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Wie Sachsen-Anhalts Parteien Ärzte, Kliniken und Pflege sichern wollen

Дата публикации: 15-08-2026 12:27:59

Die Gesundheitsversorgung wollen alle politischen Kräfte zukunftssicher machen. Doch wie das gelingen soll, da sind sie sich weniger einig.

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Sachsen-Anhalt wird älter. Fast drei von zehn Einwohnern sind mindestens 65 Jahre alt, das Durchschnittsalter liegt bei 48 Jahren und drei Monaten. Bis 2040 könnte die Zahl der Pflegebedürftigen auf rund 220.000 steigen. Das Arbeitskräftepotenzial dürfte in derselben Zeit deutlich zurückgehen.

Schon heute sind 205 Hausarztstellen unbesetzt, in mehreren Regionen droht Unterversorgung. Vor der Landtagswahl versprechen deshalb alle größeren Parteien, medizinische Versorgung und Pflege auch in dünn besiedelten Regionen zu sichern. In ihren Zielen sind sich die Parteien also einig. Bloß wie sie das Gesundheitssystem zukunftsfest gestalten wollen, da gehen die Vorstellungen teils weit auseinander.

CDU: Regionale Gesundheitszentren und Medi-Busse

Die CDU will Krankenhäuser zu Knotenpunkten regionaler Versorgungsnetze entwickeln. Die Häuser sollen klare Profile erhalten, enger mit Arztpraxen zusammenarbeiten und sich stärker spezialisieren. Öffentliche, freigemeinnützige und private Träger bezeichnet die Partei als gleichwertige Bestandteile der Versorgung. Für kleinere Standorte sieht sie integrierte Gesundheitszentren vor. Das entspricht im Grundsatz dem Umbau, der mit der neuen Krankenhausplanung ohnehin begonnen hat: Künftig entscheidet stärker als bisher, welche Leistungen ein Haus mit welchem Personal tatsächlich anbieten kann.

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Zusätzliche Studienplätze, die Landarztquote und Hilfen bei Praxisgründungen und Übernahmen sollen mehr Ärzte aufs Land bringen. Die Landarztquote gibt es bereits. Bis Mitte 2025 hatten mehr als 130 Studenten darüber ihr Medizinstudium begonnen, inzwischen sollen jährlich 32 Plätze vergeben werden. Ihre Wirkung kommt entsprechend spät: Studium und Weiterbildung dauern rund ein Jahrzehnt. Für die derzeit 205 unbesetzten Hausarztstellen setzt die CDU deshalb auch auf andere Modelle, darunter mobile Medi-Busse.

Auch moderne Technologien wie Drohnen zur wohnortnahen Versorgung wollen die Christdemokraten einsetzen. Entsprechende Systeme für Medikamententransporte und medizinische Proben werden in Sachsen-Anhalt bereits erprobt.

AfD: 180 Millionen Euro für Kliniken und 20 Prozent mehr Medizinstudienplätze

Die AfD bezeichnet Gesundheitsversorgung als öffentliche Aufgabe. Die Investitionsmittel für Krankenhäuser will sie auf 180 Millionen Euro jährlich erhöhen. Kommunen und Land sollen beim Verkauf eines Krankenhauses Vorrang vor privaten Käufern erhalten. Bereits privatisierte Kliniken sollen bei medizinischem Bedarf in öffentliche oder gemeinnützige Trägerschaft zurückkehren. Von den 44 Krankenhäusern im Land sind derzeit 17 in privater, zwölf in öffentlicher und 15 in freigemeinnütziger Trägerschaft.

Kleinere Krankenhäuser sollen in Praxiskliniken unter Führung niedergelassener Ärzte umgewandelt werden. Als Vorbild sieht die AfD die Poliklinik. Im Rettungsdienst fordert sie dezentralere Rettungswachen, mehr Luftrettung und ein landesweites System freiwilliger Ersthelfer. Das Fallpauschalensystem will sie durch eine Finanzierung ersetzen, die sich stärker an Behandlungserfolg und Qualität orientiert.

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Die Zahl der Medizinstudienplätze soll um mindestens 20 Prozent steigen. Ein Landarztstipendium soll Studenten verpflichten, nach ihrer Ausbildung zehn Jahre als Landarzt in Sachsen-Anhalt zu arbeiten. Die AfD verbindet das ausdrücklich mit dem Ziel, künftig nicht mehr auf ausländische Ärzte angewiesen zu sein. In der Pflege fordert sie Personaluntergrenzen, weniger Dokumentation und wieder getrennte Ausbildungen. Pflegende Angehörige sollen ein Landespflegegeld erhalten und stärker bei Steuer und Rente berücksichtigt werden.

Linke: Landesklinikverbund und 300-Millionen-Euro-Rettungsschirm

Die Linke will Krankenhäuser stärker in öffentliche Verantwortung holen. Ein Klinikverbund mit Beteiligung des Landes soll kommunale Häuser stabilisieren und Leistungen koordinieren. Für akut gefährdete Kliniken fordert sie einen Rettungsschirm von 300 Millionen Euro. Private Krankenhäuser sollen schrittweise zurück in öffentliche Hand geführt werden.

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Kleinere Standorte will die Partei zu ambulant-stationären Gesundheitszentren entwickeln. An fast jedem Krankenhausstandort soll eine Notaufnahme bestehen bleiben. Kliniken sollen ambulante fachärztliche Leistungen übernehmen können, wenn eine Region nicht ausreichend versorgt ist. Für niedergelassene Ärzte fordert die Linke kleinere Planungsräume. Das greift ein Problem der bisherigen Bedarfsplanung auf: Ein größerer Planungsbereich kann rechnerisch ausreichend versorgt sein, obwohl einzelne Orte lange Wege oder wenige tatsächlich verfügbare Arztstunden haben.

Bei der Pflege fordert die Linke eine bundesweite Pflegevollversicherung. Das Land soll die Investitionskosten stationärer Einrichtungen vollständig übernehmen und mindestens 1500 Euro Landespflegegeld pro Jahr zahlen. Wie hoch die zusätzlichen Kosten wären, rechnet das Programm nicht vor.

SPD: Krankenhausumbau, Telenotarzt und Pflege im Quartier

Die SPD will Krankenhäuser langfristig mit Investitionsmitteln absichern und ihren Umbau begleiten. Zieht sich ein privater Betreiber aus einem wichtigen Versorgungsbereich zurück, soll das Land eine Rekommunalisierung unterstützen. Für die Notfallversorgung nennt sie Telenotarzt und Gemeindenotfallsanitäter. Im ländlichen Raum setzt die SPD auf mobile Angebote, regionale Gesundheitszentren und digitale Unterstützung. Die bestehenden Quoten für Landärzte, Amtsärzte und Landzahnärzte sollen fortgeführt werden. Bei psychischen Erkrankungen fordert die Partei mehr ambulante und tagesklinische Angebote sowie kürzere Wartezeiten.

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In der Pflege liegt der Schwerpunkt auf Angeboten im Quartier, Kurzzeitpflege, ambulanter Palliativversorgung und Beratung. Gerade bei der Kurzzeitpflege ist das Angebot überschaubar: Ende 2023 waren landesweit nur 217 vollstationäre Plätze ausdrücklich dafür ausgewiesen. Hinzukommen sollen ein digitaler Pflegeheimfinder und ein freiwilliger „Senioren-Check“ ab 65 Jahren. Die Demenzstrategie des Landes soll weiterentwickelt werden.

FDP: Gesundheitssystem entbürokratisieren

Die FDP setzt stark auf mobile und digitale Versorgung. Rollende Arztpraxen und Facharztbusse sollen vor allem Kinder, ältere Menschen und Patienten mit psychiatrischem Behandlungsbedarf erreichen. Arzthelfer will die Partei stärker in der ambulanten Versorgung einsetzen und ihre Ausbildung in Halle und Magdeburg ausbauen.

Kleine Krankenhäuser sollen als integrierte Gesundheitszentren weiterarbeiten können. Fachärztliche Expertise aus größeren Kliniken soll digital zugeschaltet werden. Die Universitätskliniken sollen enger zusammenarbeiten. Zudem plant die FDP ein Zentrum für Künstliche Intelligenz in Medizin und Biowissenschaften.

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Im Rettungsdienst unterstützt die FDP den Telenotarzt. Einen flächendeckenden Gemeindenotfallsanitäter lehnt sie als zusätzliche Struktur ab. Die Zahl der Leitstellen soll auf drei bis vier sinken. Für die Pflege fordert sie weniger Bürokratie und eine Reform der Ausbildung. Die Pflegeversicherung will sie um ein kapitalgedecktes Element ergänzen und private sowie betriebliche Vorsorge stärken.

Grüne: Kommunale Gesundheitszentren und gemeinsame Notrufsteuerung

Die Grünen wollen Krankenhausstandorte mit Sicherstellungszuschlägen stabilisieren und Rekommunalisierungen unterstützen. Geburtshilfe und Kinderheilkunde sollen auch außerhalb der großen Städte erreichbar bleiben. Kommunale medizinische Versorgungszentren sollen gezielt gefördert werden.

Eine gemeinsame Leitstelle für 112 und 116117 soll Patienten in die passende Versorgung lenken. Damit wollen die Grünen Strukturen zusammenführen, die bislang auf vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst, kommunalen Rettungsdienst und Krankenhausnotaufnahmen verteilt sind. Dazu kommen Telenotarzt und Gemeindenotfallsanitäter. Auch kommunale Gesundheitskonferenzen, Gesundheitskioske und Telemedizin sollen ausgebaut werden.

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In den Gesundheitsberufen setzen sie auf Schulgeldfreiheit, Ausbildungsvergütung und mehr eigenständige Aufgaben. Bei der Personalgewinnung sollen auch internationale Fachkräfte gewonnen werden. Auf Bundesebene unterstützen die Grünen eine Pflegevollversicherung. Weitere Schwerpunkte sind psychische Gesundheit, hebammengeleitete Kreißsäle, geschlechtersensible Medizin und ein wohnortnaher Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen.

BSW: Keine Klinikschließungen und Gemeindeschwestern

Das BSW stellt die Kritik an Profitinteressen in den Mittelpunkt. Krankenhäuser sollen nicht mehr geschlossen werden. Für die Beschäftigten fordert die Partei ein Tariftreuegesetz. Private Kliniken, die für ihre Betreiber nicht mehr attraktiv sind, sollen in öffentliche Hand zurückgeführt werden.

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Kommunale Gesundheitszentren, angestellte Ärzte und Gemeindeschwestern sollen die Versorgung auf dem Land sichern. Das Land kann dabei bereits auf Erfahrungen mit teambasierter Hausarztversorgung zurückgreifen: 2024 arbeiteten rund 851 besonders qualifizierte Versorgungsassistenten in Hausarztpraxen. Das BSW will solche Entlastungsmodelle mit Gemeindeschwestern weiter in die Fläche tragen. Mehr Studienplätze und Stipendien mit langfristiger Bindung sollen zusätzliche Ärzte bringen.

Bei psychischer Gesundheit fordert das BSW mehr sozialpsychiatrische Angebote, zusätzliche Psychotherapeuten und kurzfristig erreichbare Akutsprechstunden. In der Pflege setzt die Partei auf eine weitgehend steuerfinanzierte Pflegevollversicherung, ein landesweites Portal für Pflegeangebote und stärkere Unterstützung für Angehörige.

Mehrere Parteien wollen eine Pflegevollversicherung

Auch bei der Pflege liegen einige Parteien nah beieinander: Linke, Grüne und BSW fordern auf Bundesebene eine Pflegevollversicherung. CDU und SPD wollen Pflegebedürftige ebenfalls stärker von den Kosten entlasten, während die FDP stärker auf kapitalgedeckte und private Vorsorge setzt. Ähnlich groß sind die Überschneidungen bei mehr Studienplätzen, Gesundheitszentren, mobilen Angeboten und Telemedizin.

Deutlicher unterscheiden sich die Programme bei der Krankenhausstruktur und der Rolle des Landes. Linke und BSW wollen Kliniken stärker in öffentliche Verantwortung holen. CDU und FDP setzen auf unterschiedliche Träger und regionale Vernetzung. AfD, Grüne und SPD sehen Rekommunalisierungen unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls vor. Unabhängig vom jeweiligen Modell bleibt die Personalfrage: In ambulanten Pflegediensten ist mehr als ein Drittel der Beschäftigten mindestens 50 Jahre alt, in stationären Einrichtungen sind es mehr als zwei Fünftel.

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