„Woran arbeiten Sie gerade?“. Diese Frage stellen wir Künstlerinnen und Künstlern ganz unterschiedlicher Genres. Wir fragen Autoren, Bildende Künstlerinnen, Musiker, Filmleute und Theatermacherinnen. Das, woran diese Menschen gerade arbeiten, ist nämlich das, was wir als Publikum vielleicht bald zu sehen oder zu hören bekommen. Heute: Liedermacher Manuel Sattler.
Saarbrücken · „Woran arbeiten Sie gerade?“. Diese Frage stellen wir Künstlerinnen und Künstlern ganz unterschiedlicher Genres. Wir fragen Autoren, Bildende Künstlerinnen, Musiker, Filmleute und Theatermacherinnen. Das, woran diese Menschen gerade arbeiten, ist nämlich das, was wir als Publikum vielleicht bald zu sehen oder zu hören bekommen. Heute: Liedermacher Manuel Sattler.
Liedermacher Manuel Sattler begeht in diesem Jahr sein 20. Bühnenjubiläum – geplant ist ein großes Konzert in der Q.lisse in Quierschied.
Foto: Sebatian Dingler/Sebastian DinglerEigentlich sollte sein neues Album schon viel weiter sein. Doch dann kam eine Verletzung dazwischen. Monatelang ging der Saarbrücker Liedermacher Manuel Sattler an Krücken, an ausgedehnte Studiosessions war da nicht zu denken. „Ich musste mich wirklich schonen“, sagt der 49-Jährige, der im Dezember 50 wird. Was wie ein Rückschlag klingt, wurde dennoch zur produktiven Pause: In der erzwungenen Ruhe entstanden neue Lieder – und mit ihnen gleich dreimal ein neuer Albumtitel. Erst hieß das Album „Standortvorteil“. Dann, nach einem Song über autoritäre Regierungen, hieß es eine Weile „Von Herzen“ – nach der Zeile „Von Herzen ein ‚Fickt euch!‘, verfluchte Despoten“. Jetzt, nach einem weiteren neuen Lied, heißt es „Amore Mio“.
Das Stück, das dem Album seinen Namen gibt, handelt vom Thema Lieblingsmusik. „Viele Menschen finden ja ihre Lieblingsmusik zwischen zwölf und 18 Jahren. Das ist tatsächlich ein sehr bedeutsames Alter und ich hatte damit echt Glück gehabt. Meine erste Kassette, die ich mir in der Bücherei ausgeliehen habe, war von The Who. Es hätte auch was anderes sein können!“, meint er lachend. Zum Beispiel Roland Kaiser.
Saar-Liedermacher Manuel Sattler feiert in diesem Jahr 20-jähriges Bühnenjubiläum
Dazu erzählt Sattler die Anekdote, als sein Schwager ihn vom Kindergarten abholte: Im Opel Ascona lief „Dich zu lieben“. Diese Zeile hat er auch in Amore Mio eingebaut. Musikalisch soll sich das Lied aber am Italo-Pop der 70er und 80er orientieren, jener Musik, die Sattler bis heute mal gerne mit einem Freund in seiner Stammkneipe Nilles auflegt. Daneben bekennt er sich zu einer zweiten großen Liebe: dem frühen Reggae und Rocksteady der 60er und 70er Jahre, entdeckt mit 15 auf einer geschenkten Kassette der „Trojan Story“. Toots & the Maytals nennt er bis heute als prägenden Einfluss – und aus dieser Liebe ist inzwischen ein eigenes Nebenprojekt mit neuer Band entstanden: instrumentaler „Wüsten-Reggae“ soll deren Stil sein, so als träfe Ennio Morricone auf einen Dubmaster aus Jamaika.
Daneben beschäftigt Sattler in diesem Jahr noch ein weiteres großes Projekt: Sein 20-jähriges Bühnenjubiläum. Am 10. Juni 2006 gab er sein erstes Konzert, am 16. Oktober 2026 wird das in der Quierschieder Q.lisse groß gefeiert – mit älteren Liedern, die er derzeit mit mehrstimmigem Gesang neu einkleidet.
Manuel Sattler hat Lied über lesbisches Liebespaar geschrieben – das ist der Grund
Zurück zum neuen Album: Zwölf Lieder stehen bereits fest, das Artwork nimmt Form an, erste Aufnahmen sind gemacht – und zum ersten Mal seit seinem Debüt nimmt der Liedermacher ganz ohne eine feste Band auf. Sattler probiert sich gerade mit verschiedenen Musikern aus. Manche Songs werden auch nur allein mit der Gitarre eingespielt. Wie immer will er im Vitamin-Be-Studio von Sebastian Becker in Riegelsberg aufnehmen. Ein Erscheinungstermin? Dazu will er sich nicht festlegen – „idealerweise nächstes Jahr“.
Wie ein Sattler-Lied entsteht, lässt sich am besten an einem Beispiel erklären, das ihm besonders am Herzen liegt: „Gertrud und Gudrun“. Ausgangspunkt war die öffentliche Aufregung um die beiden schwulen Ampelmännchen, die vor drei Jahren in der Mainzer Straße installiert wurden – begleitet von, wie Sattler es nennt, einem regelrechten „Güterzug der Intoleranz“ in den Kommentarspalten auf Facebook. Als Bewohner dieser Gegend ließ ihn das nicht los. Somit schrieb er ein Liebeslied über zwei Frauen, die sich in den 70er-Jahren in der Saarbrücker Schwulen- und Lesbenszene kennen und lieben lernen – vom ersten Treffen bis zum Ende der Beziehung. Die Gudrun stirbt vor der Gertrud. Und die Gertrud, so das Lied, weiß, dass sie irgendwann neben der Gudrun gut ruh’n wird. Das Wortspiel habe fast von der ersten Zeile an festgestanden, erzählt Sattler: „Es war früh klar, wie das Lied enden wird.“ So arbeite er häufig – manchmal sei die Pointe der Ausgangspunkt, manchmal ergebe sie sich erst beim Ausprobieren, wenn er zu Hause auf der Gitarre in Fantasiesprache vor sich hin singt, bis aus den Lauten Sinn wird.
Manuel Sattler bezieht mit neuem Album politisch Stellung
Auch politisch bezieht Sattler auf dem neuen Album Stellung, aber doch ein wenig anders, als man es vielleicht vermutet hätte. Sein Song über autoritäre Regierungen richte sich bewusst nicht an ein ohnehin überzeugtes Publikum, sondern auch an jene konservativen Zuhörer, vor denen er regelmäßig spiele. Er wolle dabei den Aspekt in den Vordergrund stellen, dass autoritäre Regimes zu Vetternwirtschaft, einem ausgehöhlten Justizapparat und einem sinkenden Bruttosozialprodukt führen: „Folgsamkeit sticht Kompetenz, Vetternwirtschaft die Konsequenz“, heißt es im Text. Damit könne er Konservative eher erreichen, meinte Sattler, als wenn er davon singe, dass autoritäre Politiker gegen Vielfalt sind. „Ich denke schon, dass der Konservatismus die nächsten Jahre eine große Rolle spielen wird, um das Autoritäre zurückzuhalten“, gibt er zu denken.
Auch ein Abschiedslied für das Konzertende ist auf dem Album dabei. Er habe dafür seinen alten Wunsch, einmal ein Seemannslied zu schreiben, umgesetzt. Gut, als Saarbrücker ein solches zu komponieren, sei nicht ganz einfach gewesen. Sattlers Lösung: Er segelt einfach von Saarbrücken über Trier ans Meer. „Es dauert halt ein bisschen, aber es funktioniert.“ (isa/sil)
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