Die Stadt Frankfurt ändert ihre Schulentwicklung. Sie will die Nachmittagsbetreuung dem Bedarf anpassen und eine Förderschule für geistig beeinträchtigte Kinder bauen.
Die neue Römer-Koalition wünscht sich mehr Transparenz bei der Schulentwicklung. Der Magistrat soll künftig jährlich darüber berichten, wie weit es ihm bisher gelungen ist, die Vorgaben des Integrierten Schulentwicklungsplans zu erfüllen. Der neue Plan gilt für die Jahre 2025 bis 2031 und ist die zentrale Grundlage für die Weiterentwicklung der Bildungsinfrastruktur. Im aktuellen Schulentwicklungsplan gibt es zwei wichtige Neuerungen: Die Stadt will nicht mehr alle Grundschüler mit Ganztagsplätzen versorgen und eine neue Förderschule bauen.
Die Koalition aus CDU, Grünen und SPD weist den Magistrat in einem Antrag darauf hin, wie wichtig eine transparente Information sei, um die vorgesehenen Vorhaben verlässlich zu realisieren. Die Koalition bittet auch darum, die geplanten Projekte frühzeitig zu priorisieren und belastbar finanziell abzusichern.
In der nächsten Sitzung des Bildungsausschusses soll Stadträtin Sylvia Weber (SPD) den neuen Schulentwicklungsplan vorstellen. Unter anderem soll das Bildungsdezernat sicherstellen, dass der neue Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder erfüllt werden kann. Der Anspruch gilt seit dem 1. August zunächst nur für Erstklässler und wird jedes Jahr um eine Jahrgangsstufe erweitert. Das hat Folgen für den Raum-, Flächen- und Personalbedarf der Stadt. Außerdem soll das Bildungsdezernat darlegen, wie der Neubau und die Erweiterung von Schulen finanziert werden.
In Frankfurt fehlen noch 25 SchulenDer neue Schulentwicklungsplan fußt auf dem vorherigen Plan. Untersucht wurde unter anderem die Entwicklung der Schülerzahl und welche Bedarfe sich daraus ableiten lassen. Demnach ist in keiner der sechs Bildungsregionen, in die das Stadtgebiet unterteilt ist, bis zum Schuljahr 2034 mit einem bedeutenden Rückgang der Schülerzahl in der Grundschule und der Sekundarstufe I zu rechnen. In einigen Bildungsregionen wird ein Zuwachs, in anderen eine Stagnation der Schülerzahl erwartet.
Weil der Schulplatzbedarf mithilfe der schon bestehenden Gebäude nicht gedeckt werden kann, sahen die vorherigen Schulentwicklungspläne der Stadt die Errichtung von 25 weiteren Schulen vor: 18 Grundschulen, vier integrierte Gesamtschulen, eine kooperative Gesamtschule, ein Gymnasium und eine gymnasiale Oberstufe fehlen demnach. Diese Vorhaben sind aber nicht neu.
Die Betreuung am Nachmittag soll dem Bedarf angepasst werden.Anjou VartmannWeitere neue Schulgründungen sind nach den Analysen, die dem aktuellen Plan zugrunde liegen, nicht notwendig. „Wenn wir 22 der insgesamt 25 beschlossenen Schulgründungen umgesetzt haben, brauchen wir nach dem heutigen Stand der Schülerzahl keine weiteren Neugründungen mehr“, sagt Weber. Bis dahin sei es allerdings noch ein weiter Weg.
Neu ist ein anderes Projekt. Das wichtigste Vorhaben im neuen Schulentwicklungsplan ist der Bau einer weiteren Förderschule mit dem sogenannten Schwerpunkt geistige Entwicklung. Damit reagiert die Stadt darauf, dass die Zahl der Schüler mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung zwar insgesamt rückläufig ist, jedoch mit Ausnahme des genannten Förderzweigs. Die Zahl der Kinder mit diesem Förderbedarf ist deutlich gestiegen, zwischen 2017 und 2024 von 331 auf 433. Weil an den vorhandenen Förderschulen zu wenig Platz war, musste die Stadt schon Außenklassen für geistig behinderte Kinder bilden – an Schulen, die dafür eigentlich nicht ausgestattet sind. Deshalb will die Stadt zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine neue Förderschule mit diesem Profil errichten.
Nicht alle Grundschüler nehmen Betreuungsplätze in AnspruchAußerdem will sie prüfen, an welchen Förderschulen ein entsprechender Zweig ergänzt werden kann. Als kurzfristige Lösung komme auch die Bildung von Kooperationsklassen infrage. Im Lauf des nächsten Schuljahres wird zudem eine neue Außenstelle der Charles-Hallgarten-Schule im ehemaligen Gebäude der Freien Christlichen Schule in Fechenheim mit fünf Lerngruppen eingerichtet.
Und es gibt noch eine wichtige Neuerung: Im Plan ist vorgesehen, das bisherige Ziel einer hundertprozentigen Versorgung mit Ganztagsplätzen für Grundschüler zu überprüfen. Denn die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Kinder einen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen.
Das Stadtschulamt hat im November 2025 an allen Grundschulen den tatsächlichen Platzbedarf ermittelt und vorausberechnet. Es kommt zu dem Schluss, dass es an den meisten Schulen keinen Bedarf gibt für eine hundertprozentige Versorgung mit Betreuungsplätzen. In der vierten Jahrgangsstufe nähmen viele Schüler die Plätze nicht mehr in Anspruch. Zudem könne die geplante Umwandlung der kompletten schulinternen Betreuung in kostenpflichtige Plätze dazu führen, dass die Inanspruchnahme weiter sinkt. Das Amt empfiehlt daher, aus wirtschaftlichen Gründen das bisherige Ziel einer flächendeckenden Versorgung sämtlicher Grundschüler zu überprüfen.
Derzeit deckt die Stadt beim Ausbau der Betreuungsplätze den tatsächlichen Bedarf allerdings nicht ab. Für das neue Schuljahr gibt es an einer Schule eine Unterversorgung mit Betreuungsplätzen, in den folgenden Schuljahren gälte dies für vier, elf und 2029/30 schließlich 23 Schulen. Aktuell werde mit Hochdruck daran gearbeitet, die rechnerische Unterversorgung für alle folgenden Schuljahre abzubauen, sagt Weber.
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