Welche Parteien liegen in Sachsen-Anhalt tatsächlich nah beieinander? Die Analyse der WahlSwiper-Daten zeichnet ein differenzierteres Bild des Parteienfelds.
Welche Parteien liegen in Sachsen-Anhalt tatsächlich nah beieinander? Die Analyse der WahlSwiper-Daten zeichnet ein differenzierteres Bild des Parteienfelds.
Sachsen-Anhalt wählt am 6. September – die wohl wichtigste Wahl des Jahres 2026. Grüne, SPD, FDP und BSW kämpfen um das Überspringen der 5-Prozent-Hürde und möglicherweise kommt es zur ersten Regierung eines AfD-Ministerpräsidenten.
Im Extremfall, wenn diese vier Parteien unter der 5-Prozent-Hürde bleiben und nur CDU, AfD und Linke in den Landtag kommen, könnten sogar 40 Prozent der Stimmen oder noch weniger zur AfD-Alleinregierung reichen.
Möglicherweise könnten selbst CDU, SPD und Linke zusammen nicht auf mehr Stimmen als die AfD kommen.
,regionOfInterest=(368,68)&hash=18aa281a744ada8db17898922c602597cc69f0ec556a6734804c5d7ec35b261b)
Für Sachsen-Anhalt besteht der WahlSwiper aus 38 Fragen und 14 Parteien haben auf diese geantwortet. Ein Blick auf identische Antwortmuster bringt erwartbares und überraschendes zutage.
Die größte Übereinstimmung im Land besteht zwischen Linken und Grünen: Bei 35 von 38 Fragen antworten beide identisch, das sind 92,1 Prozent. Es folgen Linke und SPD mit 84,2 Prozent sowie Grüne und SPD mit 76,3 Prozent.
Zwischen diese drei Parteien passt inhaltlich kaum ein Blatt. Wer nach einer rot-rot-grünen Option sucht, findet hier die programmatisch geschlossenste Konstellation des gesamten Parteiensystems. Eine Mehrheit wird ein solches Dreierbündnis jedoch nicht erreichen.
Die auffälligste Ähnlichkeit: AfD und Linke stimmen bei 18 der 38 Fragen überein (47,4 Prozent). Zur Einordnung: Bei der Bundestagswahl 2025 war dieses Paar im WahlSwiper mit 15,8 Prozent das unähnlichste überhaupt, 2021 waren es sogar nur 13,9 Prozent. Ein Sprung um mehr als 30 Punkte. So hoch war in keiner Wahl die inhaltliche Übereinstimmung zwischen den Extremparteien.
Sind sich die politischen Antipoden nähergekommen? Gilt die sogenannte Hufeisentheorie? Diese besagt, dass sich politische Extreme trotz gegensätzlicher Ideologien in bestimmten Einstellungen und Verhaltensweisen ähneln können, etwa in ihrem Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen, Medien oder der liberalen Demokratie.
Auf AfD und Linke bezogen heißt das: Beide stehen an entgegengesetzten Rändern des politischen Spektrums, können aber punktuell ähnliche Positionen vertreten, beispielsweise in der Kritik an Nato, EU oder „dem Establishment“.
Der Blick in die Einzelfragen zeigt zunächst ein klares Muster. Der Hauptgrund liegt in der Sozial- und Infrastrukturpolitik. Sieben der 18 gemeinsamen Antworten betreffen den Ausbau oder die Verbilligung öffentlicher Leistungen.
AfD und Linke sagen gemeinsam Ja zu beitragsfreien Kitas, zu einem kostenfreien Mittagessen in Kita und Schule, zum kostenlosen Nahverkehr für Schüler und Auszubildende, zur Förderung des Deutschlandtickets für Senioren, zur Erhöhung der Grundfinanzierung der Universitäten, zur Abschaffung der Zweitstudiengebühren und zum Stopp weiterer Krankenhausprivatisierungen.
Besonders interessant sind Antworten, die nicht in vertraute Schubladen passen. AfD und Linke wollen beide das Wahlalter bei Landtagswahlen auf 16 Jahre senken, während CDU und BSW dies ablehnen. Gleichzeitig stimmen beide für eine Aufstockung der Landespolizei um mindestens zehn Prozent.
Es gibt also Fragen, wo sich die AfD nach Links in die Mitte bewegt und umgekehrt die Linke ebenfalls in die Mitte. Überraschend ist auch die Russlandfrage. Bei der Frage zum Ende der EU-Sanktionen stimmen die beiden Parteien nicht überein: Die AfD befürwortet einen entsprechenden Vorstoß Sachsen-Anhalts im Bundesrat, die Linke lehnt ihn in ihrer WahlSwiper-Antwort ab („Die Sanktionen enden, wenn Russland seinen Angriffskrieg beendet“).
Das ist die eine Hälfte der Antworten. Bei 20 Fragen liegen beide über Kreuz, und zwar überall dort, wo es wehtut. Bei den klassischen Verteilungsfragen bleiben die Fronten hart. Die AfD will neue Schulden konsequent vermeiden, die Linke nicht. Die Linke fordert die Wiedereinführung der Vermögensteuer und ein grundsätzliches Ende weiterer Privatisierungen öffentlichen Eigentums. Die AfD lehnt beides ab.
Auch bei den Fragen zu Schwangerschaftsabbrüchen an Landeskliniken, Militärforschung, Palantir-Software, Windkraft, Kohlestrom, Taser, Wolf, Arbeitspflicht für Asylbewerber und dem Medienstaatsvertrag sind beide unterschiedliche Auffassung. Die Links-rechts-Konfliktlinie ist also bei vielen Fragen intakt.
Erstens der Zuschnitt der Fragen. Eine Landtagswahl dreht sich um Kitas, Schulen, Nahverkehr und Polizei – Felder mit breiter Einigkeit. Die Themen, an denen sich AfD und Linke im Bund bekriegen, kommen weniger vor.
Zweitens die Bewegung zur politischen Mitte. Nach dem sogenannten Medianwählertheorem haben Parteien einen Anreiz, sich programmatisch der politischen Mitte anzunähern, weil sich dort der größte Teil der Wählerschaft befindet. Protestwähler, Rechte, Unzufriedene und Denkzettelwähler wählen die AfD sowieso. Die entscheidenden Prozente für die Macht liegen in der Mitte. Die Übereinstimmungen können daher Ausdruck einer strategischen Öffnung zu mehrheitsfähigen Positionen sein.
Drittens AfD und Linke senden politische Signale. Die AfD besitzt in Sachsen-Anhalt eine reale Machtoption und versucht unter ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, einem früheren CDU-Mitglied, ein gemäßigteres und regierungsfähigeres Profil zu zeigen sowie Abstand zum radikalen Thüringer Landesverband von Höcke zu markieren. Auch die Linke sendet bereits Signale an die CDU und hält sich so eine mögliche Zusammenarbeit offen. Daher positionieren sich beide Parteien als koalitions- bzw. mehrheitsfähige Optionen.
Die CDU taucht in vier der acht unähnlichsten Paarungen auf. Ihre höchste Ähnlichkeit ist mit der FDP (76,3 Prozent), es folgt die AfD mit 50,0 Prozent. Zu Grünen (36,8 Prozent), SPD (39,5 Prozent) und Linken (39,5 Prozent) liegen die Werte am unteren Rand, vom BSW (26,3 Prozent) ist man ganz weit weg. Das hat mit der Antwortstrategie der CDU zu tun: Mit 24 Prozent Ja-Antworten ist sie die zurückhaltendste Partei von allen und lehnt fast expansiven Ausgabenvorschläge und Maßnahmen ab.
Wer konsequent Nein zu fast allen Themen und Veränderungen sagt, isoliert sich selbst ein gutes Stück. Die realpolitischen Überzeugungen der CDU stehen ziemlich allein gegen das allgemeine „wünsch-dir-was“ der Mitbewerber.
Für die Koalitionsbildung ist das für die CDU heikel: Die Schnittmenge mit dem möglichen Partner SPD liegt bei unter 40 Prozent, eine Regierung ist nur unter Tolerierung der Linken möglich. Dabei müssen aber gleichzeitig Grüne, BSW und FDP an der 5-Prozent-Hürde scheitern.
Das Parteiensystem Sachsen-Anhalts ist gespalten, aber nicht dort, wo die reinen Prozentzahlen es nahelegen. Rot-Rot-Grün ist programmatisch ein Block. Die CDU steht inhaltlich ziemlich allein, nur die fast chancenlose FDP ist in ihrer Nähe.
Und die vermeintliche Nähe von AfD und Linken ist Ausdruck landespolitischer Konsensfragen und einer großzügigen Ja-Strategie der AfD und Linken, die sich beide „mittiger“ positionieren, weil beide regieren wollen. Das politische Schachbrett in Sachsen-Anhalt ist deshalb mehrdimensional.
Die AfD bleibt bei Migration, Medien, Klima und innerer Sicherheit und öffentlichen Finanzen der Gegenpol zur Linken. Aber auf der sozialen und institutionellen Achse entstehen Schnittmengen, die früher kaum sichtbar waren. In Sachsen-Anhalt konkurrieren beide Parteien auch um ähnliche soziale Milieus – aber mit grundverschiedenen Weltbildern.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | AfD in Sachsen-Anhalt jetzt 20 Prozentpunkte vor der CDU | 0 | 17.07 | 10-08-2026 |
| 2 | Umfrage in Sachsen-Anhalt: Warum der Kampf um die Fünfprozenthürde entscheidend ist | 0 | 14.28 | 09-08-2026 |
| 3 | Sachsen-Anhalt vor Wahl: Das Land der ewigen Tabubrüche | 0 | 21.16 | 15-08-2026 |
| 4 | Sachsen-AnhaltTREND: AfD baut Vorsprung aus | 0 | 17.16 | 07-05-2026 |
| 5 | Die Influencer aus Magdeburg: Politisch ist Sachsen-Anhalt seit 30 Jahren Vorreiter für ganz Deutschland | 0 | 22.04 | 11-08-2026 |
| 6 | Neue Sachsen-Anhalt-Umfrage sieht leichte Verluste bei der AfD – und viele Wackelkandidaten | 0 | 5 | 03-07-2026 |
| 7 | Politische Reaktionen auf Sachsen-AnhaltTREND | 0 | 13.77 | 07-05-2026 |
| 8 | Sachsen-Anhalt: CDU zwischen AfD und Linken – warum die Brandmauer zur Falle wird | -1 | 7 | 18-07-2026 |
| 9 | Kommentar zu Sachsen-Anhalt - CDU und Linke? Unvereinbar ist das nicht | 0 | 7.48 | 11-08-2026 |
| 10 | Die CDU macht vor der Wahl in Sachsen-Anhalt einen klassischen SPD-Fehler | 0 | 15.44 | 04-08-2026 |