Wenige Minuten nach dem Start von Spusu hatten wir in der Redaktion zwei SIM-Karten (eSIM) geschaltet. Wie macht sich die Karte im Alltag und im Roaming?
Wenige Minuten nach dem Start von Spusu hatten wir in der Redaktion zwei SIM-Karten (eSIM) geschaltet. In einem Fall wurde irrtmlich fr iOS ein fr Android gedachtes Profil geschickt, mit dem QR-Code auf einem zweiten Handy lie sich die eSIM sofort und problemlos installieren.
In unserem Langzeiterfahrungsbericht soll es um Roaming gehen und um die Mailbox.
Gast im Vodafone-Netz - keine Vodafone-Dienstnummern
Fuball-Legende Bastian Schweinsteiger ist das Testimonial fr spusu in Deutschland
Foto: Mass Response / Spusu
Erfahrene Nutzer wissen, dass Spusu im Netz von Vodafone funkt, das ist aber nur bedingt richtig. Ja, es wird das Funknetz von Vodafone verwendet, aber smtliche Netzdienste wie bestimmte Sondernummern (auer der 110 und 112) funktionieren fr Spusu Kunden nicht. Wer beispielsweise die Vodafone-Sonder-Nummer 12313 oder 0172-12313 whlt, um herauszufinden, wo eine bestimmte Rufnummer angesiedelt ist, bekommt eine Ansage, dass diese Nummer "nur aus dem D2-Netz" erreichbar sei. (Workaround: +49 171 252 4387 verwenden. Vorsicht! Das Gesprch kann extra berechnet werden.)
Man muss wissen, Spusu ist ein virtueller Netzbetreiber und fhrt den gesamten Verkehr ber seine eigenen Server. Bei Roamingverbindungen dauert das alles dann ein wenig lnger (lngere Ping-Zeiten). Fr Telefonate ist das unkritisch, bei Datenverbindungen knnen Wartezeiten auftreten.
Die Spusu Mailbox - anders als gewohntWer schon lnger im Mobilfunk zu Hause ist, ist es gewohnt, die Rufumleitungen zur Mailbox ber sogenannte USSD-Kommandos oder Menpunkte im Telefon oder Smartphone einzurichten. Beispielsweise kann man mit *#62# Hrertaste erfahren, welche Umleitung greift, wenn man nicht im Netz erreichbar sein sollte (z.B. weil das Handy aus ist oder am aktuellen Aufenthaltsort kein passendes Netz zu empfangen ist).
Diese Abfrage ergibt bei Spusu nur dann eine korrekte Information, wenn die SIM-Karte in einem iPhone (von Apple) verwendet wird. Unter Android kann es passieren, dass die Antwort lnger dauert und dann nach ein bis zwei Minuten eine Fehlermeldung erscheint (ungltiger MMI-Befehl oder hnliches). Wer auf dem iPhone die Mailbox wie gewohnt abschalten will, erlebt eine berraschung. Dazu spter mehr.
Unbedingt Spusu App installieren
Die Spusu App ist Pflicht. Unter Tarif/Bearbeiten finden sich die Mailbox-Einstellungen.
Screenshot: Henning Gajek / teltarif.de
Spusu-Kunden sollten, ja mssen unbedingt die Spusu-App installieren. Zum ersten Login kann man sich per SMS einen dreistelligen Einmal-Code an seine Spusu Nummer schicken lassen, das nchste mal "merkt" sich die App den Login. Man knnte das aber auch abschalten, etwa wenn das Handy von Personen genutzt wird, die keinen Zugriff auf das Kundenkonto haben sollen.
In der spusu App ist gut versteckt ein Einzelverbindungsnachweis zu finden, der alle abgehenden und ankommenden Sprachverbindungen sowie Datensessions enthlt und im Excel- oder CSV-Format heruntergeladen werden kann. Alternativ ist ein Aufruf der Spusu Webseite ber PC oder Laptop zu empfehlen, was das Handling der Dateien einfacher macht.
Mailbox abschalten oder einrichten?In der Spusu-App sind drei Dinge mglich: Die Mailbox abschalten (Hkchen wegnehmen) und eine eigene Begrungsansage erstellen und hochladen. Um die Ansage zu erstellen, braucht es ein Sprachaufzeichnungsprogramm (bei iOS wre das "Sprachmemos", was serienmig installiert ist, bei Android muss man ggf. im Google PlayStore nachschauen und von dort etwas selbst installieren). Ist die Sprach-Aufnahme erstellt, wird sie ber die Spusu App zu Spusu hochgeladen. Sollte die Aufnahme nicht gefallen oder sich etwas ndern, kann man jederzeit eine neue Aufnahme erstellen und diese erneut hochladen (z.B. Abwesenheitsansage, Urlaubsansage oder hnliches).
Kommt ein Anruf rein, schickt die Mailbox eine SMS und - wenn eingeschaltet - die aufgenommene Sounddatei mit der Nachricht des Anrufers als WAV-Klangdatei an eine vorher angegebene e-mail-Adresse. Das ist sehr praktisch.
Rufumleitungen? Ja - aber...Rufumleitungen sind mglich, aber nicht ber das Mobiltelefon, sondern ber die Spusu-App.
Mailbox abschalten - mit NebenwirkungenDas Abschalten der Mailbox erfolgt ber ein Hkchen in der App. (Rubrik: Tarif / Bearbeiten und dann scrollen) Ruft nun jemand an und wrde normalerweise auf der Mailbox landen, hrt er kein Freizeichen, auch kein Besetztzeichen. Die Verbindung wird ohne Hinweis oder Ansage abgebrochen. Unwissende Anrufer werden es sicher mehrfach versuchen und anschlieend vermuten, dass diese Nummer nicht existiert oder der Anschluss gestrt ist.
Was sie nicht wissen ist, dass alle Anrufversuche im System registriert werden. Kommt der Spusu-Kunde ins Netz zurck, erfhrt er per SMS ber den Anrufversuch: "+491xxxxx hat Sie am 20.07.2026 um 15:41 angerufen." Absender ist die "Spusu Sprachbox".
Mailbox besser nicht abschalten!Wer Wert auf Erreichbarkeit legt, sollte besser die Mailbox nicht ausschalten, sondern eine passende Klangdatei erstellen. Wer partout keine Mailbox abrufen mchte (es ist kostenlos) kann ja einen lngeren Hinweistext hochladen, der klar ansagt, dass Anrufe auf der Mailbox niemals abgehrt werden.
War die Mailbox korrekt aktiviert und hat der Anrufer eine Nachricht hinterlassen, wird der Spusu-Kunde per SMS ber den Anruf informiert. In der SMS ist auch eine Rufnummer enthalten, worber diese Nachricht abgehrt werden kann. Das von Spusu gewhlte Verfahren ist ziemlich einmalig.
Jede Mailboxnachricht hat eigene RufnummerAls Rckrufnummer knnte in der SMS beispielsweise die 015630 9090 005 (ohne Leerstellen) erscheinen. Diese Rckrufnummer funktioniert nur, wenn Nachricht Nr. 5 noch da ist und wenn man vom eigenen Anschluss aus anruft. Von fremden Telefonen geht das nicht. Eine Fernabfrage - wie von Telekom, Original-Vodafone oder o2 Telefnica gewohnt - gibt es nicht.
Jeder Mailboxnachricht bekommt eine eigene Nummer. Hat man seit Start des Vertrages sagen wir 20 Nachrichten, dann wre die 015630 9090 020 zu whlen. Whrend dem Vorspielen kann die Nachricht mit "1" gelscht werden und ist sofort weg. Weitere Nachrichten mssen durch erneute Anwahl verbunden mit der passenden Nummer abgerufen werden. Ist Nachricht 1 noch da, gilt die 001 am Ende, wurde die Nachricht 020 gelscht, wrde die nchste neue Nachricht die 021 bekommen. Fr Nutzer einer Mailbox ist das Verfahren ungewohnt bis umstndlich.
Nutzer eines aktuellen iPhones werden vermutlich auf die Spusu-Mailbox niemals Nachrichten draufgesprochen bekommen, weil das iPhone (ab iOS 26) im Smartphone einen eigenen Anrufbeantworter besitzt. Der hat dann auch gleich eine Texterkennung, was Menschen, die nicht so gut hren, sicher zu schtzen wissen.
Anderes Anrufziel mglichIn der Spusu-App kann auch ein beliebiges Rufumleitungsziel (im Inland) eingerichtet werden. Dann landen alle Anrufe sofort dort. Durch Ausschalten der Umleitung wird dieser wieder gelscht. Diese Aktion ist nur mglich, wenn das Mobiltelefon Verbindung zum Internet hat, WLAN wrde schon reichen. Plant man eine Reise in ein greres Funkloch, wre eine Einrichtung vor der Abreise zu berlegen.
999 Nachrichten?Aufgrund des Konstruktionsprinzips sind also auf der Mailbox 999 Nachrichten denkbar, wovon einige schon lngst gelscht sein knnten. Ob es nach 999 bei 000 weitergeht, wissen wir nicht. Unser Zhler war bei Testende etwa bei 030.
Versucht man eine Mailboxnachricht abzurufen, die lngst gelscht wurde, gibt es eine Ansage "Diese Mailboxnachricht ist nicht mehr verfgbar". Wei man den aktuellen Zhlerstand nicht, ruft man die 015630 90 90 an und hrt die aktuellste Nachricht ab. Wird die mit "1" gelscht, bekommt man beim erneuten Anruf die vorherige Nachricht vorgespielt.
Lngeres Drcken der "Taste 1" auf dem Telefon fhrt in vielen Fllen zur Mailbox (im Gertespeicher sollte +49 15630 9090 hinterlegt sein, oft passiert das automatisch.)
Das Abrufen der Mailbox funktioniert auch dann ber die Vorwahl 015630, wenn man selbst eine frhere Rufnummer mit anderer Vorwahl zu Spusu mitgebracht hat.
Anrufe "von auen" funktionieren nach dem Schema 0156-00-30-123456 wenn es um die Spusu Rufnummer 015630-123456 gehen soll. Der Anrufer kann aufsprechen, aber darber nichts abhren. Bei mitgebrachten Rufnummern gelten die Regeln des Herkunftsnetzes, also 0171-13-1234567 fr eine aus dem Telekom-Netz mitgebrachte Rufnummer.
Spusu und Roaming
Interessante Beobachtungen mit spusu konnten in London gemacht werden.
Foto: Henning Gajek/teltarif.de
Es ist die Annehmlichkeit des digitalen Mobilfunks seit dem Start des D-Netzes (ab 1992), dass internationales Roaming mglich ist. Das gilt auch fr spusu, mit kleinen Besonderheiten. Whrend die groen etablierten Netzbetreiber mit nahezu allen Netzen dieser Welt ein Roamingabkommen haben, scheint das bei spusu nicht immer und berall der Fall zu sein.
Ist also das von spusu vorgesehene Landes-Netz vor Ort nicht vorhanden, dann hat der Kunde solange eben gar kein Netz. Aus Frankreich berichten Leser, dass dort nur das Netz von Orange (vormals France Tlcom) genutzt werden knne. Sie erwischten natrlich genau den Ort, wo das Netz von Orange nicht ging.
In der Schweiz roamt Spusu ausschlielich beim dritten Netzanbieter Salt (vormals Orange Swiss). Sunrise oder Swisscom bleiben den spusu-SIM-Karten (auer im Notfall mit 112) verschlossen. Da die Schweiz nicht zur EU gehrt, knnen die Mobilfunkanbieter hier andere Preise nehmen. Spusu ist halbwegs fair und berechnet 10 Cent pro Minute oder 20 Cent pro SMS-Nachricht, Daten sind im Inklusivvolumen des Spusu-Tarifs enthalten. Auch hier gilt dann: Sollte irgendwo in der Schweiz das Netz von Salt nicht verfgbar sein, ist solange kein Netz mglich.
Leser die die ansonsten vorbildliche Hotline nach einer Roaming-Partnernetz-Liste fragten, wurden abschlgig beschieden. Das sei leider nicht mglich, hie es.
Spusu in London
Speedtest mit Spusu im Netz von EE in London. Die Werte je Test schwankten stark.
Screenshot: Henning Gajek / teltarif.de
Bei einer Reise nach London (Grobritannien) trat der Effekt auf, dass Spusu zunchst bei Vodafone UK (wie erwartet) roamte, spter aber zur British Telecom gehrenden EE (Everything Everywhere, einer BT/Deutsche Telekom Tochter) wechselte. Nutzer berichten, dass der Kunde diesen Wechsel kaum selbst erzwingen knne. Erfreulicherweise wird Grobritannien von Spusu tariflich wie ein EU-Mitgliedsland behandelt.
Unangenehm fielen die Datenraten mit Spusu in London auf. Sie wechselten stark, waren aber insgesamt unbefriedigend. Der erste Test im Netz von Vodafone in der Hotel-Lobby ergab 0,71 MB/s down und 0,85 MB/s up bei 109 ms Ping. Die eSIM in einem iPhone 17 Pro sollte mehr erlauben. Der zweite Test war mit 3,85 MB/s (down) und 2,48 MB/s (up) schon besser - mit 116 ms Ping. Ein Einbuchen in ein 5G-Netz war nicht mglich. Eine parallel getestete Verbindung ber eine eSIM des Service-Providers Naked Mobile (direkt im Vodafone-Netz aufgehngt) brachte in London weitaus bessere Datenraten (50 MB/s und mehr).
Wieso ruft Unbekannt an?Von London aus wurde der bewusst abgeschaltete Spusu-Anschluss angerufen, damit landeten die Anrufe wie gewnscht auf der Spusu-Mailbox. Soweit so schn. Die Rckmeldung war dann aber enttuschend: Alle Anrufe kamen von "unbekannt". Dafr kann Spusu absolut nichts, denn das ist EU-Recht: Wenn ein Anruf mit einer deutschen Nummer aus dem Ausland eintrifft und es keine 100-prozentige Sicherheit gibt, dass die bertragene Rufnummer echt ist, muss sie unterdrckt werden, Paragraph 120 TKG lsst gren.
Abbruch bei lngeren Telefonaten?Ein anderer Leser berichtete, dass lngere Telefon-Verbindungen nach 30 Minuten, einer Stunde oder mehr aus heiterem Himmel abgebrochen seien. Er verwendet eine ursprnglich an 1&1 zugeteilte Rufnummer, die er zu Spusu portiert hat. Ein 40-mintiges Testgesprch vom Redakteur in London ber dessen Spusu-SIM zur portierten Spusu-Nummer des Lesers (in Deutschland im Vodafone-Netz) blieb bis zum regulren Auflegen stabil.
Ein vorsichtiges Fazit:Spusu ist ein neuer Anbieter in Deutschland und es ist klar, dass es am Anfang zu kleinen Ruckeleien kommen wrde, die nun Stck fr Stck abgearbeitet werden.
Fr Spusu spricht der freundliche und gut erreichbare Service. Wer einen gnstigen Mobilfunkvertrag mit gutem Service sucht, um ab und an mal mit den Lieben in Kontakt zu bleiben oder eine Zug- oder Busverbindung herauszusuchen, wird an Spusu sicherlich Gefallen finden. Wer aber beruflich auf das Mobiltelefon im In- und Ausland angewiesen ist und hier maximale Performance braucht, dem wrden wir zu einem Mobilfunkvertrag bei einem Original-Netzbetreiber raten. Ja, der ist vielleicht etwas teurer, dafr stehen auch ganz andere Mglichkeiten zur Verfgung.
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