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Mit E-Antrieb und Kurbelfenstern: „Slate” im ersten Test

Дата публикации: 13-08-2026 07:13:00

Der Elektro-Pickup Slate könnte ein Gamechanger werden. FOCUS online hat den Box-Stromer schon gefahren.

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Die USA sind trotz Tesla kein Elektro-Land geworden, auch weil die Politik keine Steuergelder mehr in die Emobilität steckt. Der Pickup „Slate” könnte trotzdem ein Knüller werden. Als erstes deutsches Medium hat FOCUS online den Wagen getestet.

Eine Automarke neu aufzubauen, gehört zu den schwierigsten Unternehmungen überhaupt. Oft misslingt es. Tesla ist die große Ausnahme, Lucid und Rivian kämpfen hart, und viele haben es nicht geschafft, von der erwarteten „Transformation“ zu profitieren. Mit Slate gibt es jetzt eine Marke, die einen völlig eigenständigen Ansatz verfolgt, nämlich nicht Top-Down, sondern mit einem Einstiegsmodell am unteren Ende des Marktes. Dahinter steckt viel Kapital - unter anderem von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Jetzt hatten wir die Chance, ein seriennahes Vorserienauto zu fahren, als bislang einziger europäischer Journalist überhaupt.

Elektro-Startup Slate wird von Jeff Bezos finanziert

Slate hat das Modell aus dem Werk in Warsaw im US-Staat Indiana nach Newport in Rhode Island gebracht, wo wir es eine Stunde lang fahren konnten. Die einzige (nachgerüstete) Option: ein Demo- Lautsprechersystem. Auf Fotos wirkt der Slate fast wie ein Spielzeug, erweckt geradezu Beschützerinstinkte. In Wahrheit ist er jedoch ein ausgewachsener Truck.

Seine Abmessungen:

  • 443 cm in derLänge,
  • 179 cm Breite,
  • 179 cm Höhe.
Trotz E-Antrieb der günstigste Pickup-Truck in den USA

Damit liegt er irgendwo zwischen Audi Q2 und Q3, ragt dabei höher auf als beide. Es gibt drei Versionen: Einen zweisitzigen Pickup für 24.950 Dollar (umgerechnet ca. 21.500 Euro), eine fünfsitzige Steilheck-Variante namens Squareback für 5000 Dollar extra und eine ebenfalls fünfsitzige Schrägheck-Version, für die weitere 2000 Dollar fällig werden. Das ist ein echter Kampfpreis: In seiner Einstiegsversion unterbietet er den bisherigen Preisbrecher Ford Maverick um mehr als 3000 Dollar und ist damit der günstigste Truck in den USA überhaupt, trotz Elektroantrieb. Die fünfsitzigen Varianten können ab Werk bestellt werden, es ist aber auch möglich, einen Pritschenwagen zu einem späteren Zeitpunkt umzubauen.

Slate

Auto- und USA-Experte Jens Meiners hat den E-Pickup Slate getestet Automedienportal.net
Innen wird klar: Das ist kein SUV

Auf der Straße wirkt der Slate nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch seine Designqualität. Er wirkt blockig und „produktig“, mit einer kraftvollen Schulterpartie, präzise definierten Charakterlinien und Spaltmaßen sowie dem leicht angehobenen „Slate“-Schriftzug auf der Heckklappe, der gleichzeitig als Logo dient. Chefdesignerin Tisha Johnson weiß, was sie tut.

Und das Interieur? Hier verschwinden jegliche Ähnlichkeiten mit anderen Trucks und SUVs. Zum Einstieg bedient man einen industriell wirkenden Türgriff zieht; die Tür fällt mit sattem Ploppen ins Schloss. Die Sitze sind mit strapazierfähigem Stoff bezogen, vor dem Fahrer liegt ein karges Cockpit, das von geraden Linien und großen Flächen geprägt ist. Der Innenraum wirkt großzügig und luftig, die vier Ecken des Slate sind gut einsehbar - eine Wohltat, denn zusammen mit dem engen Wendekreis von 11,3 Metern wird das Rangieren zur leichten Übung. Für ein echtes Open-Air-Erlebnis lassen sich übrigens auch die Türen komplett abnehmen, wie bei einem Ford Bronco oder Jeep Wrangler.

Grau in grau, Farbakzente setzt der Besitzer

Der Innenraum (und das ist auch so geplant, wir kommen später dazu) ist komplett in grau getaucht, Farbakzente lassen sich später setzen. Unter der Fronthaube befindet sich ein richtig großer „Frunk“ mit 200 Litern Stauraum - und einem Wasserablauf. Und die Ladefläche fasst bis zur Oberkante stolze 1000 Liter Gepäck. Die Bedienung des Slate könnte nicht einfacher oder intuitiver sein. Direkt vor dem Dreispeichen-Lenkrad sitzt ein kleiner Bildschirm mit digitalem Tacho; der linke Lenkstockhebel bedient die Scheibenwischer, der rechte dient zur Auswahl der Fahrstufe, und die Klimaanlage wird über traditionelle Drehknöpfe gesteuert - besser geht es in einem kleinen Truck nicht. Obwohl unser Testwagen ein Prototyp ist, fühlen sich die Bedienelemente solide an, alles funktionierte.

Es gibt ab Werk weder Navi noch Infotainment

Wobei „alles“ hier erfreulicherweise deutlich weniger bedeutet als bei den meisten anderen Autos. Slate verzichtet zum Beispiel komplett auf Navigation und Infotainment. Es gibt weder Apple CarPlay noch Android Auto, weil es schlicht keinen Bildschirm gibt, auf den man sie projizieren könnte. Ein absoluter Kontrapunkt zu den immer größer werdenden Bildschirmen der meisten Mainstream-Fahrzeuge. Bugatti macht es beim Tourbillon übrigens genauso.

Slate

Pickup-Purismus: Der elektrische Slate Automedienportal.net
Fenster zum Kurbeln, aber Klima ist serienmäßig

Ein Detail, das den Slate definiert, sind die manuellen Fensterkurbeln; elektrische Fensterheber lassen sich nachrüsten. Der frugale Ansatz wird allerdings nicht auf die Spitze getrieben: Servolenkung und Klimaanlage sind serienmäßig.

Die entscheidende Frage beim Slate: Ist er ein ernstzunehmendes Auto? Der Schlüssel muss eingesteckt werden, das Getriebe wird auf „D“ gestellt: Keine Show, keine simulierte Startsequenz und bislang auch kein künstlicher Motorsound, obwohl Slate natürlich irgendwann alle Vorschriften zur akustischen Warnung von Fußgängern erfüllen muss, die die Behörden den Autoherstellern möglicherweise auferlegen.

Slate

Abgesehen von Teslas kaufen Amerikaner eher selten Elektroautos. Der „Slate” könnte das im wichtigen Pickup-Segment ändern Automedienportal.net
Wir geben Vollgas

Die Leistung des im Heck montierten Elektromotors, der seine Kraft über ein einstufiges Getriebe an die Hinterräder überträgt, wurde gegenüber den ursprünglich kommunizierten 150 kW (204 PS) auf 135 kW (184 PS) reduziert. Wichtiger sind jedoch die fast 264 Newtonmeter Drehmoment, die ausreichen, um den 1836 kg schweren Truck mit Nachdruck in Bewegung zu setzen. Der Slate kann bis zu 900 Kilogramm ziehen, der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert knapp über 8 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit ist auf 144 km/h begrenzt. Diese Geschwindigkeit hätten wir auf einem kurzen Straßenabschnitt beinahe erreicht: Wir kamen auf 137 km/h und damit laut einem Slate-Mitarbeiter auf „die höchste Geschwindigkeit, die je ein Nicht-Mitarbeiter gefahren ist“. Die Beschleunigung ist auch im oberen Geschwindigkeitsbereich kräftig und zeigt, dass der Slate noch Reserven hätte.

Slate

Slate Cockpit Slate
Ladung bis 80 Prozent dauert eine Stunde

Der Antrieb wird von einer 65-kWh-LFP-Batterie gespeist, die mit bis zu 90 kW geladen werden kann. Eine ursprünglich angekündigte größere Batterie mit 386 Kilometern Reichweite wurde gestrichen. Gleichzeitig wurde die Reichweite der aufgewerteten Standardbatterie von 204 auf 330 Kilometer erhöht. An einem DC-Schnelllader dauert es exakt eine halbe Stunde, um von 20 auf 80 Prozent zu kommen. Das ist keine Spitzenleistung, aber für den günstigsten Truck auf dem Markt noch solide.

Der Slate liefert diese Performance auf bemerkenswert mühelose Art und Weise. Wir waren auf alles vorbereitet, doch die Unternehmensvertreter mussten nichts erklären oder schönreden: Der Slate setzt sich nahezu lautlos in Bewegung und hält Wind-, Abroll- und Antriebsgeräusche bis zum Autobahntempo auf angenehm niedrigem Niveau. Er fühlt sich serienreif an. Die Lenkung ist präzise und vermittelt gutes Feedback, absolut auf Augenhöhe mit besseren Kompakt-Trucks und Lichtjahre entfernt etwa von der indirekten Lenkung eines Ineos Grenadier. Die Bremsen lassen sich angenehm leicht und linear dosieren, und es ist nur selten notwendig, die hydraulischen Bremsen einzusetzen: Der Slate verfügt über eine der aggressivsten Rekuperations-Einstellungen auf dem Markt, bis hin zum vollständigen Stillstand. Der Effekt ähnelt dem BMW i3 oder der Hyundai-i-Pedal- Einstellung. Sie lässt sich übrigens auch nicht manuell anpassen.

Der Slate verfügt vorn über eine MacPherson-Achse vorn und über eine De-Dion-Achse mit Schraubenfedern hinten, was für geringe ungefederte Massen sorgt. Das Testfahrzeug war mit den serienmäßigen 245/65 Kenda Klever S/T EV auf 17-Zoll- Stahlfelgen ausgestattet; größere Räder und Reifen sind verfügbar. Doch bereits in der Standardkonfiguration sorgt die Fahrwerkskonstruktion für bemerkenswert gute Fahreigenschaften, guten Federungskomfort und keinerlei Vertikalbewegungen oder Springen, was angesichts des kurzen Radstands erwartbar wäre.

Aufdringliche Assistenten gibt es nicht

Mehr noch: Der Truck bleibt bis an die Grenzen der Bodenhaftung satt auf der Straße, die Seitenneigung der Karosserie ist spürbar, aber nicht übertrieben. Auf losem Untergrund lässt sich sogar ein wenig Übersteuern provozieren. Natürlich verfügt der Truck über ein ESP-System, doch viele der aufdringlichen Assistenzsysteme, die die Bedienung eines modernen Autos so lästig machen, fehlen. Dafür kann man Slate und den amerikanischen Behörden, die hier mehr Freiheiten als in der EU zulassen, gar nicht genug danken.

Fazit: Wenig erwartet, deutlich mehr geliefert

Während das als „Blank Slate“ bezeichnete Basismodell mit seinem grauen Outfit und den dunklen Rädern ausgesprochen nüchtern wirkt, lässt er sich auf unzählige Arten aufwerten und individualisieren. Neben den drei Karosserievarianten kann er mit einer Vielzahl von Farben, Teildekoren und Streifen versehen werden. Es gibt zahlreiche Optionen, um das Erscheinungsbild der Scheinwerfer und Rückleuchten zu verändern, außerdem größere Stoßfänger und Kotflügelverbreiterungen, eine außenliegende Reserveradhalterung, Überrollbügel und vieles mehr. Auch Camping-Optionen werden hinzukommen.

Diese Fülle an Möglichkeiten für das Exterieur spiegelt sich im Cockpit wider, das mit farbigen Dekorelementen und verschiedenen optischen Upgrades, Lautsprechersystemen und ähnlichem ausgestattet werden kann. Alle Optionen werden erst nach der Produktion des Fahrzeugs angebracht. Je nach handwerklichem Geschick können sämtliche Modifikationen und Folierungen zu Hause durchgeführt werden; einschließlich der vollständigen Farbfolierungen, die es für weniger als 500 Dollar geben wird. Das bedeutet auch, dass der Slate sein Erscheinungsbild über die Jahre hinweg zu geringen Kosten verändern kann, da immer neue Optionen und Anbauteile aus dem Zubehörmarkt erwartet werden.

Extras kann man selbst installieren, doch Allrad fehlt

Einige Optionen wird es allerdings nicht geben. Dazu gehören ein verbrennungsmotorischer Range Extender ebenso wie Allradantrieb. Anders als etwa Scout hat Slate entschieden, dass der elektrische Antrieb ein wesentlicher Bestandteil des Charakters dieses Trucks ist und bleiben soll. Ein Allradantrieb ist derzeit ebenfalls nicht vorgesehen – obwohl wir überzeugt sind, dass viele Kunden für diese Möglichkeit einen beträchtlichen Aufpreis zahlen würden.

„American Dacia“

Das Design und die Grundidee des Slate haben von Anfang an für Aufmerksamkeit gesorgt. Wirklich beeindruckend ist die Raffinesse, mit der die minimalistische Philosophie umgesetzt wurde. Das Konzept hat Potenzial zu einem echten Gamechanger, indem es den Markt wegführt von immer mehr Bildschirmen, Funktionen, Gadgets und kaum nutzbarer Leistung. Ein amerikanischer Dacia? Die Kundenauslieferungen beginnen noch dieses Jahr; an einen Export ist noch nicht gedacht.

Slate

Slate zeigt auf seiner Webseite, wie man den Wagen durch die unterschiedlichen Karosserieformen, neue Felgen, Folierungen etc. verwandeln kann Slate-Webseite
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