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Obdachloser auf dem Friedhof Buntentor lässt Anwohnerin verzweifeln

Дата публикации: 03-08-2026 03:00:00

Auf dem Friedhof Buntentor in der Neustadt übernachtet regelmäßig ein Mann im Gebüsch. Nur ein Gitterzaun trennt eine Anwohnerin von dem Ort, wo er isst, flucht und vor ihren Augen sein Geschäft verrichtet.

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Wenn sie sich abends in ihr Bett legt, kommt es vor, dass sie ihn hört. "Es fühlt sich an, als wenn er genau neben mir ist." Sie hört durchs gekippte Fenster, wie er flucht, wie er vor sich hinredet, wie er schnarcht. Zwischen ihr und dem unbekannten Mann, der sich im Gebüsch auf dem Friedhof versteckt hat, liegen nur eine kleine Terrasse, ein Grünstreifen und ein dünner Gitterzaun. Fünf bis zehn Meter Luftlinie vielleicht.

Die Geräusche in der Nacht sind aber nicht das größte Problem. Am schlimmsten ist für die Neustädterin, wenn der Mann auf dem Friedhof Buntentor am helllichten Tag seine Hose runterlässt – und sie alles sehen kann.

Neustädterin hatte sich Umzug an Friedhof Buntentor anders vorgestellt

Im Februar war sie in die moderne Wohnung in der Neustadt gezogen. Die Neustädterin möchte an dieser Stelle anonym bleiben, denn sie hat schlechte Erfahrungen gemacht. Als sie ihre Situation im Internet beschrieb, von ihrer Machtlosigkeit sprach und nach Tipps fragte, wurde sie verbal angegangen.

Der kleine Außenbereich direkt am Wohnzimmer, der Blick ins Grüne, die Ruhe des Friedhofs: ein Ort zum Entspannen. Heute sagt die Ende-30-Jährige jedoch: "Ich habe mir das komplett anders vorgestellt." Kurz nach dem Einzug, die Renovierungsarbeiten waren gerade abgeschlossen, habe sie ihn das erste Mal gesehen. Er habe einfach vor ihr blankgezogen und ins Gebüsch uriniert. "Ich habe mich so erschrocken."

Obdachloser übernachtet auf Friedhof in Bremer Neustadt

Der Mann auf dem Friedhof ist dem Anschein nach obdachlos. Im Gebüsch übernachtet er, isst er, trinkt er, flucht er – und verrichtet sein Geschäft dort, wo die Bremerin nach Feierabend entspannen möchte. Es ist vor allem der letzte Punkt, der die Anwohnerin stört. Der Dreck, der Geruch, aber vor allem eines stört sie: "Ich will hier einfach keine Penisse sehen müssen."

Am Ende schrieb sie einen Hilferuf ins Netz, weil sie nicht weiterwusste. "Ich fühle mich dadurch in meinem eigenen Zuhause nicht mehr wohl und nutze meine Terrasse kaum noch." Und dann weiter: "Mir ist wichtig zu sagen, dass es mir nicht darum geht, obdachlose Menschen zu verurteilen. Ich weiß, dass dahinter oft schwere persönliche Schicksale stehen. Gleichzeitig wünsche ich mir aber, dass ich mich in meiner Wohnung und auf meiner Terrasse wieder sicher und ungestört fühlen kann."

Doch der letzte Absatz interessierte einige Nutzer offenbar wenig. Die Neustädterin berichtet, dass ihr von mehreren Seiten eine obdachlosenfeindliche Haltung unterstellt wurde. Sie löschte ihre Nachricht daraufhin, und die Situation blieb ungelöst.

Der Zaun rund um das Friedhofsgelände bietet vor allem in der kalten Jahreszeit wenig Sichtschutz. Hier erkennbar: die Hinterlassenschaften des vermutlich obdachlosen Mannes.

Der Zaun rund um das Friedhofsgelände bietet vor allem in der kalten Jahreszeit wenig Sichtschutz. Hier erkennbar: die Hinterlassenschaften des vermutlich obdachlosen Mannes.

Foto: Privat

Ihr erster Weg habe sie damals zur Friedhofsverwaltung unter Federführung des Umweltbetriebs Bremen geführt. Dort sei die Situation bereits bekannt gewesen. Auf Nachfrage bestätigen die Behörde und das Umweltressort die Aussage und erklären, es gebe eine Person, "die phasenweise auf dem Friedhof Buntentor schläft und anderweitig gegen die Friedhofsordnung verstößt".

Auch die Polizei ist aufgrund mehrerer Vorfälle inzwischen involviert und "bestreift den Bereich regelmäßig im Rahmen des täglichen Einsatzdienstes und verfolgt festgestellte Straftaten sowie Ordnungswidrigkeiten konsequent", wie es auf Nachfrage heißt.

Ansprache durch Kontaktpolizist brachte kurzzeitig Besserung

Weil die Neustädterin nach ihrem ersten Gespräch mit der Friedhofsverwaltung den Eindruck hatte, diese stehe der Situation recht machtlos gegenüber, wandte sie sich an einen Kontaktpolizisten und sprach die Innere Mission an. Den versprochenen Besuch eines Streetworkers könne sie zwar nicht bestätigen, doch der Kontaktpolizist habe den Mann damals zur Rede gestellt – mit kurzzeitigem Erfolg.

Aus dem Umweltressort heißt es: "Es wurden seitens der Friedhofsverwaltung vor Ort mehrfach Hausverbote der Person gegenüber ausgesprochen. Dem kam die Person zwar kurzfristig nach, kehrte aber nach einigen Tagen wieder zurück und verstieß gegen die Friedhofsordnung."

Anwohnerin fertigte Protokoll an für Bremer Umweltressort

Jetzt prüfe die Behörde die Möglichkeit, ein zeitlich begrenztes Betretungsverbot auszusprechen, heißt es. Dieses sei jedoch "gut zu begründen und am Gebot der Verhältnismäßigkeit auszurichten". Daher wurde die Anwohnerin um Mithilfe gebeten.

Die Neustädterin hat im April ein Protokoll geführt – und wieder abgebrochen, als klar wurde, dass der Mann praktisch jeden Abend da ist. Seit der Ansprache durch den Kontaktpolizisten komme er meist abends, wenn die Friedhofsmitarbeiter fort sind. Die Friedhofsmitarbeiter, die laut der Anwohnerin inzwischen ziemlich angefasst sind, müssen tagtäglich die Hinterlassenschaften des Mannes beseitigen.

Die Verzweiflung der jungen Frau ist schnell spürbar, wenn man sich mit ihr unterhält. "Das Thema macht mich echt wahnsinnig. Ich will einfach nur meine Ruhe haben." Selbst zur Rede gestellt habe sie den Mann bislang nicht. Zu groß ist die Angst, dass die Situation eskalieren könnte.

Obdachloser Mann uriniert an Grabsteine

Ein Besuch vor Ort. Ruhig und friedlich liegt er da, der Friedhof Buntentor. Verwitterte, teils jahrzehntealte Gräber. Heute gibt es hier nur noch Urnenbestattungen. Momente der Trauer, während derer der Mann laut der Anwohnerin nur wenige Meter von den Angehörigen entfernt bereits an Grabsteine uriniert habe.

Wo im Sommer eine kleine Hecke den Friedhof von den anliegenden Wohnungen abschirmt, liegt der Blick in der kalten Jahreszeit frei. Einige Anwohner haben deswegen am Friedhofszaun einen Sichtschutz auf eigene Kosten angebracht. Die junge Frau würde dies auch gerne tun – doch das sei ihr verboten worden.

Anwohnerin darf keinen Sichtschutz anbringen

Die Behörde schreibt dazu: "Das Anbringen von Sichtschutz am Friedhofszaun ist grundsätzlich nicht gestattet. Es steht den Anwohnern frei, einen Sichtschutz auf ihrem eigenen Grundstück auf eigene Rechnung gemäß ihren individuellen Bedürfnissen anzubringen, jedoch nicht direkt am Friedhofszaun."

Im Fall der Neustädterin erlaubt die Hausverwaltung jedoch keine zusätzlichen Elemente auf der Rasenfläche, und ihre kleine Terrasse bietet keinen Platz für einen weiteren Sichtschutz. Also blickt die junge Frau weiter von ihrem Sofa auf das Friedhofsgebüsch – und auf einen Menschen, der genau wie sie am Ende wohl nur ein kleines Stück Privatsphäre sucht.

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