507 PS, V8-Saugmotor und Motorsporttechnik: Der Mercedes CLK 63 AMG Black Series zählt zu den begehrtesten AMG-Modellen.
Breite Kotflügel, 507 PS und ein frei saugender V8: Der CLK 63 AMG Black Series war die radikalste Ausbaustufe des Coupés – und ist heute begehrter denn je.
Die Zusammensetzung hört sich eher nach einem Amerikaner an – ein Ford Mustang Shelby, eine Corvette Z06 oder vielleicht auch ein Chevrolet Camaro SS: 6,2 Liter Hubraum, V8-Sauger, Getriebe-Automatik und mächtig Leistung auf der Hinterachse. Doch auch Mercedes konnte von 2007 bis 2009 Muscle Cars bauen und der Mercedes CLK 63 AMG Black Series ist wohl eines der spektakulärsten Mercedes-Modelle der vergangenen Jahrzehnte, denn aus dem an sich zahmen Coupé der Bauform C 209, der auch als müder 200er Kompressor oder sogar als C 220 CDI verfügbar war, wurde nach der AMG-Kur ein Supercoupé, der auf Rennstrecke und Autobahn gleichermaßen begeistern kann.
Der Auftritt lässt keinen Zweifel daran, dass der 63er mit dem normalen Seriencoupé nicht viel mehr als Plattform und Karosseriedetails gemein hat. Kann man einigen AMG-Modellen vorwerfen, dass sie sich optisch allzu wenig von den Serienmodellen abheben, so schlägt der neue CLK 63 AMG Black Series imposant aus der Reihe. Gewaltige Spoiler, fette Schürzen, Rennsportbremsanlage und Diffusor – vom eleganten, aber etwas farblosen Coupé aus dem Stuttgarter Wagenpark ist nicht mehr viel geblieben.
Wer einen Black Series bewegt, der will auffallen. Kein Fluchtfahrzeug könnte für den nächsten Bankraub unpassender sein. Der 4,66 Meter lange Black Series wühlt sich wie eine Schneefräse über den Asphalt und selbst unkundige müssen befürchten, dass es dieser Benz faustdick hinter den breit ausgestellten Radhäusern hat. Besonders die breite Frontschürze mit großen Kühlluftöffnungen und seitlichen Karbonauslässen und die Heckschürze mit Diffusor-Finnen und aktiver Hinterachskühlung macht der mobilen Umgebung Angst.
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Nicht weniger aufdringlich zeigt sich der Innenraum. Die hinteren beiden Sitzgelegenheiten sind ausgekleideten Gepäckschalen gewichen und die zwei Haltegriffe über dem Fenster sind wohl nur deshalb nicht dem Rennsport-Strip zum Opfer gefallen, weil gerade keine anderen Kleiderhaken im Mercedes-Regal zu finden waren. Die vorderen Schalensitze sind ebenso puristisch wie die reduzierten Bedien- und Schaltereinheiten im Armaturenbrett. Immerhin Klimaautomatik, elektrische Fensterheber und Navigationssystem wurden nicht ins Jenseits geschickt. Das kleine Rennsportsteuer mit Wildlederüberzug eignet sich prächtig für ein paar Feierabendrunden auf der Nordschleife. Die engen Sitze passen prächtig zur wildesten Kurvenhatz und verfügen sogar noch über einen respektablen Langstreckenkomfort.
Der Mercedes CLK 63 AMG Black Series ist eine echte Rennmaschine. Keine der wilden Art, denn einen Hauch Komfort haben die Ingenieure aus Affalterbach dem Coupé noch gelassen. Ein paar schnelle Runden auf der Rennstrecke zeigen schnell die Stärken und Schwächen des zweisitzigen Boliden. Gerade bei rutschiger Strecke oder engen Kurven hat der Kraftprotz bisweilen Probleme, seine 507 PS auf die Straße zu bekommen. Wer zu spät in die Kurve hineinbremst merkt schnell, dass die ideale Gewichtsverteilung von 50:50 hier kaum umgesetzt werden konnte.
Der eigens von AMG entwickelte 6,3 Liter Motor liegt schwer auf der Vorderachse, das Heck wird im Grenzbereich leicht. Besonders hier lernt man das sportlich-bissige, aber gelungen abgestimmte ESP zu schätzen. Und auch die Schlupfregelung hat im Grenzbereich einige Mühe, den Kraftfluss im Rahmen zu halten. Die Lenkung ist präzise, könnte noch eine Spur härter sein und ein bretthartes Sportfahrwerk fährt sich ebenfalls anders. Falls jemand mit dem Sport-CLK wirklich auf die Rennstrecke will, sollte er beim Gewindefahrwerk nach nachjustieren. Die Wankbewegungen könnten bei härter eingestellten Dämpfern reduziert werden. Doch so behält der nach wie vor knapp 1,8 Tonnen schwere Black Series seine Alltagstauglichkeit.
Das Gewinde-Sportfahrwerk erlaubt dem erfahrenen Piloten eine variable Fahrwerksabstimmung. Die Hinterachs-Differenzialsperre bemüht sich um optimale Traktion, und die Hochleistungs-Bremsanlage mit stärker dimensionierten Scheiben in Verbundtechnik an der Vorderachse erlaubt eindrucksvolle Verzögerungswerte. Grandiose Kurvengeschwindigkeiten sollen die serienmäßigen Sportreifen im Format 265/30 R 19 (vorn) und 285/30 R 19 (hinten) garantieren, die auf 19 Zoll großen Schmiederädern montiert sind.
Das Triebwerk ist ebenso wie der Wagen selbst technologisch eng mit dem damaligen Safety Car aus der Formel-1-Saison 2007 / 2008 verwandt. Mittels aufwendiger Kühlmaßnahmen an Motor, Rädern und Hinterachse leistet der 6,3 Liter große Achtzylinder 373 kW / 507 PS bei 6.800 U/min. Das maximale Drehmoment von 630 Nm steht bei 5.250 U/min zur Verfügung. Der Spurt 0 auf 100 km/h in 4,3 Sekunden lässt sich jedoch nur bei warmen Reifen und ebenem Straßenbelag verwirklichen. Dann krallen sich die Rennreifen in den Asphalt und katapultieren einen gnadenlos auf Tempo 100, 200 oder mehr. Erst bei 300 km/h wird dem Tatendrang des Piloten elektronisch begrenzt ein Ende gesetzt. Untermalt wird jeder Gaspedalstoß vom wild grollenden V8-Sound aus der Sportabgasanlage.
Eine modifizierte Sportautomatik mit sieben Gängen und verkürzter Hinterachsübersetzung gewährleistet ein Plus an Agilität und sorgt dafür, dass die Kraft auch standesgemäß auf die Rennstrecke kommt. Im Vergleich zu vielen Konkurrenzmodellen mit sequentiellen Getrieben ist die Sportautomatik von Mercedes ein großer Wurf. Bissig und dezent zugleich flutschen die Gänge in die einzelnen Gangstufen. Selbst auf der Rennstrecke kann man die Hände getrost von den Alupaddeln nehmen und das Wildledersteuer umschließen. Gerade im Sportmodus möchte man dem Automatikgetriebe hellseherische Fähigkeiten zugestehen, so präzise ist es abgestimmt.
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Von Stefan Grundhoff
Das Original zu diesem Beitrag "Wie der Vater...." stammt von press-inform.
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