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Last Soul Ultra: Berliner läuft 536 Kilometer am Stück – ohne Schlaf, ohne Pause

Дата публикации: 17-08-2026 09:47:00

Laufen, bis der Körper nicht mehr kann: Immer mehr Menschen versuchen sich an Ultramarathons. Ein Berliner war nun drei Tage lang auf den Beinen – ununterbrochen.

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Können Sie sich noch erinnern, was Sie seit Freitagmittag um 14 Uhr unternommen haben – an jeden einzelnen Programmpunkt?

Vielleicht haben Sie in einer Bar das Wochenende eingeläutet, sich am Samstag bei über 35 Grad auf den Weg zum See oder ins klimatisierte Museum gemacht. Oder das Spiel der Hertha angeschaut. Den teils verregneten Sonntag haben Sie dann womöglich im Café, auf dem Flohmarkt oder auf der Couch verbracht. Bis es am Montagmorgen schließlich wieder hieß: Die Arbeit ruft.

90 Stunden und mehr sind seitdem vergangen. 90 Stunden, in denen Sie im besten Fall tun und lassen konnten, wonach Ihnen der Sinn stand. Fast unvorstellbar scheint es, dass sich einige Menschen bewusst dazu entschieden hatten, ihr gesamtes Wochenende auf den Beinen zu verbringen. Ohne Schlaf, ohne Unterbrechung.

Last Soul Ultra: Wer zuletzt läuft, läuft am besten

Seit Freitagmittag findet in der Nähe von Köln der sogenannte Last Soul Ultra statt, ein gnadenloser Ultramarathon-Wettbewerb, bei dem 169 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angetreten sind, um zu laufen, bis der eigene Kopf oder Körper es nicht mehr zulässt. Am Montagmittag waren nur noch drei Läufer im Rennen, unter ihnen auch Norman Mascher-Aspensjö. Der Berliner Extremsportler lief tagelang, ohne seinem Körper groß Zeit zur Regeneration zu geben.

Der Ablauf dieses Ultramarathons, also einer Gesamtlaufstrecke von mehr als den klassischen 42,195 Kilometern, ist denkbar simpel und gerade deshalb so brutal. In unter einer Stunde muss eine rund 6,7 Kilometer lange und immer gleichbleibende Strecke absolviert werden. Gelingt das nicht, scheidet man aus. Die verbleibenden Läufer haben anschließend genau die Zeit, die ihnen von der Stunde übrig bleibt, um zu essen, zu trinken, sich zu erholen – und wieder loszulaufen.

Wie lange das geht, entscheiden die Sportlerinnen und Sportler dabei selbst. Erst wenn nur noch einer übrig bleibt, ist das Rennen vorbei. Bedeutet: Wenn ein Läufer sich fit genug fühlt, um 700 Kilometer am Stück zu laufen, muss mindestens einer ihm dies gleichtun. Und im Moment sind der Amerikaner Mark Dowdle und Ayyoub El Osrouti aus Wuppertal nah dran: Fast 620 Kilometer sind die beiden Sportler bereits gelaufen, 92 Runden haben sie absolviert. Ein klassisches Preisgeld gibt es übrigens nicht. Es geht um den Titel.

Der Extremsportler aus Berlin musste sich nach rund 80 Stunden und rund 536 Kilometern geschlagen geben und belegt damit den dritten Platz. Mascher-Aspensjös persönliche Bestleistung hat er laut dem Moderator damit mehr als verdoppelt. In den sozialen Medien lässt sich zwar bislang kein persönliches Statement von ihm finden, dafür aber zwei Videos seiner schier unvorstellbaren Leistung.

In den Kommentaren wird der Berliner gefeiert. „Keine Worte der Welt können dieser Leistung nur ansatzweise gerecht werden“, schreibt ein User. Ein anderer findet kaum die passenden Worte: „Wie schafft ein Mensch, solche Strecken zu laufen? Größter Respekt!“

Im Livestream und in den sozialen Medien ist um das Event seit Freitag ein regelrechter Hype entstanden. Aus dem Wohnzimmer heraus kommentieren Influencer die Leistung, drücken ihre Anerkennung für die Teilnehmer aus, kritisieren in Videos aber auch, dass damit ein problematisches Bild vermittelt werde, weil Sport in diesem Ausmaß ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstelle.

Aber zurück nach Köln. Während auch am Dienstagmorgen noch mehr als 35.000 Menschen den Last Soul Ultra live am Bildschirm verfolgen, ist außer den verbleibenden zwei Teilnehmern niemand mehr vor Ort. Am Streckenrand ist es gähnend leer. Ohne Zuspruch und Anfeuerungsrufe müssen die beiden verbliebenen Sportler bei Regenschauern über Asphalt und durch Matsch Runde für Runde absolvieren. Eine körperliche wie mentale Herausforderung sondergleichen.

Dieser sogenannte Backyard Ultra findet bereits zum zweiten Mal statt und wurde vom Extremsportler und Ultramarathonläufer Kim Gottwald ins Leben gerufen. Er selbst gewann 2025 die Premiere: Nach 67 Runden und einer Distanz von 448,9 Kilometern in knapp 67 Stunden war es damals vorbei. Schon jetzt steht also fest, dass dieses Jahr ein neuer bahnbrechender Rekord aufgestellt wird.

Ultramarathons als Trendsport und Gesundheitsrisiko

Der Last Soul Ultra ist dabei nicht der einzige Ultramarathon, der sich großer Nachfrage erfreut. Mittlerweile kann man durchaus von einem Hype um den Extremsport sprechen. Zwar betrifft der eigentliche Boom das Laufen insgesamt, jedoch profitiert der Ultralauf davon besonders stark: In Deutschland etwa weist die Statistik der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung für 2025 16.463 aktive deutsche Ultraläufer aus – ein Plus von rund 26 Prozent zum Vorjahr.

Dabei dürften für den Ultra-Boom mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Zum einen trifft Laufen momentan ohnehin den Zeitgeist: Laufklubs, Running-Apps und soziale Medien haben aus einem früher eher individuellen Sport ein soziales und sichtbares Hobby gemacht. Gerade jüngere Menschen entdecken das Laufen für sich. So meldete die Tracking-App Strava für 2025 einen deutlichen Zuwachs beim Laufen und bei Rennen – wofür vor allem die Gen Z verantwortlich sei.

Und wenn der Marathon irgendwann geschafft ist, liegt die nächste Herausforderung gewissermaßen auf der Hand: noch weiter laufen. So weit es geht. Bis der eigene Körper nicht mehr kann. Gerade deshalb werden Ultra-Formate aber auch kritisiert. Während regelmäßiges Laufen grundsätzlich als gesund gilt und nicht nur das Herz-Kreislauf-System stärken und die Ausdauer verbessern, sondern auch das Risiko verschiedener Erkrankungen senken kann, steigen mit der extremen Dauer und Belastung bei Strecken von über 50 Kilometern auch die Risiken für Verletzungen, Überlastung, Dehydrierung und andere gesundheitliche Probleme.

Ob man das Wochenende also mit einem tagelangen Lauf oder aber bei der Hertha, auf der Couch oder im Museum verbringt, sollte jeder für sich selbst entscheiden.

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Классификация: Арктика. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 10.91. Источник: www.berliner-zeitung.de.