Mercedes bedient nun auch CLA-Interessenten, die sagen: 260 kW sind schon okay, 500 kW aber deutlich besser. Angeboten wird der E-Rennwagen in zwei Karosserien.
Die Ablösung des Verbrennungsmotors geschieht vor unseren Augen. Der batterieelektrische Antrieb dringt in immer mehr Bereiche vor. Das Thema Reichweite ist in einigen Modellen kaum noch eines, wie unter anderem mein Kollege Clemens in seinem Test des Mercedes CLA 350 EQ feststellte. Technisch noch viel einfacher für die Hersteller ist das Schrauben in immer heftigere Leistungshöhen. Der Mercedes-AMG CLA 45 hat drei E-Motoren eingebaut, die 500 kW liefern. Damit auch die Außenwelt miterleben darf (oder muss?), was hier vorfährt, werden auf Wunsch allerlei akustische Begleiter aktiv, die eine Erinnerung an den Verbrenner in diesem Elektroauto wachhalten – zumindest ein bisschen.
Auch in Zeiten ständigen Wettrüstens bei der Motorleistung von Elektroautos sind 500 kW wenigstens vorerst noch eine heftige Ansage. Schluss ist erst bei 250 km/h, und wer mag, kann selbst diese Grenze um nochmals 20 km/h hinausschieben. Von Null auf 100 km/h geht es aus dem Stand in drei Sekunden. Wie wichtig in diesem Bereich Prestige ist, sieht man an einer besonderen Berechnung eines zweiten Werts für diesen Sprint. Denn es sollen nur 2,7 Sekunden sein, wenn bei der Messung die ersten 30,48 cm nicht berücksichtigt werden. Mercedes nennt das „1-Foot-Rollout“.
Verbaut sind drei Axial-Fluss-Motoren. Anders als bei normalerweise eingesetzten E-Motoren ist bei diesem Aufbau der elektromagnetische Fluss parallel zur Motorachse ausgerichtet. Der Stator wird links und rechts von zwei Rotoren in einer sandwichartigen Struktur eingeschlossen. Diese auch H-Anordnung genannte Bauweise erlaubt die ideale Übertragung des magnetischen Flusses vom Stator-Magnetfeld auf die Rotoren.
Die Serienausstattung wird füllig sein, der Preis dementsprechend hoch.
(Bild: Mercedes-AMG)
Einer der Motoren sitzt an der Vorderachse und kann 225 kW beisteuern. Allerdings können die beiden Motoren an der Hinterachse die 500 kW auch allein liefern. Warum der E-Motor vorn die Systemleistung trotzdem nicht weiter anhebt, verrät Mercedes nicht. Vermutlich setzt der Stromlieferant hier eine Grenze. Als Dauerleistung gibt Mercedes 450 kW an, was mehr als nur einen Fingerzeig darauf liefert, wie intensiv sich die Entwickler um das Thermomanagement gekümmert haben müssen. Denn wenn die Dauer- so nah an der Spitzenleistung liegt, wurde dafür Geld in die Hand genommen. Der Siliziumkarbid (SiC)-Inverter ist wassergekühlt.
Die Verteilung der Systemleistung auf drei Motoren, einer vorn, zwei hinten, erlaubt Mercedes eine große Freiheit bei der Verteilung der Kraft. Alle drei können unabhängig voneinander angesteuert werden. Losgelöst von der brachialen Beschleunigung an sich kann der elektrische CLA-AMG mit verschiedenen Fahrprogrammen ein weites Feld unterschiedlicher Fahrdynamiken bespielen. Im Alltag gibt er sich bei Bedarf kreuzbrav und damit auch leicht beherrschbar. Selbst ein Eco-Programm ist vorgesehen.
Am anderen Ende steht ein Modus, der nur für Rennstrecken gedacht ist. Wer dem Verbrenner noch nachtrauert, wird ebenfalls bedient. AMGFORCE S+ liefert simulierte Zugkraftunterbrechungen und künstlichen AMG-Vierzylinder-Sound aus den Lautsprechern. Shaker lassen den Sitz vibrieren, auf dem Display werden Gänge und Drehzahl angezeigt, um die Illusion zu perfektionieren. Mitunter werden Bedürfnisse eben erfüllt, bevor sie vermisst werden.
Auch um eine akustische Untermalung haben sich die AMG-Leute gekümmert. So ertönt unter anderem ein dumpfes Bassgeräusch bei Annäherung und Aufschließen, ein Wummern beim Einstecken des Ladekabels und ein Brummen beim Starten des Ladevorgangs. Weitere Vorschläge dazu von uns wären ein charaktervoll-sonores Gluck, Gluck, Gluck während des Ladens oder auch ein sehnsuchtsvoll-heiseres Röcheln, wenn der Ladestand unter fünf Prozent fällt. Zu hoffen bleibt, dass es einen Modus gibt, in dem von alledem gar nichts zu hören ist. Da bin ich allerdings sehr optimistisch.
Wie in den anderen CLA-Modellen gelingt das Laden ziemlich flott. Mercedes gibt maximal 330 kW an. 70 Prozent der nutzbaren 94 kWh sollen in 22 Minuten nachgeladen sein. Das bedeutet eine durchschnittliche Ladeleistung von rund 179 kW in diesem Bereich. Im WLTP soll die Reichweite etwa 640 km für den Kombi und rund 670 km bei der Limousine betragen. Sie liegt damit signifikant unter den anderen CLA-Modellen mit 85-kWh-Batterie, für die im Zyklus bis zu 792 km versprochen werden.
Ein Grenzgänger? Das ist der neue Mercedes-AMG CLA 45 4MATIC+ ziemlich sicher. Dank geschickter Kraftverteilung dürfte er dennoch gut beherrschbar sein.
(Bild: Mercedes-AMG)
Noch gibt es keine Preise für den CLA-AMG, doch weniger als 70.000 Euro wären eine ziemliche Überraschung, zumal die Serienausstattung umfangreich ausfallen wird. Die Auslieferungen dürften noch in diesem Jahr starten. Im CLA mit Verbrennungsmotor, der parallel angeboten wird, ist ein Hybridantrieb mit 140 plus 22 kW übrigens aktuell die stärkste Ausführung. Viel mehr wird es auch nicht werden. Denn wie bei so vielen Neuwagen gilt: Wer besonders flott beschleunigen will, muss sich auch im CLA vom Verbrenner verabschieden.
(mfz)
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