die Studienlage zum Nutzen gut. Damit die Absenkung der Altersgrenze in Kraft tritt, sind eine Änderung der Brustkrebs-Früherkennungs-Verordnung sowie ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss erforderlich. Dieses Gremium entscheidet über die Leistungen der Krankenkassen.
Auf Warnhinweise achten, Kontrolltermine nutzenDas Mammografie-Screening verhindert Brustkrebs nicht, sondern hilft nur, ihn frühzeitig zu erkennen. Und: Es ist denkbar, dass ein Tumor schon vor Start des Programms oder zwischen zwei Mammografie-Terminen auftritt.
Wenden Sie sich daher direkt an Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt, wenn Sie Hinweise auf Brustkrebs bemerken. Dazu zählen tastbare Knoten, Dellen, Verhärtungen oder Verformungen der Brust, Hautveränderungen und Einziehungen oder Blutungen der Brustwarze. Auch wenn Sie zum Screening gehen, behalten Sie weiterhin Anspruch auf jährliche gynäkologische Kontrolluntersuchungen. Diese geben zusätzliche Sicherheit.
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