Der Schwerlastverkehr soll klimafreundlicher werden. Während vor allem auf Elektro-Lkw gesetzt wird, versucht es ein Brandenburger Unternehmen mit Bio-Flüssig-Erdgas. Die Nutzung für den Verkehr ist allerdings umstritten.
Verkehrspolitik Dieser Lkw wird mit Bio-Flüssiggas betankt
Von Riccardo Wittig
Lkw-Fahrer Christian John hat Biodiesel geladen, die er zu einer Raffinerie an der Nordsee bringen soll. John wirft einen letzten Blick auf seinen Lkw und macht sich bereit für die Fahrt: Vor ihm liegt jetzt eine Tour von rund 480 Kilometern.
Johns Sattelzug fährt allerdings nicht selbst mit Diesel, sondern mit sogenanntem Bio-LNG, also mit biologischem Flüssig-Erdgas, auch Biomethan genannt. Deswegen ist sein letzter Halt eine besondere Tankstelle in Schwedt (Uckermark). Vollgetankt schaffe er dann 1.000 Kilometer und somit Hin- und Rückweg, sagt John.
An der Tankstelle koppelt John einen dicken Schlauch an den metallischen Tank seines Lkw. Dieser wird mit flüssigem Gas befüllt, an der Tanksäule wird ein Preis von 0,75 Euro pro Kilogramm Kraftstoff angezeigt. Für 100 Kilometer braucht ein schwerer Lkw rund 25 Kilogramm Bio-LNG.
Für Christian John gehört der alternative Kraftstoff längst zum Alltag. Rund 150 Lastwagen der firmeneigenen Spedition sind europaweit unterwegs – viele von ihnen mit Bio-LNG. Den Kraftstoff stellt das Unternehmen Verbio etwa aus landwirtschaftlichen Reststoffen oder Gülle her.
Dieser Lkw fährt mit sogenanntem Bio-LNG. (Quelle: rbb)
Halb so hohe Kosten laut Unternehmen
Aktuell spare ein Lkw damit auf 1.000 Kilometern rund 250 Euro Kraftstoffkosten gegenüber Diesel, sagt Verbio-Vorstandsmitglied Bernd Sauter. "Durch die gestiegenen Logistikkosten werden ja auch alle Konsumgüter teurer. Und wenn ich hier ein Modell habe, bei dem ich die halben Kraftstoffkosten habe, dann wird sich das irgendwann auch auf die Verbraucherkette niederschlagen."
Doch Bio-LNG soll nicht nur günstiger sein, sondern auch klimafreundlicher. Der Verkehrssektor macht laut Umweltbundesamt 22,3 Prozent der Treibhausgas-Emissionen hierzulande aus. Ein Viertel davon ist auf den Lkw-Verkehr zurückzuführen.
Bio-LNG (flüssiges Biomethan) wird aus Biogas hergestellt, das bei der Vergärung organischer Stoffe wie Energiepflanzen, Bioabfällen oder Gülle ensteht. Das Gas wird gereinigt und zu Biomethan aufbereitet, anschließend auf 162 Grad heruntergekühlt und veflüssigt. Wie klimafreundlich Bio-LNG ist, hängt stark vom Ausgangsstoff ab. Bei Gülle und Reststoffen ist die Treibhausgasbilanz am günstigsten, weil durch die Verarbeitung Methan-Emissionen vermieden werden. Bio-LNG aus eigens angebauten Energiepflanzen verursacht zusätzliche Emissionen und schneidet schlechter ab.
Dieser Lkw fährt mit sogenanntem Bio-LNG. (Quelle: rbb)
Kritiker: Biomethan nur begrenzt verfügbar
Verbio betreibt für Bio-LNG eigene Tankstellen und eine eigene Lkw-Flotte. Das Unternehmen hat laut eigenen Angaben im vergangenen Jahr 4.000 Tonnen CO2 eingespart, was sich durch Zertifikate nachweisen lasse.
Trotzdem fahren in Deutschland bislang nur wenige Lastwagen mit diesem Antrieb. Der Grund: Die Politik setzt beim klimafreundlichen Schwerlastverkehr vor allem auf batterieelektrische Lkw.
Ob Bio-LNG ein Baustein für die Verkehrswende sein kann, ist allerdings umstritten. So ist die Technik zwar CO2-ärmer, aber nicht CO2-frei. Kritiker verweisen darauf, dass Biomethan nur begrenzt verfügbar ist und in anderen Bereichen ebenfalls gebraucht wird.
"Es gibt auch eine große Nachfrage in anderen Sektoren", sagt Ulf Neuling von der Denkfabrik Agora Verkehrswende. Inzwischen werde Biomethan im Verkehr eingesetzt und auch im Gebäudebereich sei ein größerer Einsatz in der Diskussion. So muss laut Gebäudemodernisierungsgesetz künftig der Anteil an klimafreundlichen Brennstoffen bei neu installierten Heizungen stufenweise steigen.
Fest steht: Der Straßengüterverkehr muss klimafreundlicher werden, um die Klimaziele zu erfüllen. Ob künftig vor allem Strom, Wasserstoff oder erneuerbare Kraftstoffe die Lastwagen antreiben, ist noch offen. Für Lkw-Fahrer Christian John zählt, was heute funktioniert – für ihn ist das Bio-LNG im Tank und eine Reichweite von rund 1.000 Kilometern.
Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 06.08.2026, 14 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg vom rbb, 06.08.2026, Riccardo Wittig
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