Nur noch wenige Russen nennen den Krieg in der Ukraine erfolgreich. Angriffe im eigenen Land betreffen den Alltag, die Wirtschaft und das Sicherheitsgefühl der Menschen.
Nur noch wenige Russen nennen den Krieg in der Ukraine erfolgreich. Angriffe im eigenen Land betreffen den Alltag, die Wirtschaft und das Sicherheitsgefühl der Menschen.
Russlands Krieg gegen die Ukraine verliert im eigenen Land an Zustimmung. Erstmals seit Kriegsbeginn hält eine Mehrheit den Angriff nicht mehr für erfolgreich. Das geht aus einer neuen Umfrage des unabhängigen Levada-Zentrums hervor. Im Juli bezeichneten nur noch 8 Prozent die von Kremlchef Wladimir Putin sogenannte „militärische Spezialoperation“ als „sehr erfolgreich“.
Im Gegensatz dazu nannten 8 Prozent den Krieg „äußerst erfolglos“, 20 Prozent „eher erfolglos“. 22 Prozent konnten oder wollten keine Antwort geben. Einen so hohen Wert in dieser Gruppe gab es in den laufenden Erhebungen bisher nicht, berichtet die „Moscow Times“.
Auch die direkte Unterstützung für den Krieg sank. 21 Prozent erklärten, sie unterstützten die russischen Militäraktionen in der Ukraine eher nicht oder überhaupt nicht. Das ist der höchste Wert seit Beginn des Kriegs.
Nur noch 34 Prozent unterstützen den Krieg nach eigener Aussage uneingeschränkt. Im ersten Monat nach dem Einmarsch lag dieser Anteil noch bei mehr als der Hälfte. Im vergangenen Jahr fiel er nie unter 40 Prozent.
Hinter dem Stimmungsumschwung steckt vor allem das neue Ausmaß des Krieges, sagt die Politologin Tatjana Stanowaja vom Analyseprojekt R.Politik. Ukrainische Angriffe trafen zuletzt nicht nur Ölraffinerien, sondern auch Lagerhäuser des russischen Online-Händlers Wildberries. Ende Juli schlug die Ukraine wiederholt gegen solche Standorte zu.
Stanowaja erklärt, der Krieg greife jetzt direkt in die zivile Wirtschaft ein. Damit stünden die Behörden vor Fragen, auf die sie keine Antwort vorbereitet hätten. Dazu kommen ein Treibstoffmangel und wachsende Gerüchte über eine mögliche neue Mobilmachung im Herbst.
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Der Politikberater Abbas Galljamow sieht in dem Vertrauensverlust einen Bruch mit Putins altem Versprechen. Vor 25 Jahren hätten viele Menschen für Putin gestimmt, weil er Sicherheit und ein ruhiges Leben ohne Explosionen, einstürzende Häuser und brennende Städte versprochen habe, so Galljamow auf Telegram.
Jetzt sei das Gegenteil eingetreten. „Im heutigen Russland kann sich niemand mehr sicher fühlen“, schreibt Galljamow.
Auch Fachleute des Carnegie-Zentrums kommen zu einem düsteren Schluss. Das Land sei „immer weniger überzeugt, dass seine Soldaten siegen können und dass Putin einen realistischen Plan hat“.