Nach dem Schuldspruch im Verfahren gegen den ehemaligen Bischof von Broome, Christopher Saunders, richtet Bischof Tim Norton einen eindringlichen Brief an die Menschen Westaustraliens. Er würdigt den Mut der Betroffenen und kündigt einen Weg des Zuhörens, der Aufarbeitung und der Erneuerung an.
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Nach dem Schuldspruch im Verfahren gegen den ehemaligen Bischof von Broome, Christopher Saunders, richtet Bischof Tim Norton einen eindringlichen Brief an die Menschen Westaustraliens. Er würdigt den Mut der Betroffenen und kündigt einen Weg des Zuhörens, der Aufarbeitung und der Erneuerung an.
Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt
Der 76-jährige Christopher Saunders wurde von einem australischen Geschworenengericht in 13 von 19 Anklagepunkten wegen sexuellen Missbrauchs zweier junger indigener Männer für schuldig befunden. Die Taten sollen sich zwischen 2008 und 2019 in seiner weitläufigen Diözese an der Nordwestküste des Landes ereignet haben.
Anerkennung für den Mut der Opfer und der ZeugenNach der Urteilsverkündung im Verfahren gegen den ehemaligen Bischof von Broome, Christopher Saunders, hat sich der derzeitige Bischof der Diözese, die Saunders von 1996 bis 2021 geleitet hat, mit einem Hirtenbrief an die Menschen Westaustraliens gewandt. Darin spricht Bischof Tim Norton den Opfern und Zeugen seine Anerkennung aus und bittet um einen gemeinsamen Weg der Heilung und Versöhnung.
Bischof Norton dankt der Polizei von Westaustralien und der Staatsanwaltschaft dafür, dass sie die Vorwürfe vor Gericht gebracht haben. Vor allem aber würdigt er den Mut der Opfer, Überlebenden und anderer Zeugen, die ihre Erfahrungen öffentlich gemacht haben. Sie hätten in einem langen und schwierigen Verfahren außergewöhnliche Ausdauer bewiesen und es verdient, mit Mitgefühl und Würde gehört zu werden.
„Wir bedauern zutiefst das Leid, das sie erfahren haben“, schreibt Norton. Zugleich räumt er ein, dass die Folgen weitreichend seien: Das Vertrauen in die Kirche und ihre Leitung sei in der gesamten Diözese erschüttert worden. Viele Menschen, die sich über Jahre selbstlos in Gemeinden und Pfarreien engagiert hätten, seien mit schwierigen Fragen und offenen Wunden zurückgeblieben.
Vertrauen neu aufbauenDer Bischof stellt sich auch den Fragen, wie es zu einem derartigen Vertrauensbruch kommen konnte, bei dem eine Diözese mit engagierten Gemeinden einen solchen Verrat an ihr anvertrauten Menschen erleben musste.
Eine Antwort könne nur in einer erneuerten Verpflichtung zu Sicherheit, Respekt und Verantwortlichkeit liegen, so Norton. Von der Kathedrale bis in die entlegensten Gemeinden wolle die Diözese nun daran arbeiten, eine Kultur des Vertrauens und der Offenheit zu schaffen. Die Menschen müssten mit Würde und Mitgefühl behandelt werden, auch dort, wo unterschiedliche Auffassungen bestehen.
Unterstützung in Anspruch nehmenIn den kommenden Monaten will Norton verschiedene Orte der Diözese persönlich besuchen. Diese Begegnungen sollen Raum für Aufarbeitung und Zuhören schaffen und zugleich einen gemeinsamen Weg in eine neue Phase des kirchlichen Lebens ebnen. Die Gläubigen ermutigt der Bischof ausdrücklich, ihre Anliegen einzubringen.
Menschen, für die das Urteil oder die während des Prozesses bekannt gewordenen Berichte nur schwer zu verarbeiten seien, ruft er dazu auf, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Mitarbeiter der Diözese und der Pfarreien könnten dabei helfen, Kontakt zu unabhängigen Beratungs- und Unterstützungsangeboten herzustellen.
Zum Abschluss seines Schreibens vertraut Bischof Norton die Diözese Maria, Königin des Friedens und Patronin der Diözese Broome, an – in der Hoffnung, sie möge die Menschen auf dem Weg der Versöhnung, Heilung und Hoffnung begleiten.
HintergrundSaunders war 2021 als Bischof von Broome, einer Diözese im Outback im Nordwesten Australiens mit etwa 50.000 Einwohnern - viele von ihnen Aborigines - zurückgetreten, nachdem ihm Fehlverhalten vorgeworfen worden war. Zwischen 2018 und 2020 hatte die australische Polizei zwei Untersuchungen durchgeführt und mitgeteilt, dass die Staatsanwaltschaft nicht genügend Beweise für eine Anklage gefunden hätte. Neue Hinweise auf Missbrauch, die im Rahmen einer Untersuchung im Vatikan nach den Vorgaben des von Papst Franziskus erlassenen Motu proprio Vos estis lux mundi zusammengetragen worden waren, führten schließlich zu weiteren Ermittlungen der australischen Behörden – und im Februar 2024 zur Festnahme des Bischofs. Nach seiner Freilassung gegen Kaution begann das Gerichtsverfahren.
(vaticannews - skr)
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