Ein Buch über Sterbehilfe könnte schwere Kost sein. Bei Joost Oomen ist es anders. Jetzt las der niederländische Autor in der Zentralbibliothek.
Düsseldorf · Ein Buch über Sterbehilfe könnte schwere Kost sein. Bei Joost Oomen ist es anders. Jetzt las der niederländische Autor in der Zentralbibliothek.
Ein Roman über Sterbehilfe? Ganz klar, ein leichtes Thema ist es nicht, das Joost Oomen für sein drittes Buch „Ein volles Leben“ gewählt hat. Der Titel gibt jedoch schon einen kleinen Hinweis darauf, dass der Autor und Musiker sich eine unterhaltsame Auseinandersetzung vorgenommen hat.
Inspiriert wurde Joost Oomen zu seinem dritten Roman durch seinen Vater, wie er im Gespräch mit Maren Jungclaus vom Literaturbüro NRW erzählte. Eine niederländische Zeitung hatte ihn für eine Serie über Autoren gebeten, etwas über seine Kindheit zu schreiben. So richtig Lust dazu hatte er aber nicht. Da traf es sich gut, dass sein Vater, ein Allgemeinmediziner, gerade in Rente ging und sich mit dem Gedanken trug, zukünftig als Sterbebegleiter zu arbeiten. „Das gab den Anstoß für einen Roman über das Thema Sterbehilfe, aber auch über die Schönheit des Lebens“, resümierte der Autor. Als Stadtpoet von Groningen hat er die Aufgabe, Nachrufe auf Menschen zu verfassen, die ohne Angehörige beigesetzt werden. Also war die Beschäftigung mit dem Tod kein Neuland für ihn.
Als Musiker – Oomen ist Schlagzeuger und Komponist – schreibe er Songtexte und Gedichte „wie im Rausch“, erzählte er. Um zu erfahren, wie es ist, „einmal in ein größeres Universum abzutauchen“, schrieb er seinen ersten Roman und fand Gefallen an dem Format. In „Ein volles Leben“ erzählt er in Anlehnung an die Aufgabe, die sich sein Vater für den Unruhestand ausgesucht hat, die Geschichte des Sterbebegleiters und Arztes Theo Engel.
„In den Niederlanden sind es meist Ärzte im Ruhestand, weil praktizierende Mediziner oft Angst davor haben, ihre Approbation zu verlieren, wenn sie einen Fehler machen“, gab Oomen Einblick in die Verhältnisse im Nachbarland. Dort ist die Sterbebegleitung unter hohen Auflagen erlaubt. Theo Engel nimmt seine Aufgabe ernst. Doch mit jeder Euthanasie, die er durchführt, fühlt sich sein eigenes Leben immer schwerer an. „Bei uns helfen 70- bis 80-Jährige, 70- bis 80-Jährigen ihr Leben zu beenden. Das ist alles andere als leicht, weil sie sich mit ihrer eigenen Endlichkeit auseinandersetzen müssen“ – so brachte Joost Oomen das Dilemma auf den Punkt.
Die Voraussetzungen für ein begleitetes Sterben sind die Aussichtslosigkeit einer Erkrankung oder unerträgliches Leid. Letzteres müssen der behandelnde Arzt und ein weiterer hinzugezogener Mediziner bestätigen. Eines Tages kommt Gerrit zu Theo Engel und bittet ihn um Sterbehilfe, aber nicht, weil er unheilbar krank wäre oder unvorstellbares Leid erfährt. Gerrit hat ein erfülltes Leben als Künstler, ist Drehbuchautor und Regisseur. Seiner Überzeugung nach soll man abtreten, wenn es am schönsten ist. Um Theo Engel zu überzeugen, erzählt er ihm seine Lebensgeschichte. Darf er sterben? Davon erzählt das Buch.
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