Darf ein christliches Menschenbild die Debatte über Leihmutterschaft endgültig schließen? Ein Gastbeitrag plädiert für Offenheit – auch in den Kirchen.
Jens Spahn trat als Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag zurück
Foto: Kay Nietfeld/dpa/Kay NietfeldKolumne | Düsseldorf · Darf ein christliches Menschenbild die Debatte über Leihmutterschaft endgültig schließen? Ein Gastbeitrag plädiert für Offenheit – auch in den Kirchen.
Zum „christliches Menschenbild“ als Wertebasis bekennen sich in unserem Land viele „Regierende“. Nicht nur in der CDU/CSU. Auch ich als „Regierte“ bekenne mich dazu. Gerade bewegt mich die konkrete Frage: Verlangt das christliche Menschenbild ein zeitloses und kategorisches NEIN zur Leihmutterschaft und steht es deshalb im eindeutigen Widerspruch zu ihrer möglichen Legalisierung?
Der Politiker Jens Spahn, der für sein privates Glück die deutsche Rechtslage im Ausland umging, verlor seine Glaubwürdigkeit und sein politisches Amt. Wasser predigen und Wein trinken, Doppelmoral und Scheinheiligkeit – das waren öffentliche Vorwürfe, die zu seinem Rücktritt führten. Diese Vorwürfe mag ich nicht entkräften. Wohl aber plädiere ich dafür, ethische Fragen bei konkreten Themen nicht dogmatisch zu beenden, sondern offenzuhalten. Auch wenn wir uns zu einem christlichen Menschenbild bekennen. Und gerade auch in unseren Kirchen. Bibeltexte sprechen zwar in alle Realitäten des Lebens hinein. Nicht zuletzt in die kulturell bedingten und politisch veränderbaren Realitäten von Sexualität, Elternschaft und Familienleben. Aber: Die in der Bibel tradierten Worte Gottes vermitteln in der Regel keine für alle und immer gültigen ethisch-politischen Handlungsanweisungen. Wer mit einem christlichen Menschenbild im öffentlichen Diskurs politisch verantwortlich mitmischt, der muss bereit sein, sich dem Widerspruch und der Kritik politisch andersdenkender Christenmenschen auszusetzen. In der demütigen Einsicht: Theologisch-ethische Wertungen und Entscheidungen, auch die kirchlichen und auch wenn sie auf biblische Texte Bezug nehmen, bleiben zeitbedingt, interessengeleitet und ambivalent. Ich hoffe, dass Gottes Geist – Bonhoeffer nannte ihn den „rechten Zeitgeist“ – uns als „Regierende und Regierte“ im Ringen um theologisch verantwortbare ethische Entscheidungen inspiriert. Und uns dabei Wege aufzeigt, die sowohl unser privates Glück wie auch das Gemeinwohl im Blick behalten.
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