Brandenburg produziert schon jetzt mehr Strom aus erneuerbaren Energien als verbraucht werden kann. Trotzdem zeigten sich am Brandenburger Energietag in Cottbus auch die Lücken und großen Fragezeichen in der Infrastruktur.
26. Brandenburger Energietag "Bei der Digitalisierung sind praktisch alle anderen europäischen Länder weiter"
Wenn es um die Energieversorgung in Brandenburg geht, fallen auf der Netzwerkveranstaltung an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) vor allem die Schlagworte digital und flexibel. Das beschreibt nicht unbedingt den aktuellen Stand, sondern mehr wie die Strom- und Wärmeversorgung in Zukunft aussehen soll.
"Brandenburg produziert bereits heute mehr Strom aus Erneuerbaren Energien, als im Land verbraucht wird", sagte Brandenburger Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU) am Mittwoch bei der Eröffnung des Brandenburger Energietages. Dieser Erfolg sei erfreulich. Er bringe jedoch neue und komplexe Herausforderungen bei Speichern und Infrastruktur mit sich, sagte Klement und richtete sich damit an mehr als 650 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
Brandenburger Wirtschaftsministerin Klement beim Energietag (Quelle: BTU / Sascha Thor)
Wasserstoffausbau: "müssen uns vielleicht ein bisschen mehr Zeit geben"
Jens Warnken, der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus, sprach in seiner Rede von offenen Fragen und einem Zwiespalt. Zum Beispiel im Wasserstoff-Kernnetz und um die alte OPAL-Trasse, die von Lubmin quer durch Brandenburg verläuft. Nachdem die Leitung jahrelang Erdgas der Nord-Stream-Pipeline von der Ostsee in den Süden brachte, ist sie mittlerweile auf 400 Kilometern mit Wasserstoff befüllt. Die industriellen Abnehmer dafür fehlen aber noch, so Warnken. Auch die Neubauleitungen des Kernnetzes würden sich in Brandenburg um mehrere Jahre verzögern, vielleicht sogar bis 2035. Potentielle Projekte könnten dadurch nur schwer geplant werden, so Warnken.
Der Präsident der Bundesnetzagentur Klaus Müller sah das ähnlich. Der Wasserstoffausbau in der Lausitz käme voran, aber nicht in der gleichen Geschwindigkeit, wie noch vor zwei bis drei Jahren geplant. "Wir dürfen das Ziel nicht aus dem Blick verlieren und müssen uns vielleicht ein bisschen mehr Zeit geben", sagte er dem rbb. Trotzdem solle das niemanden entmutigen, seine Pläne umzusetzen. Das Kernnetz sei beschlossen und werde jetzt schon ausgebaut, so Müller.
Ein anderes zentrales Thema waren flexible Netze, die bei erneuerbaren Energien vor allem dann wichtig werden, wenn die Sonne nicht scheint, kein Wind weht und die Stromerzeugung schwankt. Damit Netze daran angepasst und Daten in Echtzeit erfasst werden können, müssen sie digitalisiert werden. Bei der Digitalisierung seien praktisch alle anderen europäischen Länder weiter, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur. "Das heißt aber umgekehrt, dass wir aufholen müssen", so Müller.
BTU-Professor Johannes Schiffer bestätigte das teilweise. Zum Beispiel, wenn es darum gehe digitale Verbrauchsdaten der Endkunden zu erfassen. Je mehr Daten es gibt, desto effizienter kann der Netzbetrieb gestaltet werden. "Da haben wir sicherlich noch Defizite. Gleichzeitig denke ich, dass wir insgesamt schon ein sehr stark digitalisierte System haben."
Zwischen Dunkelflauten und Speichern
Schiffer forscht an der BTU an digitalen Energiesystemen und sogenannten smarten Netzen, und zwar im Energie-Innovationszentrum (EIZ), einem der großen Forschungsprojekte die im Rahmen der Strukturentwicklung in Cottbus umgesetzt werden.
Die Herausforderung sei nicht unbedingt, dass der Strom an einen bestimmten Ort komme, sondern dass er genau zu dem richtigen Zeitpunkt dort ankommt, sagte Schiffer. Weil erneuerbare Energien im Gegensatz zu konventionellen Kraftwerken schwanken. "Wann der Wind weht, hängt nicht unbedingt damit zusammen, wann Sie Ihre Spülmaschine anstellen oder ihr Elektroauto laden wollen", so Schiffer. "Dafür brauchen wir zusätzliche Speicher und zusätzliche Flexibilität."
Dabei sei ein Schlüssel die sogenannte Sektorenkopplung. Das Team versucht beispielsweise über Wärmepumpen Strom zu erzeugen und verbindet dadurch Strom und Wärme miteinander, während diese Sektoren bei der fossilen Energieerzeugung getrennt waren. Langfristig soll so der Speicherbedarf reduziert werden, indem überschüssiger Strom dann zum Beispiel direkt in einem anderen Sektor genutzt anstatt gespeichert wird.
Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 03.06.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell, 03.06.2026, Sebastian Schiller
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