BMW und Ferrari setzen stärker auf Aluminiumkabel. Damit folgen sie Tesla – und reagieren unter anderem auf den hohen Kupferpreis.
Was Tesla vorgemacht hat, wird nun zur Rohstoffstrategie von BMW und Ferrari: Ein leichteres Metall soll das teure Kupferproblem entschärfen. Es bringt außerdem einen weiteren Vorteil mit sich.
Kupfer war über Jahrzehnte der Standard für elektrische Leitungen im Auto. Doch der hohe Preis des Metalls erhöht den Druck auf Hersteller. Nach Informationen von Reuters bauen nun auch BMW und Ferrari verstärkt Aluminiumkabel in neue Modelle ein – und folgen damit einem Weg, den Tesla und chinesische Elektroauto-Hersteller bereits vorangetrieben haben.
Die wichtigsten Fakten:
Tesla hat den Materialwechsel nicht erfunden, ihn aber im Elektroauto industriell sichtbar gemacht. Laut dem Beratungsunternehmen Caresoft Global orientiert sich vor allem Chinas Autoindustrie stark an Tesla. Das Model Y von 2019 gilt dabei als wichtige Referenz, später kam der Cybertruck hinzu.
Entscheidend ist: Bei Elektroautos zählt jedes Kilogramm. Weniger Gewicht kann Reichweite bringen, Kosten senken oder kleinere Batterien ermöglichen. Unter anderem deshalb wird Aluminium für Hersteller attraktiver, obwohl es Strom schlechter leitet als Kupfer.
Ferrari teilte Reuters mit, Aluminium könne das Gewicht der Verkabelung um bis zu 20 Prozent senken. Der Hersteller nutzt das Material bereits im Hybridmodell 296 und im ersten eigenen Elektroauto Luce.
„Wir wählen Aluminium nicht, weil es billiger ist, sondern weil es die bessere Leistung bringt“, sagte Ferrari-Manager Dario Esposito.
Der Kostenvorteil ist dennoch erheblich. Kupfer lag zuletzt zeitweise nahe 15.000 Dollar je Tonne. Aluminium kostet aktuell rund 3100 Dollar je Tonne. Das entspricht einem Preisunterschied von rund 79 Prozent. Aluminium kostet damit etwa ein Fünftel des Kupferpreises.
BMW ist bei Aluminiumleitern kein Neueinsteiger. Der Konzern nutzt sie nach eigenen Angaben seit 2011 in der Einser-Reihe. Neu ist aber die Breite des Einsatzes: BMW hat die Technik schrittweise auch auf Hybrid- und Elektroautos ausgeweitet.
In der neuesten eDrive-Technik, die im vergangenen Jahr eingeführt wurde, verbaut der Konzern inzwischen zahlreiche Aluminiumkabel in Hoch- und Niedervoltsystemen. Aus einer punktuellen Lösung wird damit ein Baustein der aktuellen Elektroplattform.
Besonders weit ist der Aluminium-Trend in China. Dort unterstützt die Regierung den Materialwechsel, weil das Land seine Abhängigkeit von teurem Kupfer verringern will. Hersteller wie XPeng, Xiaomi und AVATR setzen laut Caresoft Global bereits breit auf Aluminiumverkabelung.
Ganz ohne Nachteile ist der Wechsel jedoch nicht. Aluminium leitet Strom schlechter als Kupfer. Deshalb braucht es mehr Material, um dieselbe elektrische Leistung zu erreichen. Zudem ist die Herstellung energieintensiv, was die Klimabilanz belasten kann.
Trotzdem rechnen Analysten damit, dass Aluminium Kupfer immer häufiger ersetzt. JPMorgan skizziert ein Szenario, in dem bis 2030 rund sechs Prozent der jährlichen Kupfernachfrage durch Aluminium ersetzt werden könnten.
Für BMW, Ferrari und Tesla geht es damit nicht nur um Technik, sondern um Schutz vor dauerhaft hohen Rohstoffpreisen.
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