Das Schwimmbecken vor der Volksbühne sollte für einige Stunden exklusiv für einen Verein der Schwarzen Community offenstehen. Dann kamen Drohungen, die Veranstaltung wurde abgesagt. Nun äußert sich Intendant Lilienthal.
Das Pop-up-Schwimmbad vor der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz bleibt am Freitag ganz geschlossen. Das sagte Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal dem Tagesspiegel am Freitagmittag. „Es bleibt heute aus Solidarität mit der Schwarzen Community geschlossen. Am Samstag um 12 Uhr macht es wieder auf.“
Wegen Sicherheitsbedenken hatten die Berliner Volksbühne und der Verein „Each One Teach One“ (Eoto) am Donnerstag eine für Freitagnachmittag geplante Veranstaltung abgesagt. Ursprünglich war vorgesehen, Schwimmen exklusiv für Menschen der Schwarzen Community anzubieten. Die Volksbühne und der Verein könnten eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher jedoch ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag, hieß es.
An die 20 Journalisten versammelten sich am Freitagmittag vor der Volksbühne. Intendant Matthias Lilienthal hatte angekündigt, Stellung zu der Absage zu beziehen. Dem Tagesspiegel sagte er: „Ich finde das einen total albernen Vorgang, jedes Bad hat den halben Tag geschlossen für Schwimmvereine – und was anderes machen wir auch nicht. Wir versuchen auf vorbildliche Art und Weise das Landesantidiskriminierungsgesetz umzusetzen, was vorsieht, dass Menschen mit Diskriminierungserfahrung besondere Räume angeboten werden müssen.“

© dpa/Christophe Gateau
Am Eingang zum Bad, rechts vom Theater, kamen immer wieder Menschen vorbei und fragten, wann sie wieder baden können. Mitarbeitende der Volksbühne vertrösteten sie auf den nächsten Tag.
In einiger Entfernung stand eine Polizeistreife, um die die Volksbühne gebeten habe, sagte Lilienthal. Zu den Sicherheitsbedenken sagte der Intendant: „Bei uns sind keine direkten Gewaltdrohungen eingegangen, aber es waren gestern Nachmittag 20 rechte filmende Blogger vor dem Haus.“ Er sei erschrocken, „was für eine große, vitale rechte Medienszene in Berlin existiert und mit welcher Aggressivität diese zuschlägt“.
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Bei Eoto hingegen seien rassistische Drohungen eingegangen. Anzeigen bei der Polizei habe die Volksbühne bisher nicht erstattet. Darum wolle man sich Anfang nächster Woche kümmern. Man habe keine physische Gewalt befürchtet, aber psychische Gewalt durch Schreiereien und Parolen, sagte Lilienthal.
Eoto habe sechs- bis 14-jährige Kinder zum Schwimmen eingeladen. Er habe nicht gewollt, dass diese durch „ein Spalier von nicht freundlich gesinnten, schreienden Menschen“ hindurchlaufen müssen, sagte Lilienthal. „Die Vorstellung, dass diese Kinder traumatisiert werden, löst Angst in mir aus“, sagte der Intendant. „Ich habe selbst eine Tochter. Und Schwarze Kinder leben in einer anderen Realität als mein Kind.“
„Das wollen wir unkommentiert so stehen lassen“Mitarbeitende der Volksbühne hatten zuvor am Freitag aus Protest ein großes Transparent mit der Aufschrift „Fickt euch“ aufgehängt. Auf eine Frage nach dem Bezug wollte Intendant Lilienthal nicht antworten, er sagte lediglich: „Das wollen wir unkommentiert so stehen lassen.“ Nicht allen gefällt das Transparent. Das sei nicht gerade eine Einladung zur Debatte, sagen manche. Unterdessen stellte eine Passantin ein Pappschild auf. „Solidarität mit Schwarzen Menschen“ steht darauf.

© dpa/Christophe Gateau

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Ob und in welcher Form Veranstaltungen für die Schwarze Community in Zukunft noch im Bad der Volksbühne stattfinden werden, ist noch unklar. „Wir versuchen, an unserem Programm festzuhalten“, sagte Lilienthal. „Wir werden abwägen: Welche politischen Einwände gibt es, welchen Schutz können wir bieten? Aber wir werden Möglichkeiten finden.“
Theaterchef verteidigte Veranstaltung nach KritikSeit dem 7. August und noch bis Anfang Oktober steht vor dem Theater ein 25 Meter langes und 1,30 Meter tiefes Freibad, das sogenannte Volksbad. Der Eintritt ist kostenlos. An einigen Tagen allerdings ist das Schwimmbecken für bestimmte Vereine reserviert – am Freitag war die Exklusivnutzung von Eoto geplant.
Diese Exklusivnutzung war auf Kritik gestoßen. Das Schwimmen für Schwarze Kinder und Jugendliche sei zum Ziel rechter und rassistischer Hetze geworden, teilte die Volksbühne am Donnerstag mit.
AfD-Chefin Alice Weidel sprach von „Apartheid“, bezog sich also auf das frühere politische System in Südafrika. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen Schwarze waren, hatten nur die Weißen das politische Sagen. Auch eine junge Berliner CDU-Kommunalpolitikerin äußerte Unverständnis und sagte, sie dürfe nicht ins Freibad, weil sie weiß sei. Dies sei ein diskriminierendes Gefühl.
Anfeindungen gegen Verein für Rechte Schwarzer MenschenAuch Eoto direkt wurde angefeindet: „Seit Beginn der öffentlichen Diskussion über die Veranstaltung erhalten wir rassistische Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare auf Social-Media“, teilte der Verein am Donnerstag mit.
Die Volksbühne bleibt trotz der Kritik bei ihrem Standpunkt: „Wir werden selbstverständlich weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten“, sagte Intendant Lilienthal. Auch die Zusammenarbeit mit dem Verein Eoto solle fortgesetzt werden. Neben Eoto ist das Bad an anderen Tagen zum Beispiel für den Verein Gangway-Crew, der Straßensozialarbeit mit jugendlichen und erwachsenen Menschen macht, oder den Verein Flussbad Berlin, der die Aufhebung des pauschalen Badeverbots in der Spree fordert, reserviert. (mit dpa)