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Fußball und Naturschutz: Warum Bayer 04 auf einem Acker verliert

Дата публикации: 15-08-2026 16:32:00

Der Werksklub will in Monheim am Rhein einen neuen Campus errichten. Doch die Fläche liegt in einem Regionalen Grünzug. Das Projekt wurde gestoppt. mehr...

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Der Werksklub will in Monheim am Rhein einen neuen Campus errichten. Doch die Fläche liegt in einem Regionalen Grünzug. Das Projekt wurde gestoppt.

Bayer-Profis auf altem Trainingsgelände. In vertrauten Bahnen: Bayer-Profis an der A1 in Leverkusen

Foto: Federico Gambarini/dpa

Majestätisch fliegt der Bussard an diesem heißen Sommertag Anfang August 2026 über einen vertrockneten Acker in Monheim am Rhein. Doch seine Suche nach Mäusen verläuft erfolglos, sodass er sich in das kleine Waldstück auf dem Acker zurückzieht.

Der Acker gehört der Bayer AG, seit Jahren soll hier etwas Besonderes entstehen: Der „Bayer 04-Campus“, die geplante Heimat für den Bundesligisten. Im benachbarten Monheim ist Bayer der größte Arbeitgeber, die 2.000 Mitarbeitenden der Sparte Crop Science beschäftigen sich gegenüber dem Acker mit Agrarwirtschaft.

Und Bayers Fußballsparte braucht ein neues Trainingszentrum. Der Ausbau der Autobahn A1 wird dem bisherigen Vereinsgelände in Leverkusen ab 2030 Fläche nehmen. Nach eigenen Angaben hat Bayer 04 bereits etwa 70 mögliche Standorte in Leverkusen und Umgebung geprüft, übriggeblieben ist der Acker in Monheim, nordwestlich angrenzend an ein Wohngebiet. Bislang ist das Projekt aber nicht über den Status eines Bauvorhabens hinausgekommen – denn der Monheimer Stadtrat stoppte das Projekt. Bei einer Abstimmung am 15. Juli 2026 votierte der Stadtrat mit 25 zu 19 Stimmen gegen die „Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens“. Bayer ist seinem Ziel also bislang kein Stück nähergekommen.

Monheim am Rhein liegt zwischen Köln und Düsseldorf, das Stadtgebiet grenzt im Süden an das von Leverkusen. Die knapp 44.000-Einwohner-Stadt galt lange als Hochburg der lokalen Partei Peto (Lateinisch für „Ich fordere“). Unter Bürgermeister Daniel Zimmermann senkte Monheim 2012 den Gewerbesteuerhebesatz auf den niedrigsten Wert in Nordrhein-Westfalen. Unternehmen siedelten sich an, die Einnahmen stiegen, Schulen wurden saniert, Busse und Kitas waren kostenlos.

Jachthafen? Really?

Mit den Jahren wuchsen die Ausgaben. Prestigeträchtige Projekte wie Kulturraffinerie, Geysir oder geplanter Jachthafen sorgten für Kritik. Gleichzeitig gingen die Gewerbesteuereinnahmen zurück. Laut Bund der Steuerzahler weist Monheim mit rund 23.000 Euro die höchste Pro-Kopf-Verschuldung in Nordrhein-Westfalen auf.

Bei der Kommunalwahl 2025 verlor Peto rund 20 Prozentpunkte. Ein Bündnis aus CDU, SPD, Grünen und FDP übernahm die Mehrheit, Bürgermeisterin wurde die parteilose Sonja Wienecke. In einem Punkt waren sich die Bündnisparteien einig: Der Bayer-Campus sollte nicht gebaut werden.

Bayer 04 plante Anfang 2025 noch mit 12,5 Fußballplätzen und einem Funktionsgebäude. Über die nächsten Monate, in denen mit den Ratsfraktionen verhandelt wurde, reduzierte der Klub seine Planungen um zwei Plätze. 120 Millionen Euro will Bayer investieren und damit laut eigener Aussage 150 Arbeitsplätze schaffen. Die rund 15 Hektar große Fläche, die der Klub bebauen will, gehört größtenteils zum Regionalen Grünzug von Monheim. Laut Raumordnungsgesetz ist ein Grünzug ein Vorranggebiet, das vier Funktionen erfüllen muss: Es darf nicht in Wohngebiete umgewandelt werden und muss zur Naherholung, Biotopvernetzung und zum klimaökologischen Ausgleich dienen.

Eine Vertreterin der Bezirksregierung Düsseldorf sagte in einem Vortrag im März 2025, dass sich an diesem Standort in Monheim Fluchtkorridore für Tiere verkleinern würden, wenn der Campus gebaut werde. Das käme einer „Art von Verschluss“ gleich. Die Fläche biete außerdem ein „Freilandklima mit einer hohen thermischen Ausgleichsfunktion“. Bei einer „intensiven sportlichen Nutzung“ seien die vier Funktionen des Grünzugs nicht mehr erfüllt.

Der taz liegen Dokumente einer Standortanalyse vor, die ein von Bayer 04 beauftragtes Stadtplanungsunternehmen erstellt hatte. Im Dokument aus 2023 heißt es darin, die Fläche sei „aufgrund der widersprechenden Darstellungen des Regionalplans (Regionaler Grünzug) ungeeignet“, ein „Funktionsverlust des Regionalen Grünzugs“ sei zu befürchten.

Im Rahmen

In einem Dokument aus 2025 steht, eine „Rücknahme des Regionalen Grünzugs“ sei nötig, um einen „Zielkonflikt“ mit der Regionalplanung zu vermeiden. Darüber könne der Regionalrat Düsseldorf „im Rahmen einer Änderung des Regionalplans entscheiden“. Nach Informationen der taz deutet derzeit nichts darauf hin, dass der Regionalrat den Regionalen Grünzug für das Projekt anpassen wird. Sowohl die Bezirksregierung als auch ein von Bayer 04 beauftragtes Planungsbüro hatten den Standort bereits vor der Ratsentscheidung als problematisch eingestuft. Trotzdem beantragte der Klub die Einleitung des Bauleitverfahrens.

Lucas Risse, Fraktionsvorsitzender von Peto, kritisierte bei einem Ortstermin mit der taz die „Blockadehaltung des Bündnisses“ und schob hinterher: „Der Antrag hatte zum Ziel, die Planung fachlich prüfen zu lassen. Das Ganze hatte am Ende aber mit Sachpolitik nichts mehr zu tun. Der Rufschaden für Monheim als Wirtschaftsstandort hat darunter gelitten.“

Die Fußballsparte des Weltkonzerns reagierte verärgert. Fernando Carro, Vorsitzender der Bayer-Geschäftsführung, sprach von einer „großen Enttäuschung“, auf der Plattform LinkedIn schob er die Frage nach, ob die Zukunft eines europäischen Fußballklubs von einer Abstimmung in einem Stadtrat beeinflusst werden könne – für Monheim ist die Antwort klar.

Wie es nun weitergeht, ist völlig offen. Ein Bürgerbegehren wäre der nächste Schritt. Dafür hatte sich auch Bayers Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes ausgesprochen. Dafür müssten ausreichend Stimmen gesammelt werden, bevor es zu einer erneuten Abstimmung käme. Die Bürgerinitiative „Campus möglich machen“ antwortete der taz, auf das „Instrument des Bürgerbegehrens vorbereitet“ zu sein, sie stehe mit Bayer 04 in Kontakt.

Engagierte Monheimer*innen, die gegen den Campus sind, machen hingegen weiterhin für die Erhaltung des Grünzugs mobil. Ein Vertreter der Initiative betont im Gespräch mit der taz, Bayer 04 müsse akzeptieren, wie Monheim tickt und wie der Rat entschieden habe. Es sei nicht rechtens, sich „über demokratische Entscheidungen hinwegzusetzen“.

Auf taz-Anfrage schreibt der Bundesligist, „unvermindert von unserer Idee überzeugt“ zu sein, den Campus zu bauen. Daher überprüfe der Bundesligist, „aktuell verschiedene Optionen, wie sich der Campus in der zur Verfügung stehenden Zeit am besten umsetzen lässt“.

Ein Bürgerbegehren sei in Monheim denkbar, das wisse man „aus den öffentlich geführten Diskussionen“, die eigene Haltung dazu sei noch nicht abschließend diskutiert worden. Auch die Ergebnisse einer eigens in Auftrag gegebenen Telefonumfrage unter der Monheimer Bevölkerung habe Bayer 04 gestärkt, „das Projekt weiterzuverfolgen“.

Der Fall zeigt, dass sportliche Ambitionen, kommunale Planung und Klimaschutz nicht immer vereinbar sind. Über diese Abwägung entscheidet am Ende nicht der Bundesligist, sondern die kommunale Politik. Insofern ist es fast schon ironisch, dass der Ausbau einer Autobahn, der A1, dafür sorgt, dass sich ein Fußballunternehmen und die Bevölkerung einer hochverschuldeten Stadt über einen Acker streiten.

Eine Anfrage an die Bürgermeisterin von Monheim blieb indes unbeantwortet. Ein Ende der Geschichte ist noch lange nicht in Sicht.

Der Bussard wird noch eine ganze Weile über dem Acker kreisen.

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