In sozialen Netzwerken mehren sich Hinweise für einen neuen Migrantensturm auf Ceuta. Mehrere Berichte warnen vor dem 15. August. Das Datum könnte aber auch ein Ablenkungsmanöver sein.
In sozialen Netzwerken mehren sich Hinweise für einen neuen Migrantensturm auf Ceuta. Mehrere Berichte warnen vor dem 15. August. Das Datum könnte aber auch ein Ablenkungsmanöver sein.
Gerade einmal zwei Wochen nach dem illegalen Grenzübertritt von rund 70.000 Migranten von Marokko nach Ceuta zeichnet sich neuer Ärger in der spanischen Exklave ab. Die Guardia Civil hat schon seit mehreren Tagen erneute Ankündigungen auf Plattformen in sozialen Netzwerken im Blick, die „mehrere Hunderttausend Follower“ hätten, berichtet Spaniens öffentlich-rechtlicher Rundfunk „rtve“. Dem Bericht zufolge soll ein neuer illegaler Grenzübertrittsversuch von marokkanischem auf europäischen Boden am 15. August erfolgen.
Unklar bliebe zwar, wer den Aufruf gestartet habe und wie viele Menschen ihm folgen könnten. Doch bewertet die Guardia Civil die Wahrscheinlichkeit eines neuen Ansturms als „real“. Als „entscheidend“ für eine Verhinderung nannte die Sicherheitsbehörde Präventivmaßnahmen sowohl auf marokkanischer als auch spanischer Seite der Grenze.
,regionOfInterest=(2163,1190)&hash=66a75e3f4e3a748672316a849e6264c7a2fa7eb04b9aabcfd09adba4daf035a2)
Signalisierte die spanische Regierung in Stellungnahmen zum Ansturm an den letzten beiden Juli-Tagen eine Entspannung der Lage, warnt ein interner Lagebericht von Sicherheitsbehörden der EU vor diversen ungelösten Problemen, die die Exklave und auch das europäische Festland betreffen könnten.
Vor allem der 15. August versetzt die Sicherheitsbehörden in erhöhte Alarmbereitschaft. „Aufrufe in sozialen Medien, an diesem Datum wieder nach Ceuta überzusetzen, kursieren weiterhin“, zitiert die „Welt“ aus dem Lagebild. Das spanische Innenministerium habe daraufhin die Präsenz seiner Sicherheitskräfte in Ceuta verstärkt.
Unklar sei dabei eher, wann – und nicht ob überhaupt – ein neuer Ansturm geplant sei. Laut Europol könne der in marokkanischen sozialen Medien propagierte 15. August auch als „Ablenkung“ dienen, um die Grenzbehörden kurz vor oder nach dem Datum zu überrumpeln.
Eine Einschätzung des spanischen Deep-Tech-Unternehmens „Golden Owl“ stützt mit einer Social-Media-Analyse des ersten Ansturms am 30. und 31. Juli die These, dass hinter dem massiven Angriff auf die spanische Grenze keine spontanen Aktionen stecken, sondern gut organisierte Strukturen noch unbekannten Ursprungs.
Die Tech-Firma geht „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass es sich bei dem Massenansturm um eine „bewusst organisierte, zweckgebundene und gelenkte Organisation“ gehandelt habe, teilt das Unternehmen auf seiner Homepage mit.
So seien diverse Migrantengruppen von bestimmten Personen mit einer „Quotenvorgabe“ rekrutiert und anschließend strukturiert zu noch größeren Gruppen zusammengeschlossen worden. Dies hätten Überprüfungen diverser Netzwerke und E-Mail-Adressen ergeben.
Bei der Organisation sei zudem mit Verschleierungen und Codewörtern gearbeitet worden. Das Netzwerk soll sogar „die Fortsetzung bereits im Voraus geplant haben“ – mit einer auf den 15. August datierten „Vorankündigung“.
Manche Experten halten die Einschätzung des Unternehmens grundsätzlich für seriös. Kritiker monieren, dass die lose Vernetzung in sozialen Medien von dem Unternehmen fälschlicherweise als hochgradig strukturiertes System interpretiert wurde.
Die Regierung in Madrid spricht indes weiterhin von rund 2500 noch in Ceuta verbliebenen illegalen Migranten plus 2500 Minderjährigen, die sich zum Teil an unbekannten Orten aufhalten.
Im EU-Lagebericht, auf den sich die „Welt“ beruft, ist hingegen von bis zu 11.000 Migranten die Rede. Die Lage in der 83.000-Einwohner-Stadt sei weiterhin „chaotisch“, die Behörden „alarmiert“. Zudem würden Tausende der Migranten „nicht einmal an Rückkehr denken“.
Diese Lage gehe zurück auf Einschätzungen der Grenzschutzagentur Frontex und der Europäischen Kriminalpolizei Europol. Die Verfasser stützen ihre Angaben auf Quellen vor Ort, Satellitenbilder und Medienberichte.
,regionOfInterest=(2816,1735)&hash=cee55c6acfc86786e4ad457c5ca7a65236ce2d43d6caf297fe340daf73a72798)
Immer mehr spitzt sich offenbar die Lage an der Zentralen Aufnahmestelle „Ceti“ nahe des Palya del Trampolín zu.
FOCUS online war in den ersten vier Augusttagen vor Ort in Ceuta und konnte mit einigen der mehreren Hundert Migranten, die sich auf dem von der Polizei abgesperrten Strand aufhalten, reden. Darunter befand sich auch ein 27 Jahre alter Eritreer, der nach eigenen Angaben seit elf Jahren auf der Flucht ist und „notfalls auch illegal“ zu einer Tante nach Berlin wolle.
Inzwischen soll die Zahl laut EU-Lagebericht auf knapp 2000 angestiegen sein, allein 1500 davon auf dem relativ kleinen Strand Trampolín. Sie würden das völlig überlastete Aufnahmezentrum, das nur etwas mehr als 500 Menschen Platz bietet, „belagern“ und jede Gelegenheit nutzten, sich auf das Gelände zu schmuggeln. Direkt vor dem Ceti-Gebäude, das sich nur wenige Hundert Meter vom Strand in hügeligen Wäldern befindet, lagern weitere größere Gruppen von Migranten, die vorwiegend aus Subsahara-Regionen stammen.
,regionOfInterest=(1967,1071)&hash=547135a30ef4c5d18a821a2be523a0e88d431c80930fbdceaef01ab75aafa644)
Am 30. und 31. Juli waren innerhalb von nur etwas mehr als 24 Stunden rund 70.000 Migranten von Marokko über den Grenzübergang Tarajal gelangt, die meisten von ihnen mehrere Hundert Meter schwimmend im Meer. Rund 100 Menschen ertranken nach Regierungsangaben bei dem Versuch. Noch bis zum Abend des 31. Juli waren nach Angaben des spanischen Innenministeriums rund 48.000 Migranten wieder zurück nach Marokko gekehrt.
Ende Juli hatte der Oberste Gerichtshof Spaniens festgelegt, dass Migranten, die spanischen Boden über das Meer erreichen würden, nicht sofort ohne Anhörung in das Land per Pushback abgeschoben werden könnten, aus dem sie gekommen sind. In den Netzwerken hatte es fälschlicherweise geheißen, dass Spaniens Grenze offen für jene sei, die das Land illegal über das Meer erreichten. Die falsche Nachricht hatte sich in Windeseile verbreitet und erheblich zu der Zuspitzung am Grenzübergang Tarajal beigetragen.